BundesligaDerby mit Knall-Potenzial: Kölns Kwasniok hofft auf „Boost“

Heiß wird es beim rheinischen Derby fast immer. (Archivbild)
Heiß wird es beim rheinischen Derby fast immer. (Archivbild)
David Inderlied/dpa

Das rheinische Derby ist immer brisant - auf und neben dem Platz. Diesmal ist die Lage besonders speziell. Gladbach und Köln brauchen Punkte für den Klassenerhalt.

Von Angst wollte Lukas Kwasniok vor dem so wichtigen Derby gegen Borussia Mönchengladbach nichts wissen. „Du kannst es als Angst wahrnehmen, als Herausforderung oder aber auch als Gelegenheit annehmen“, sagte der stark unter Druck stehende Trainer des 1. FC Köln. „Wir sehen das komplett als Gelegenheit, als Chance, hier wieder einen Boost hereinzubekommen.“ Im brisanten rheinischen Traditionsduell mit Krawall-Gefahr geht es um viel mehr als nur Prestige.

Polizei erwartet zahlreiche gewaltbereite Fans

Sowohl die Kölner als auch die Gladbacher von Trainer Eugen Polanski kämpfen gegen den Abstieg. Der seit sechs Spielen sieglose FC liegt nur einen Zähler vor dem Relegationsplatz. Bei einem dreifachen Punktgewinn würden die Domstädter mit der Borussia gleich- und die Elf vom Niederrhein noch stärker in den Kampf um den Klassenerhalt hineinziehen. Dafür brauche man zwar auch fußballerische Elemente, erklärte Kwasniok, „aber im Derby geht es erst mal um Emotionen“.

Neben dem Platz sollen diese nicht für hässliche Bilder sorgen. Die Polizei erwartet jeweils rund 500 gewaltbereite Fans beider Vereine. Mehr als 1.400 Beamte sollen rund um die Partie am Samstag (15.30 Uhr/Sky) im Einsatz sein. Für etwa 20 Ultras aus Köln und Mönchengladbach gelten Aufenthalts- und Bereichsbetretungsverbote. Er hoffe, dass alles sportlich und fair bleibe, „auch auf den Rängen“, sagte Polanski.

Kwasniok widerspricht Berichten

Der 40-Jährige hat ebenfalls Druck, doch für sein Gegenüber könnte es bei einer Niederlage richtig ungemütlich werden. Kwasniok hat im chronisch aufgeregten Kölner Umfeld viele Kritiker. Zuletzt hatte es Berichte darüber gegeben, dass er mit dem Aufsteiger aus den beiden Spielen gegen die direkten Konkurrenten Hamburger SV (1:1) und nun Gladbach mindestens ein Spiel gewinnen müsse, um seinen Job zu behalten.

„Diese Ansage gab es nie, die hat es auch diese Woche nicht gegeben“, sagte Kwasniok dazu. Der 44-Jährige warb für sich und für Kontinuität. „Der 1. FC Köln ist in der Saison 1997/98 erstmals aus der Bundesliga abgestiegen. In der Zwischenzeit siebenmal“, sagte der Coach, der die Rheinländer seit dem vergangenen Sommer betreut. „Bei den siebenmal hat man es immer mit Trainerwechseln versucht.“

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Kwasniok: Gladbacher „deutlich gestandener in der Bundesliga“

Die Vorfreude auf das Kräftemessen der rheinischen Rivalen lässt sich Kwasniok von der angespannten Lage nicht nehmen. „Das sind ja die Momente, warum du hier unterschrieben hast“, sagte er vor dem 100. Bundesligaderby und schob die Favoritenrolle ein wenig Richtung Niederrhein: „Auch wenn man das nicht gerne hört, sind die Gladbacher natürlich deutlich gestandener in der Bundesliga.“

Wie geht Rocco Reitz mit dem Druck um?

Bei der Borussia war neben dem Derby in dieser Woche der Transfer von Kapitän Rocco Reitz zu RB Leipzig das große Thema. Wie gehen die Fans mit dem Wechsel ihres Lieblings zum ungeliebten Red-Bull-Club um? Hält Reitz dem Druck stand?

Club und Spieler geben sich alle Mühe, Brisanz aus dem Thema zu nehmen. „Ich kann versprechen, dass ich mich in jedem verbleibenden Spiel mit allem, was ich habe, zerreißen werde – vor allem im Derby jetzt am Wochenende“, wird Reitz in einem Vereinsstatement zitiert.

Nach abgesessener Rotsperre kehrt der 23 Jahre alte zentrale Mittelfeldspieler in die Mannschaft zurück. Bei den Kölnern stehen die beiden bislang besten Torschützen, Said El Mala und Jakub Kaminski, trotz einer Trainingspause am Mittwoch wieder zur Verfügung.