Kiew tobt, Bank-Mitarbeiter in HaftSelenskyj droht Ungarns Orban mit Soldaten

Praesident Wolodymyr Selenskyj empfaengt Ungarns Ministerpraesident Viktor Orban am 02.07.2024 in Kiew. The Meeting of the President of Ukraine with the Prime Minister of Hungary in Kyiv Foto:The Presidential Office of Ukraine via
Orban im Juli 2024 auf Staatsbesuch bei Selenskyj.
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Ist es ein typischer Selenskyj-Witz? Weil Ungarn im Pipeline-Streit EU-Kredite in Milliardenhöhe blockiert, bringt der ukrainische Präsident einen Besuch von Soldaten ins Spiel. In Budapest werden kurz darauf sieben ukrainische Banker festgenommen und Geld konfisziert. In Kiew ist man empört.

Der Streit zwischen Ungarn und der Ukraine um den Transit von Öllieferungen aus Russland hat mit einem Geiselnahmevorwurf aus Kiew eine neue Eskalationsstufe erreicht. „Heute in Budapest haben die ungarischen Behörden sieben ukrainische Staatsbürger als Geiseln genommen“, schrieb der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha auf der Plattform X. Der Vorgang sei kriminell, klagte er. Bei den Festgenommenen handelt es sich um Mitarbeiter einer Staatsbank. Zudem sollen die ungarischen Behörden Geld in Millionenhöhe und Goldbarren konfisziert haben.

Der ukrainischen Darstellung nach haben die Ukrainer als Mitarbeiter der staatlichen Oschadbank Geldtransporter begleitet. Die GPS-Vorrichtungen der Fahrzeuge seien im Stadtzentrum von Budapest direkt neben dem Gebäude von Sicherheitsorganen geortet worden, teilte die Bank mit. Demnach befanden sich in den Wagen 40 Millionen US-Dollar, 35 Millionen Euro und 9 Kilogramm Gold. Die Wertsachen seien im Rahmen einer Übereinkunft mit der Raiffeisenbank aus Österreich transportiert und entsprechend deklariert worden, heißt es aus Kiew. Die Grundlage der Festsetzung sei unklar.

Hintergrund des Skandals ist der Streit zwischen Ungarn und der Ukraine um Öllieferungen aus Russland. Diese liefen bis zuletzt über die Pipeline „Druschba“ auch über ukrainisches Gebiet. Nach einer Beschädigung der Pipeline infolge russischer Angriffe forderte die kurz vor der Wahl stehende Regierung in Budapest Kiew zur schnellen Reparatur und Wiederaufnahme des Transits auf. Der ukrainischen Darstellung nach ist eine schnelle Reparatur nicht möglich, was in Ungarn und auch der benachbarten Slowakei auf Unglauben stößt.

Um den Druck zu erhöhen, hat Ungarn die Vergabe eines Millionenkredits der EU an die Ukraine blockiert, der für das von Russland angegriffene Land überlebenswichtig ist. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj drohte daraufhin Ungarns Regierungschef sogar mit eigenen Soldaten. „Wir hoffen, dass eine Person in der Europäischen Union die 90 Milliarden Euro nicht blockieren wird und die ukrainischen Kämpfer Waffen bekommen, andernfalls geben wir die Adresse dieser Person unseren Jungs weiter, auf dass sie ihn anrufen und mit ihm in ihrer Sprache reden“, sagte Selenskyj nach einer erweiterten Regierungssitzung in Kiew. Der Staatschef betonte, dass sein Land zum EU-Kredit keine Alternative habe. Der ukrainische Journalist Denis Trubetskoy ordnet die Aussagen allerdings weniger als eine ernsthafte Drohung, als vielmehr einen für Selenskyj typischen Witz ein.

In Ungarn wurde umgehend auf die Äußerung reagiert. „Diese Drohungen und Erpressungen von Selenskyj gehen weit über jedes akzeptable Limit hinaus“, schrieb Orbans Sprecher Zoltan Kovacs auf der Plattform X. Persönliche Emotionen hätten nichts in Angelegenheiten wie dieser zu suchen. Ungarn werde sich nicht einschüchtern und erpressen lassen.

Verwendete Quellen: mau/dpa