Tierschützer fordern Verkaufsstopp

XL-Qual für XL-Eier: Legehennen leiden für Rieseneier

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5. Dezember 2019 - 12:59 Uhr

System geht über die sowieso schon qualvolle Haltung hinaus

Eier gibt es im Supermarkt, auf regionalen Wochenmärkten und bei Bauern in unterschiedlicher Form und Farbe: Von kleinen S-Eiern bis hin zu XL-Eiern in Übergröße hat der Kunde die freie Wahl. Doch wie die großen und schweren XL-Eier, die ca. sechs Prozent des Körpergewichts einer Henne ausmachen, überhaupt entstehen, wissen die meisten nicht. Dahinter verbirgt sich ein System, das über die sowieso schon qualvolle Haltung von Legehennen hinaus geht.

Die Nutzungsdauer der Hennen wird verlängert

Für die XL-Eier verbringen die Hühner über Wochen fast den ganzen Tag in Dunkelheit und bekommen nur die nötigste Nahrung. Durch diesen Stress verfällt der Körper in einen Notfallmodus, der die Produktion der übergroßen Eier ermöglicht.

Allgemein gilt: Je jünger die Hennen, desto kleiner die Eier. Dem Tierschutzverein "Rettet das Huhn e. V." zufolge produzieren sie im Laufe fast täglich ca. 70 Gramm schwere Eier - das entspricht Größe L. In den meisten Fällen werden Legehennen nach ungefähr einem Jahr geschlachtet, nicht jedoch die, die XL-Eier produzieren sollen. Ihre Nutzungsdauer wird verlängert, in dem sie in eine Zwangsmauser gebracht werden.

Die erste Mauser setzt bei allen Vögeln auf natürlichem Wege in den ersten 15 bis 18 Monaten ein. Bei der Mauser erneuert sich das Federkleid, das heißt: Alle Federn fallen nach und nach aus und neue sprießen nach. In dieser Zeit sind die Tiere sehr schwach und stressempfindlich, was bei unnatürlichen Haltungsbedingungen zu Unruhen und Problemen unter den Hühnern führen kann. Um dies zu vermeiden, werden die Hennen vor der natürlichen, ersten Mauser in eine Zwangsmauser versetzt.

Nach der ersten Mauser produzieren Hennen XL-Eier

Der Grund, warum die Mauser "erzwungen" wird, ist zu einem, dass die ganze Gruppe von Hennen gleichzeitig geschwächt ist, sodass keine Probleme durch Hierachien untereinander entstehen. Zum anderen sind die Hennen nach der ersten Mauser in der Lage dazu, noch größere Eier produzieren: XL-Eier mit einem Gewicht von bis zu 85 Gramm.

Während der Zwangsmauser bekommen die Hennen vier Stunden am Tag Licht und nur in dieser Zeit Hafer und Kalk zu fressen. Dadurch verfällt der Körper der Tiere in einen Notfallmodus, sie produzieren keine Eier mehr und verlieren ihre Federn. Wenn dieser Status erreicht ist, bekommen die Hennen wieder mehr Licht und Futter, wodurch ihnen wieder ein Federkleid wächst und die Eierproduktion wieder beginnt. Nach dieser Tortur, die für viele Hennen tödlich endet, produzieren die Hennen noch ca. ein halbes Jahr XL-Eier, bevor sie entweder vor Erschöpfung sterben oder geschlachtet werden.

Was heißt das für Verbraucher?

"Hennen können die Eier in Übergröße nur nach der Mauser produzieren. Da durch die unnatürlichen Haltungsbedingungen in der Massentierhaltung bei ihnen nur teilweise und vor allem nicht gleichzeitig eine natürliche Mauser einsetzt, gehen die meisten Betriebe so vor", erklärt Ellen Maria Ernst. Sie ist die Vorstandsmitglied von "Rettet das Huhn e. V."

"Da die Nachfrage nach den XL-Eiern immer mehr steigt, gehen sogar immer mehr kleine Betriebe zur Zwangsmauser über. Trotzdem gibt es Betriebe, die auf die natürliche Mauser warten - oder eben gar nicht erst XL-Eier produzieren", beschreibt sie.

Für Verbraucher sei nicht ersichtlich, welche XL-Eier auf natürliche Weise und ohne Extra-Qualen produziert wurden. Um auf der sicheren Seite zu sein gilt also: Auf den Kauf der übergroßen Eier verzichten! Was der Stempel auf den Eiern bedeutet und woran Sie Eier aus Freilandhaltung erkennen, erklären wir hier. 

Erster Supermarkt nimmt XL-Eier aus dem Sortiment

Die Initiative "Rettet das Huhn e. V." hat vor Kurzem die Kampagne "Kein Leid in XL" gestartet und möchte damit auf die Torturen aufmerksam machen, die Hennen für XL-Eier erleiden müssen. Sie wenden sich mit ihrem Bericht an Einkaufsmärkte - mit erstem Erfolg: Ein Edeka-Markt im Bergischen Land (Nordrhein-Westfalen) hat sich dazu entschieden, die Eier aus dem Sortiment zu nehmen.