Champions LeagueLiverpool kämpft in Paris um letzte Titelchance – Slot wankt

Friede, Freude, Eierkuchen - das war in Liverpool in dieser Saison nur selten der Fall. (Archivbild)
Friede, Freude, Eierkuchen - das war in Liverpool in dieser Saison nur selten der Fall. (Archivbild)
Luca Bruno/AP/dpa

Wütende Fans, stichelnde Stars und ein Trainer, der um seinen Job bangen muss: Der FC Liverpool taumelt gehörig vor dem Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League bei Paris Saint-Germain.

Stänkernde Stars, pöbelnde Fans und ein taumelnder Trainer. Die Stimmung ist mal wieder außerordentlich schlecht beim FC Liverpool, der vom Top- zum Krisenclub mutiert ist. Nach dem desolaten FA-Cup-Aus und der längst abgeschriebenen englischen Fußball-Meisterschaft ist der Druck vor dem Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League bei Titelverteidiger Paris Saint-Germain an diesem Mittwoch (21.00 Uhr/DAZN) besonders hoch. Für Florian Wirtz & Co. geht es um die letzte Titelchance, für Arne Slot um die Zukunft als Reds-Coach.

Seit Monaten schon steht der vertraglich bis 2027 gebundene Slot in der Kritik, die Debatten über ein vorzeitiges Ende im Sommer laufen. Leverkusens früherer Meistercoach Xabi Alonso, bei Real Madrid gescheitert, steht Gerüchten zufolge als heißester Kandidat parat. Wenn überhaupt, kann Slot wohl nur der Champions-League-Titel retten. In der Premier League liegt Liverpool 21 Punkte hinter Spitzenreiter Arsenal und muss sogar um die Europapokal-Qualifikation bangen.

Tiefe Spuren hinterließ auch das blamable 0:4 am Samstag im FA-Cup-Viertelfinale bei Manchester City. Sein Team habe zu einfach Gegentore kassiert und zu viele entscheidende Zweikämpfe verloren, monierte Slot - nicht zum ersten Mal in dieser Seuchensaison mit bereits 15 Pflichtspielniederlagen. „Wir müssen jetzt zeigen, dass wir nach einer Niederlage wie dieser und nach so vielen Enttäuschungen, die wir bereits in dieser Saison hatten, reagieren“, forderte er.

„Slot schlafwandelt der Entlassung entgegen“

Die Lage ist prekär, vor allem für den Coach selbst. „Slot schlafwandelt der Entlassung entgegen“, schrieb die „Daily Mail“ nach der Packung gegen Man City. Dass der Jürgen-Klopp-Nachfolger das Team in der vergangenen Saison auf Anhieb zur Meisterschaft geführt hatte, hilft ihm kaum noch. Der missglückte Umbruch in dieser Saison mit teuren Zugängen wie Wirtz, Hugo Ekitiké oder dem verletzten Alexander Isak wird vor allem dem Trainer angelastet.

Die Aussagen aus der Mannschaft sprechen auch nicht gerade für eine Weiterbeschäftigung des 47-Jährigen. „Was uns immer am meisten auszeichnete, war unser Zusammenhalt. Jetzt befinden wir uns in einer Übergangsphase und müssen diesen Zusammenhalt erst wiederfinden“, sagte Kapitän Virgil van Dijk bei Sky.

Szoboszlai sorgt für Ärger mit Fans

„Der Kampfgeist hat gefehlt, die richtige Einstellung hat gefehlt“, monierte Dominik Szoboszlai nach dem FA-Cup-Aus. „Um ehrlich zu sein, waren wir alle nicht so da, wie wir hätten sein können.“ So richtig da war auch der Ex-Leipziger erst nach dem Spiel, als er auf die Unmutsbekundungen der mitgereisten Fans mit höhnischem Applaus und provokanten Gesten reagierte. In den sozialen Medien machte sich der Mittelfeldspieler damit eher wenig Freunde.

Auch Slot bereiten die Stars Probleme. Die neuen sollen mit den alten eher mäßig harmonieren. Über mangelnde Wertschätzung hatte Mohamed Salah, der gegen Man City einen Elfmeter verschoss, schon Anfang Dezember geklagt. „Ich hatte eine gute Beziehung zum Trainer. Ganz plötzlich haben wir jetzt aber gar keine Beziehung mehr. Und ich weiß nicht warum. Scheinbar will mich jemand nicht mehr im Club haben“, sagte die Stürmer-Ikone öffentlich. Abgehakt ist das Thema wohl auch deshalb, weil Salah im Sommer den Club nach dann neun Jahren verlassen wird.

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Fowler: „Vom Trainer sehen wir das nicht“

„Es liegt am Trainer, sie bei Laune zu halten. Wir wissen, dass sie bessere Spieler sind, als sie derzeit zeigen“, sagte Liverpools Ex-Spieler Robbie Fowler beim TV-Sender TNT-Sports. „Man braucht Führungsspieler, die die Mannschaft durchbringen, und das sehen wir bei dieser Mannschaft nicht. Das ist es, was wir brauchen, aber vom Trainer sehen wir das nicht.“

Fest steht: Bei einem erneuten Ausscheiden gegen PSG wie im Vorjahr, als Liverpool im Achtelfinale im Elfmeterschießen am Team von Luis Enrique scheiterte, würden Slot kaum noch Argumente für eine Weiterbeschäftigung über den Sommer hinaus bleiben.