3 Minuten Spots pro HalbzeitMillionen-Regen für FIFA: So verdient sie an jeder WM-Trinkpause

Bei der Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer müssen sich die Fans auf eine einschneidende Neuerung einstellen: Die Spiele werden in Viertel unterteilt. Darüber dürften sich TV-Anstalten freuen.
Die FIFA ermöglicht den Sendern, die im Sommer die Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko übertragen, einen warmen Geldregen: Wie bereits im Dezember verkündet worden war, werden alle 104 Spiele des Turniers einmal pro Halbzeit für eine Trinkpause unterbrochen. Nun ist klar: In den jeweils dreiminütigen Pausen dürfen die TV-Anstalten Werbung zeigen. Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, gibt es für die Sender strikte Vorgaben, wie die Werbeblöcke platziert werden dürfen.
Die Spielzeit-Revolution hatte die FIFA als Schutzmaßnahme für die Spieler als Reaktion auf die zu erwartenden hohen Temperaturen in mehreren der 16 Stadien eingeführt. „Der Schiedsrichter wird das Spiel in jeder Halbzeit nach 22 Minuten stoppen, um den Spielern die Möglichkeit zu geben, Flüssigkeit zu sich zu nehmen“, schrieb die FIFA dazu auf ihrer Webseite. Das bedeutet, dass die 104 Spiele der WM effektiv in Viertel unterteilt werden.
Die Sender haben nun laut AP offenbar die Wahl zwischen einem geteilten Bildschirm, auf dem sie ausschließlich Werbung für FIFA-Sponsoren zeigen dürfen, oder einer vollständigen Unterbrechung, in der sie wie gewohnt beliebige Werbung zeigen können. Die Werbespots dürfen laut Anweisung an die Sender nicht innerhalb von 20 Sekunden nach dem Anpfiff der Trinkpause beginnen und müssen mehr als 30 Sekunden vor Wiederaufnahme des Spiels enden.
Für die deutschen Fans ist diese Entwicklung nur teilweise relevant: Die öffentlich-rechtlichen Sender, die die WM-Spiele des DFB-Teams zeigen, dürfen gemäß des Rundfunkstaatsvertrags nach 20 Uhr keine Werbung mehr zeigen. Dies gilt für zwei der drei Vorrundenspiele. Wer die Spiele bei Rechteinhaber MagentaTV verfolgt, wird wohl allerdings die neuen Werbeblöcke mitten im Spiel kennenlernen.
Bei der Klub-WM im vergangenen Sommer in den USA waren die Temperaturen, die bei einzelnen Spielen die Marke von 40 Grad weit überschritten hatten, ein großes Thema. 31 der 54 Spiele waren damals von Trinkpausen unterbrochen worden. BVB-Trainer Niko Kovac hatte beim zur Mittagszeit in Cincinnati angepfiffenen Gruppenspiels gegen Mamelodi Sundowns von „irregulären Bedingungen“ gesprochen, seine Spieler würden „wie so ein Grillhähnchen gebraten“.
„Eine Weltmeisterschaft in Amerika mitten im Sommer? Haben die das Wetter gesehen?“, hatte bereits vor einem Jahr „The Athletic“ gefragt. Kurz zuvor war ein Schiedsrichter-Assistent beim Gruppenspiel der Copa América zwischen Kanada und Peru in Kansas City Ende bei einer Temperatur von 37,8 Grad Celsius zusammengebrochen.
Längst nicht alle WM-Spielorte und -zeiten sind von der Hitzeproblematik betroffen. Die meisten Nachmittagsspiele werden in klimatisierten Stadien mit Dach oder in den kühleren Regionen des Nordens gespielt. Aber laut FIFA soll die Entscheidung, bei allen Spielen der Endrunde jede Halbzeit für eine Pause zu unterbrechen, für Einheitlichkeit und Konsistenz während des gesamten Turniers sorgen.
Die deutsche Mannschaft wird ihre drei Gruppenspiele wohl weitestgehend unbeeinflusst von Hitzeexzessen absolvieren können: Die Auftaktpartie der DFB-Elf gegen Curaçao wird zwar am 14. Juni um 12 Ortszeit im Houston-Stadion angepfiffen, also um 19 Uhr deutscher Zeit. Die Arena in Texas hat aber ein Dach, kann klimatisiert werden, so dass die zu erwartenden hohen Temperaturen kein Problem für Spieler und Fans sein sollten.
Die zweite Partie am 20. Juni gegen die Elfenbeinküste findet in Toronto in Kanada statt. Anstoß ist um 16 Uhr Ortszeit, 22 Uhr in Deutschland. Bei noch vor der Auslosung drohenden Spielen an der Westküste wären die Anstoßzeiten viel problematischer geworden.
Zum Gruppenfinale geht es an die Ostküste. In New York wird am 25. Juni ebenfalls um 16 Uhr US-Zeit gespielt, wieder 22 Uhr in Deutschland.
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