Erste Studienergebnisse klingen vielversprechendHallo-wach-Tablette getestet! Neues Medikament hilft gegen starke Müdigkeit

von Ricarda Thurow-Hartmann und Theresa Maas

Kommt bald die Pille gegen Müdigkeit?
Millionen Menschen klagen, dass sie dauermüde sind. Vor allem und verständlicherweise diejenigen, die in verschiedenen Schichten arbeiten. Genau an denen wurde ein neues Medikament namens Solriamfetol getestet und erste Ergebnisse klingen vielversprechend. Trotzdem mahnen Ärzte zur Vorsicht.

Schlafstörungen nehmen in Deutschland zu

Es ist der tägliche Kampf gegen die innere Uhr: Wer zwischen drei und sieben Uhr morgens aufstehen muss, arbeitet gegen den natürlichen Schlafrhythmus des Körpers. Das führt zu extremer Müdigkeit und Schlafstörungen und hat Auswirkungen auf die Konzentration, Leistungsfähigkeit und Sicherheit am Arbeitsplatz. Eine Situation, die Millionen Menschen in Deutschland betrifft und auch Ärzte beunruhigt. „In der Tat kann man von einer Epidemie der Schlafstörungen sprechen. Das hat stark zugenommen, hauptsächlich aufgrund unseres nicht sehr Biorhythmus-freundlichen Lebensstils”, so Dr. Christoph Specht im RTL-Interview.

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Jetzt könnte ein neues Medikament namens Solriamfetol Abhilfe schaffen. Die Wirkung: Solriamfetol ist ein Dopamin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer. „Wenn Nervensignale weitergeleitet werden, dann geht das immer über Botenstoffe, zum Beispiel Dopamin (Glückshormon) und Noradrenalin (Stresshormon). Und wenn ich jetzt einen sogenannten Wiederaufnahmehemmer habe, dann erhöhe ich die Rate an Dopamin. Und das ist eben verbunden mit erhöhter Wachsamkeit”, erklärt Dr. Specht.

Medikament kann offenbar Frühschichtarbeiter entlasten

Eine aktuelle klinische Studie im Fachmagazin NEJM Evidence zeigt, dass Frühschichtarbeiter, die das Medikament Solriamfetol einnahmen, während ihrer Arbeitszeit deutlich wacher bleiben konnten als Kollegen mit einem Placebo. An der Studie nahmen 78 erwachsene Menschen über einen Zeitraum von vier Wochen teil. „Als Durchbruch würde ich es deswegen nicht bezeichnen, auch weil die Studie natürlich noch sehr klein ist. Relativ wenig Probanden, die da getestet worden sind und auf eine relativ kurze Zeit. Das heißt, wirklich Ahnung, was Langzeiteffekte angeht, hat man jetzt noch nicht”, sagt Dr. Specht.

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Laut dem Forschungsinstitut „Mass General Brigham” bereitet das Forscherteam nun eine klinische Folgestudie vor, in der Solriamfetol als mögliche Behandlung für Schlafstörungen bei Nachtschichtarbeitern getestet werden soll.

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Dr. Specht rät aber allgemein zur Vorsicht, weil Pillen wie Solriamfetol den natürlichen Schlaf beeinflussen können. Anstatt ein Medikament einzunehmen, sollten Menschen eher Schlafrituale einführen, die Bildschirmzeit reduzieren, viel natürliches Licht tanken und das Stresslevel senken. Nicht immer leicht, aber eben doch der beste Weg für einen gesunden Schlaf.

Verwendete Quellen: RTL, NEJM Evidence