Früherer DFB-DirektorBierhoff fordert klare Linie vom DFB vor der WM 2026

Der frühere DFB-Direktor Bierhoff warnt vor politischen Debatten bei der WM. (Archivbild)
Der frühere DFB-Direktor Bierhoff warnt vor politischen Debatten bei der WM. (Archivbild)
Marcus Brandt/dpa

Das sportliche und politische Debakel bei der Fußball-WM 2022 in Katar ist Oliver Bierhoff noch in Erinnerung. Kurz vor der Endrunde 2026 warnt der Ex-Europameister vor einer Wiederholung.

Der frühere DFB-Direktor Oliver Bierhoff warnt mit Blick auf die Fußball-WM 2026 vor einer ähnlichen politischen Debatte wie vor der Endrunde 2022 in Katar. „Der DFB sollte einmal Position beziehen und dann deutlich machen: Lasst die Mannschaft in Ruhe! Tragt eure Moraldebatten gerne aus, aber nicht auf dem Rücken der Spieler“, sagte der 48-Jährige im „Stern“-Interview.

Vor dem Turnier in diesem Sommer (11. Juni bis 19. Juli) in den USA, Kanada und Mexiko wird rund um den Deutschen Fußball-Bund über den richtigen Umgang mit US-Präsident Donald Trump debattiert. „Lasst die Fußballer ihren Sport in Wettkämpfen ausüben, für die sie 365 Tage im Jahr hart arbeiten“, sagte Bierhoff. „Wenn Athleten unterschiedlicher Hautfarbe oder Religion sportlich fair miteinander umgehen und sich auch mal in den Armen liegen, erzeugt das Bilder, die verbindend wirken können.“

Von einem Turnierboykott halte er nichts, sagte der einstige Nationalspieler, der auf die engen wirtschaftlichen und politischen Verbindungen zwischen Deutschland und den USA verwies. „Warum sollte ausgerechnet die Nationalmannschaft eine andere Haltung einnehmen?“, fragte Bierhoff. Ein kritischer Kommentar eines Fußballers werde an der Lage nichts ändern.

Die Lehren aus dem Katar-Debakel

Der damalige DFB-Direktor stand 2022 mit im Zentrum der Kritik, als über das Katar-Turnier und den Umgang mit der Menschenrechtslage im Gastgeberland diskutiert wurde. Von der Nationalmannschaft wurden klare Zeichen verlangt, am Ende überlagerte die Debatte das Sportliche. Die Nationalmannschaft schied in der Vorrunde aus, vor dem Spiel gegen Japan (1:2) sorgten die Spieler mit einer Geste für Aufsehen - aus Protest gegen die Vorgaben des Weltverbandes FIFA hatten sie sich beim Teamfoto die Hand vor den Mund gehalten.

„Die Idee kam aus der Mannschaft. Einige Spieler hatte die Debatte sehr beschäftigt, sie wollten eine Reaktion zeigen. Heute denke ich: Man muss sehr gut überlegen, ob man sich als Team bei einem Turnier politisch positioniert“, sagte Bierhoff, der das Verhalten der Verbandsspitze um den damaligen wie heutigen DFB-Präsidenten Bernd Neuendorf (64) kritisierte. Die Aussagen müssten „von der politischen Führung des Verbandes erfolgen“, sagte Bierhoff.

Er hätte sich damals gewünscht, dass sich das DFB-Präsidium klarer zu Katar äußern und vor die Mannschaft stellen würde. „Stattdessen hatte ich das Gefühl, dass man sich eher hinter der Mannschaft und mir versteckt“, sagte Bierhoff, der im Präsidium Beisitzer, aber nicht stimmberechtigt war. „Die Spieler sollten sich aber nicht verpflichtet fühlen, etwas zu sagen. Das zu verlangen, halte ich für überzogen und unangebracht.“ Die meisten Diskussionen über den Einfluss des Sportes halte er für „verlogen“.