Vereinslos statt Starfußballer

Der brutale Fall des "Weltklassespielers" Max Meyer

Bei Max Meyer geht derzeit gar nix.
Bei Max Meyer geht derzeit gar nix.
© dpa, Ina Fassbender, fgj

01. September 2021 - 18:57 Uhr

Kölns Coach Steffen Baumgart wollte Max Meyer nicht

Steffen Baumgart bewirkt erstaunliche Dinge beim 1. FC Köln. Er hat den Klub nicht nur mit großen Emotionen, die löst er selbst in jeder Minute eines Fußballspiels aus, aufgeweckt. Der neue Trainer hat auch Spieler aus dem Leistungsloch gezogen, denen man ein Comeback auf hohem Niveau nicht mehr zugetraut hatte. Bestes Beispiel: der Stürmer Anthony Modeste. Mit einem anderen Fußball-"Wunder" hat sich Baumgart indes nicht beschäftigt. In seinen Planungen, so erklärte er im Sommer, habe der Mittelfeldspieler Max Meyer nie eine Rolle gespielt.

Mit der Gier fing alles an

Und so hatte Meyer dann auch keine Zukunft beim 1. FC Köln. Sein Vertrag, den er erst im Januar dieses Jahres unterschrieben hatte, wurde nicht verlängert. Meyer wurde in die Jobsuche entlassen. Und fündig geworden ist der 25-Jährige bislang nicht. Er ist aktuell vereinslos. Dieses bittere Schicksal teilt er übrigens mit anderen großen Namen. Unter anderem mit Gonzalo Castro (zuletzt VfB Stuttgart), mit Shkodran Mustafi und Nabil Bentaleb. Beide spielten wie einst Meyer auf Schalke. Auch Aaron Hunt gehört zu den größten Namen, die derzeit auf der Suche nach einer neuen Herausforderung sind.

Meyer ist damit nun im tiefsten Tal seines Absturzes angekommen, der mit seiner Maßlosigkeit als Spieler des FC Schalke 04 angefangen hatte. Man kennt diese eigenartige Geschichte. Für eine Verlängerung seines Vertrags wollten der Spieler und sein Berater im Winter 2018 mehr als die vom Verein angebotenen 5,5 Millionen Euro haben. Was in dieser äußerst unschönen Geschichte von Gier, Abrechnung (Mobbingvorwürfe gegen den Klub) und Suspendierung hängengeblieben ist: Die Einschätzung des Beraters, dass sein Klient ein Weltklassespieler sei, der in jeder europäischen Spitzenmannschaft Stammspieler sein könnte. So wurde damals berichtet.

Ein Label, das ihm geschadet hat

Weltklasse, es war ein Label, das die Karriere des 25-Jährigen schwer belastete. Dass er sportlich nicht mehr auf die Beine kam, daran hat er sicher einen Anteil. Dass sein Absturz von immer mehr Spott und Häme begleitet wurde, ist dagegen nicht fair. Aber Fairness ist ja keine Kategorie, in der die hiesigen Shitstürmer denken.

Den Nachweis der internationalen Spitzenklasse konnte er nie nachhaltig erbringen. Nicht auf Schalke, wo er unter dem Trainer Domenico Tedesco in der Saison 2017/18 als Strippenzieher im zentralen Mittelfeld seine wohl beste Zeit erlebte, und auch nicht danach. Danach, das waren dann die Stationen Crystal Palace und eben Köln. In der Premier League changierte er zwischen sporadischer Stammkraft und Tribünengast. In seiner ersten Saison absolvierte er immerhin 29 Ligaspiele, aber schoss nur ein Tor und gab drei Vorlagen, die Spiele wurde immer weniger, die Torbeteiligungen fanden gar nicht mehr statt.

Wie es für den Fußballer weitergeht? Völlig unklar. Wenige Tage, nachdem sein Vertrag beim Effzeh ausgelaufen war, ploppte kurz ein Gerücht aus Portugal auf. Sporting Braga soll an Meyer interessiert gewesen sein. Seither ist nichts passiert. Spekulationen um einen neuen Arbeitgeber sucht man vergebens. Wenn es etwas Gutes an seiner Situation gibt, dann das: Als vereinsloser Spieler kann er auch nach dem Ende der Transferphase noch von einem neuen Klub verpflichtet werden. Das Bittere an seiner Situation: Gute Argumente hat er nicht. Und dazu seit seinem bitterbösen Abgang auf Schalke auch noch ein ziemlich mieses Image.(tno)