Zock-IrrtümerSieben Casino-Mythen im Check: Was stimmt, was stimmt nicht?

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Online-Casinos bieten hunderte Spiele an.
Getty/luza studios AB

Gewinne, Gewinne, Gewinne - oder doch nicht?
Rund um Online-Casinos kursieren zahlreiche Behauptungen. Manche klingen plausibel. Andere halten sich seit Jahren in Foren und sozialen Netzwerken. Doch was davon stimmt wirklich? Ein Blick in gesetzliche Vorgaben und auf offizielle Stellen zeigt: Vieles davon ist schlicht Quatsch.

Die Walzen drehen sich. Drei Symbole blitzen auf – knapp daneben. Im Chat schreibt jemand: „Der Automat zahlt heute nichts aus.“ Ein anderer antwortet: „Spiel später nochmal, nachts ist die Quote besser.“ Solche Sätze liest man immer wieder in Foren und Kommentarspalten. Dass Online-Shops die Preise je nach Tageszeit ändern, ist bekannt. Aber ist bei Online-Casions nachts tatsächlich die Gewinnchance höher?

Ein Blick auf die rechtlichen Vorgaben zeigt: Für Online-Spielautomaten gelten in Deutschland klare Regeln. Seit Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrags 2021 (GlüStV) sind unter anderem Einsatzlimits, eine Mindestdauer von fünf Sekunden pro Spielrunde und zentrale Spielersperren vorgeschrieben. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) überwacht die Anbieter und achtet darauf, dass Regeln eingehalten werden.

Technische Systeme wie etwa der sogenannte Zufallszahlengenerator müssen den gesetzlichen Anforderungen entsprechen und werden nach Angaben von Behörden und Prüfstellen kontrolliert. Vor diesem Hintergrund lassen sich sieben verbreitete Mythen einordnen.

Mythos eins: Nach vielen Verlusten kommt automatisch ein Gewinn

Dieser Gedanke wird oft als „Ausgleichslogik“ beschrieben. Wer lange verliert, müsse irgendwann gewinnen. Fachleute sprechen hier vom sogenannten Spielerfehlschluss. Tatsächlich arbeiten Online-Spielautomaten mit einem Zufallszahlengenerator (Random Number Generator, RNG). Darauf weisen sowohl die GGL als auch technische Prüfstellen hin, die entsprechende Systeme zertifizieren. Jede Spielrunde wird neu berechnet. Vergangene Ergebnisse haben keinen Einfluss auf die nächste Drehung.

Mythos zwei: Zu bestimmten Uhrzeiten sind die Chancen höher

Ob spätabends oder nachts – manche Spieler vermuten bessere Gewinnchancen bei geringer Auslastung. Technisch gibt es dafür keine Grundlage. Laut den technischen Vorgaben im Glücksspielstaatsvertrag darf das Zufallssystem nicht von äußeren Faktoren wie Uhrzeit oder Spielerzahl beeinflusst werden. Der Generator läuft kontinuierlich und unabhängig.

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Mythos drei: Freispiele garantieren einen Vorteil

Freispiele werden häufig als Bonus angeboten. Sie wirken wie ein Geschenk. Doch in der Praxis sind sie meist an Bedingungen geknüpft. In den Bonusregelungen lizenzierter Anbieter finden sich oft sogenannte Umsatzanforderungen. Gewinne müssen demnach mehrfach eingesetzt werden, bevor eine Auszahlung möglich ist. Die GGL weist darauf hin, dass Bonusbedingungen transparent dargestellt werden müssen. Freispiele können den Spielumfang erhöhen. Eine Gewinngarantie stellen sie nicht dar.

Mythos vier: Im Demo-Modus gewinnt man häufiger

Ein Spiel unverbindlich zu testen, bevor richtiges Geld fließt, ist eine feine Sache. Immer wieder wird behauptet, Freispiele im Testmodus seien leichter zu erzielen, um Menschen gezielt dazu zu bringen, echtes Geld einzusetzen. Für lizenzierte Anbieter gilt jedoch: Das Zufallssystem darf nicht zwischen Demo- und Echtgeldspiel unterscheiden. Auch darauf verweisen Prüfberichte unabhängiger Zertifizierungsstellen wie TÜV oder eCOGRA. Unterschiede entstehen eher durch Wahrnehmung. Wer ohne echtes Geld spielt, empfindet Verluste meist weniger intensiv.

Mythos fünf: Mit einer Strategie lässt sich der Automat schlagen

Im Internet finden sich zahlreiche Einsatzstrategien für Online-Glücksspiele: Verluste sollen durch höhere Einsätze ausgeglichen werden. Gewinnserien sollen gezielt genutzt werden. Laut technischer Grundlogik eines RNG-Systems sind solche Strategien jedoch wirkungslos. Jede Runde bleibt statistisch unabhängig, genau wie beim Lotto oder Eurojackpot. Der Glücksspielstaatsvertrag schreibt zudem unter anderem einen maximalen Einsatz von einem Euro pro Drehung bei virtuellen Automatenspielen vor. Auch dadurch soll übermäßiges Verlustrisiko begrenzt werden.

Mythos sechs: Anbieter können einzelne Spieler gezielt steuern

Die Sorge vor individueller Manipulation taucht regelmäßig auf. Der Glücksspielstaatsvertrag verpflichtet lizenzierte Betreiber jedoch zu manipulationssicheren Systemen. Technische Abläufe werden dokumentiert und geprüft. Eine gezielte Steuerung einzelner Nutzer wäre nicht nur rechtswidrig, sondern auch durch die Behörden überprüfbar.

Mythos sieben: Wer länger spielt, erhöht seine Gewinnchancen

Mathematisch bedeutet längeres Spielen mehr einzelne Spielrunden. Jede Runde bleibt jedoch unabhängig. Die Gewinnwahrscheinlichkeit pro Drehung verändert sich nicht, wenn länger gespielt wird. Gleichzeitig steigen mit zunehmender Spieldauer die Gesamteinsätze und damit das Verlustrisiko. Aus diesem Grund schreibt der Glücksspielstaatsvertrag unter anderem eine Mindestdauer von fünf Sekunden pro Spielrunde vor. Diese sogenannte Fünf-Sekunden-Regel soll impulsives Spielen bremsen.

Wodurch entstehen Glücksspiel-Mythen?

Wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in ihren Informationsmaterialien erläutert, neigen Menschen dazu, Zufallsereignisse falsch zu interpretieren. Gewinne bleiben häufig stärker im Gedächtnis als Verluste. Zudem sucht das Gehirn nach Mustern, selbst dort, wo statistisch reiner Zufall herrscht. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von kognitiven Verzerrungen. In der Psychologie ist vom „Gambler’s Fallacy“ die Rede. Darunter versteht man die Annahme, dass sich Zufall ausgleichen müsse. Studien zu kognitiven Verzerrungen zeigen, dass einzelne Erlebnisse schnell als allgemeine Regel interpretiert werden.

Fest steht: Online-Spielautomaten sind Unterhaltung und die Auswahl der Anbieter ist groß. Sie aber sind kein verlässliches Mittel zur Einkommenssteigerung. Wer spielt, sollte die gesetzlichen Rahmenbedingungen kennen und realistische Erwartungen haben. Auch wichtig ist verantwortungsvolles Spielen, denn Glücksspiel kann abhängig machen. Informationen zu Risiken und Hilfsangeboten stellt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bereit. Kostenlose und anonyme Beratung bietet die Hotline unter 0800 1 37 27 00 sowie das Online-Portal www.check-dein-spiel.de. (mst)

Verwendete Quellen: Eigene RTL-Recherche, Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV), Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL), Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)