Wetterphänomen kehrt zurückBringt El Niño den Hitze-Mai?

A view shows an eroded channel with residual water near the Dead Sea in Kalia, West Bank on April 19, 2026. Water diversion from the Jordan River and mineral extraction activities have contributed to the decline in water levels.//MIDDLEEASTIMAGES_MEI-PSE-SB-NDSWB-20260419-015/Credit:Simon Beni/MEI/SIPA/2604220859
El Niño sorgt einerseits für schwere Regenfälle in einigen Weltregionen, andererseits auch für Dürren.
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Im Pazifik steigen die Temperaturen rapide. Experten sehen darin klare Anzeichen für ein baldiges, starkes Wetterereignis. Dürren und schwere Regenfälle könnten die Folge eines starken El Niños sein.

Die Anzeichen für ein baldiges starkes Wetterphänomen El Niño werden immer stärker. Darauf deuteten die rapide steigende Temperaturen der Meeresoberfläche im äquatorialen Pazifik hin, berichtete die Weltwetterorganisation (WMO) in Genf. Laut den Vorhersagen könnten fast weltweit die Temperaturen an Land in den nächsten drei Monaten höher als gewöhnlich sein. Die Auswirkungen könnten bereits ab Mai spürbar werden.

Das Wetterphänomen sorgt einerseits für schwere Regenfälle in einigen Weltregionen, etwa in Teilen Afrikas oder in Südamerika, andererseits für Dürren, etwa in Australien oder Indonesien. El-Niño-Ereignisse heizen zudem die globalen Temperaturen zusätzlich an. Dem bislang heißesten Jahr 2024 ging zum Beispiel ein El Niño voraus. Damals lag die globale Durchschnittstemperatur bei etwa 1,55 Grad über dem vorindustriellen Niveau.

Auch 2027 könne in einem Bereich über 1,5 Grad liegen, sagte der Leiter der WMO-Abteilung für Klimavorhersagen, Wilfran Moufouma Okia, in Genf. Die Berechnungsmodelle deuteten auf einen starken El Niño hin. Die Frühjahrsmonate seien allerdings traditionell kompliziert für Vorhersagen. Ab Mai gebe es mehr Stabilität und dann könnten bessere Vorhersagen getroffen werden.

El Niño ist ein natürlich auftretendes Phänomen, das alle zwei bis sieben Jahre auftaucht. Die Bedingungen dauern meist zwischen neun bis zwölf Monaten. Es beginnt immer mit einer Erwärmung der Meeresoberflächentemperatur im Pazifik. Normalerweise sorgen Passatwinde dafür, dass das warme Wasser entlang des Äquators über den Pazifik nach Westen getrieben wird und kalte Wasserschichten voller Nährstoffe an der Küste aufsteigen können.

Wenn der Luftdruck sich allerdings ändert, nimmt der Wind ab oder kann sogar Richtung Land blasen. Die Warmwasserschichten im Westen des Pazifiks treiben zur Küste zurück, der Austausch des kalten und warmen Wassers in Küstennähe findet nicht mehr statt. Das ist der Beginn einer verhängnisvollen Kettenreaktion, die nicht mehr zu stoppen ist. Laut der WMO führt der menschengemachte Klimawandel nicht zu einem häufigeren oder stärkeren Auftreten des Phänomens, er könne aber die Auswirkungen verstärken. 2024 wurde durch El Niño zum heißesten jemals gemessenen Jahr.

Verwendete Quellen: jpe/dpa/AFP