Luftbilder zeigen das AusmaßGas-Tanker explodiert im Mittelmeer! Wrack treibt mit Riesen-Loch

Katastrophale Havarie vor der libyschen Küste: Nach einer gewaltigen Explosion treibt ein vermisster Flüssiggas-Tanker der russischen Schattenflotte ausgebrannt auf hoher See. Aufnahmen aus der Luft zeugen von der Wucht der Detonation. Von der Besatzung fehlt bislang jede Spur.
Der im Mittelmeer vermisste russische LNG-Tanker ist offenbar wie befürchtet explodiert: Aufnahmen aus der Luft zeigen das treibende Wrack der „Arctic Metagaz“ rund 300 Kilometer südöstlich von Malta auf hoher See. Im Rumpf des rund 277 Meter langen und 43 Meter breiten Spezialschiffs klafft eine gewaltige Lücke. Die Wucht der Detonation der in den Drucktanks enthaltenen Ladung an Flüssigerdgas (LNG) reichte offenbar aus, die stählerne Außenhaut auf einer Länge von rund 40 Metern aufzureißen.
Das unter russischer Flagge fahrende Schiff soll einem Bericht zufolge am Morgen des 3. März von ukrainischen Seedrohnen angegriffen worden sein. Dabei geriet der Tanker offenbar in Brand. Anschließend soll es mehrere große Explosionen gegeben haben: Augenzeugen des Vorfalls beobachteten von Bord eines weiteren Frachtschiffs aus einen riesigen Feuerball, der selbst aus großer Entfernung noch am Horizont erkennbar war.
Die neu aufgetauchten Luftaufnahmen belegen, dass der LNG-Tanker tatsächlich explodiert ist. Die Aufnahmen zeigen ein weitgehend ausgebranntes Wrack. Aus dem Bereich der Brücke, des Maschinenhauses und der Mannschaftsunterkünfte steigt zum Zeitpunkt der Aufnahme noch dichter Qualm auf.
Das Schicksal der 30-köpfigen Besatzung war zunächst noch unklar. Notsignale seien nicht empfangen worden, berichteten griechische Medien am Abend. Der Verbleib der Seeleute sei unbekannt, hieß es. Wie das Seenotrettungszentrum auf Malta später mitteilte, konnte sich die Besatzung rechtzeitig per Rettungsboot in Sicherheit bringen. Die „gesamte Crew“ ist demnach wohlauf.
Aus Russland hieß es am Morgen nach dem Vorfall, die Seeleute befänden sich in Sicherheit. Das russische Verkehrsministerium warf der Ukraine vor, den russischen LNG-Frachter vor der libyschen Küste angegriffen und versenkt zu haben. Die Attacke sei mit einer von der libyschen Küste gestarteten Marinedrohne erfolgt, hieß es aus Moskau.
Zum Zeitpunkt des Angriffs war der LNG-Tanker nach Angaben der griechischen Wirtschaftszeitung „Naftemporiki“ aus Richtung Russland kommend unterwegs ins östliche Mittelmeer. Den zuletzt ermittelten Positionsdaten zufolge ereignete sich die Explosion in internationalen Gewässern rund 280 Kilometer vor der libyschen Küste. Satellitendaten aus dem europäischen Erdbeobachtungsprogramm Copernicus liefern zusätzliche Belege: An der angegebenen Position zeichneten Sentinel-Satelliten gegen Mittag des 3. März Signale einer größeren Hitzequelle auf.
Laut dem Portal „gCaptain“ gehört die „Arctic Metagaz“ zu einer Gruppe von Schiffen, die sanktioniertes LNG von der russischen Anlage Arctic LNG 2 bei Murmansk nach China transportieren. Die Angaben decken sich mit einem üblichen Kurs Richtung östliches Mittelmeer mit der Fahrtstrecke zur nördlichen Einfahrt in den Suezkanal. Möglicherweise war das Schiff aber auch unterwegs zum libyschen Industriehafen Marsa al-Brega in der Bucht von Benghazi, um an den LNG-Terminals dort ebenfalls sanktioniertes Flüssigerdgas aufzunehmen.
Die letzten bekannten Positionsdaten vor der Explosion stammen von Montag: Zu diesem Zeitpunkt befand sich die „Arctic Metagaz“ östlich von Malta, Kurs Südost. Kurz darauf habe das Schiff sein automatisches Identifizierungssystem (AIS) deaktiviert, berichtete „Naftemporiki“. Tanker der russischen Schattenflotte versuchen auf diese Weise, die Umgehung von Embargos zu verschleiern.
Die libysche Küstenwache teilte am Tag nach dem Vorfall mit, das Schiff sei nach einer „plötzlichen Explosion“ und einem anschließenden „enormen Brand“ gesunken. Den Angaben aus Libyen zufolge konnte die Schiffsbesatzung am Dienstagabend noch einen Notruf absetzen. Das Schiffswrack liege nun rund 240 Kilometer nördlich der libyschen Hafenstadt Sirte, erklärte die Küstenwache.
Von dem Wrack gehen erhebliche Umweltrisiken aus: Auch wenn ein Großteil der Ladung verbrannt oder anderweitig entwichen sein sollte, dürften im Rumpf des Schiffes noch erhebliche Mengen an Schweröl aus den Tanks des Schiffsantriebs enthalten sein.
Verwendete Quellen: mmo/AFP