Preiskrieg zwingt zum SchrittChinas E-Auto-Flut! Jetzt rollt die Export-Welle auf uns zu

Chinas E-Auto-Hersteller drängen mit Macht auf die Weltmärkte - nicht nur aus Stärke, sondern auch aus Not. Ein jahrelanger Preiskrieg und massive Überkapazitäten haben den heimischen Markt ausgereizt. Für westliche Hersteller wie Volkswagen wird der Wettbewerb härter.
Chinesische Elektroautobauer nehmen für sich die Technologieführerschaft in Anspruch und wollen damit die Weltmärkte erobern. Doch die Lust am Export kommt nicht nur aus einer Position der Stärke. Der jahrelange Preiskrieg in China und der ungebremste Bau von Fabriken durch eine Vielzahl neuer Autofirmen hat das Land mit unverkauften Fahrzeugen geflutet, für die nun Käufer im Ausland gesucht werden. „Die chinesischen Autobauer sind an einem Punkt angekommen, wo sie wissen, dass es nicht mehr nur um China geht“, sagte Pedro Pachego, Analyst beim Beratungshaus Gartner. „Sie brauchen jetzt einen Plan, wie sie die Technologie nach Europa, Südamerika und Südost-Asien bringen.“
Im ersten Quartal sackten die Neuwagenverkäufe in China, dem größten Automarkt der Welt, um 18 Prozent ab. Eine Erholung ist vorerst nicht in Sicht, die Gewinnmargen sind unter Druck. Der Export bietet nach Einschätzung von Beobachtern Chancen, höhere Renditen zu erwirtschaften als auf dem Heimatmarkt und zudem die Auslastung der Fabriken etwas zu verbessern. Wie schwierig die Lage in China ist, schilderte der Volkswagen-China-Chef Ralf Brandstätter im „Handelsblatt“: Europas größter Autobauer geht nunmehr davon aus, dass der gesamte chinesische Automarkt bis 2030 lediglich auf rund 26 Millionen Fahrzeuge jährlich wächst, von 24 Millionen in diesem Jahr. „Einige Institute liegen sogar darunter“, sagte Brandstätter. Seine eigenen Renditeerwartungen hat das Unternehmen gekappt.
Zugleich wachsen die Kapazitäten der Autobauer in der Volksrepublik ungebremst. Im laufenden Jahr liegt die Kapazität der Autofabriken in China nach Berechnungen des Datendienstleisters S&P Global Mobility bei 60,7 Millionen Autos, das sind fast vier Millionen mehr als noch 2024. Die Produktion dürfte mit 32,3 Millionen Autos um 3,3 Millionen steigen im Vergleich zu 2024. Daraus errechnet sich eine Auslastung von 53,2 Prozent - das ist weit unter dem Niveau, das in der Autobranche als auskömmlich gilt.
Entsprechend bleibt den chinesischen Herstellern keine andere Wahl als zu exportieren. Im vergangenen Jahr gingen 5,8 Millionen Autos ins Ausland, das ist ein Anstieg um ein Fünftel. Im laufenden Jahr dürften es nach einer Schätzung des Branchenverbandes China Association of Automobile Manufacturers 7,4 Millionen sein.
Darunter sind zum einen Elektroautos und Hybride von BYD, SAIC oder Geely, die auf europäischen Straßen zu finden sind. Im ersten Quartal schnellte der Marktanteil der chinesischen Autobauer in Europa nach oben. BYD etwa verkaufte von Januar bis März in der EU einschließlich Großbritannien nach Daten des europäischen Branchenverbandes ACEA fast 74.000 Autos, vor einem Jahr waren es gerade einmal 29.000. Beim Marktanteil hat der chinesische Anbieter inzwischen Mazda, Suzuki und Jaguar Land Rover überholt. SAIC liegt mit einem Marktanteil von 2,3 Prozent sogar vor Tesla.
Auch die Einfuhrzölle der Europäischen Union auf Elektroautos aus China bremsen den Anstieg nicht, zumal sie nur für reine Elektroautos gelten und Hybridfahrzeuge ausgenommen sind. Brandstätter verweist auf die deutlich niedrigeren Produktionskosten in der Volksrepublik: „Produktion in China ist im Vergleich zu Deutschland oft so, als würde man nur ein Drittel so viel investieren, doppelt so schnell starten und halb so teuer fertigen.“
Doch noch größer ist die Flut an chinesischen Autos, die in Südamerika, Südost-Asien oder Afrika verkauft werden. Diese Region hat auch Volkswagen im Blick, wenn es um Exporte aus China geht. Es handle sich um Märkte, die bislang aus Europa heraus nicht wirtschaftlich bedient werden konnten, sagte Brandstätter. „Damit sichern wir uns auch gegen den zunehmenden chinesischen Wettbewerb in diesen Regionen ab.“ Anders als nach Europa führen chinesische Hersteller in diese Länder auch Verbrenner aus, die vor allem mit niedrigen Preisen punkten.
Der US-Markt ist dagegen chinesischen Autobauern verbaut, auch wenn jüngsten Umfragen zufolge US-Autokäufer zunehmend offen für die Fahrzeuge sind. Doch Importzölle von 100 Prozent machen eine Einfuhr unwirtschaftlich. Einige chinesische Autobauer errichten Fabriken in Mexiko oder Kanada, um von dort aus zu importieren. Das rief zuletzt drei demokratische Senatoren auf den Plan, die US-Präsident Donald Trump aufforderten, dagegen vorzugehen. Dieser wiederum ist Chinas Autobauern gegenüber nicht völlig abgeneigt, solange diese nur in den USA produzieren. Das Thema dürfte bei einem Gipfeltreffen Trumps mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping im kommenden Monat angesprochen werden.
Verwendete Quellen: Nick Carey und Christina Amann, Reuters