Ähnlichkeiten reiner Zufall?

Was unsere Partnerwahl mit unseren Eltern zu tun hat

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21. Oktober 2019 - 18:17 Uhr

Wie sehr prägen Mama und Papa unsere Beziehungen?

Brooklyn Beckham, der älteste Spross von David und Victoria Beckham, hat angeblich eine neue Freundin – und das Internet spielt verrückt, denn Phoebe Torrance sieht fast haargenau so aus wie Brooklyns Mutter in jungen Jahren. Spricht das also für die Theorie, dass wir uns die Partner suchen, die unseren Eltern ähnlich sind? Ja und nein, wie Paartherapeut Ralf Sturm erklärt.

Innere Werte spielen größere Rolle als Äußerlichkeiten

Immer wieder wird in wissenschaftlichen Studien untersucht, ob das Aussehen unserer eigenen Eltern bestimmt, wen wir als Erwachsene attraktiv finden. So fand etwa eine Untersuchung der ungarischen Universität Pécs Tat Gemeinsamkeiten bei den Gesichtszügen von Mutter oder Vater und dem aktuellen Partner der Versuchsperson. Für Paartherapeut Ralf Sturm, der in Berlin eine Praxis für Paartherapie führt, sind solche physischen Ähnlichkeiten aber eher Zufall. Interessanter sind für ihn die inneren Werte: "Wenn Brooklyn als Junge erlebt hat, wie seine Mutter als Frau sehr auf ihr Äußeres fixiert ist, dann liegt es nah, dass er jemanden sucht, bei dem das ähnlich ist."

Unbewusste Suche nach gleichen „Lebensthemen“

Dass Menschen unbewusst nach etwas suchen, das sie schon aus ihrem Leben als Kind kennen, sieht Paartherapeut Sturm immer wieder in seiner Praxis: "Das kommt dann meistens in der zweiten oder dritten Sitzung, dass jemand sagt: 'Das kenn ich schon von früher, das habe ich schon mit meiner Mutter erlebt' – so oder ähnlich."

Das muss aber nicht zwangsläufig heißen, dass der Partner oder die Partnerin ein Abziehbild von Papa oder Mama ist: "Ich bin vielmehr der Meinung, dass wir uns Menschen aussuchen, bei denen wir Lebensthemen wiederfinden und damit arbeiten müssen. Ein Beispiel: Hatte jemand als Kind oft das Gefühl, allein gelassen zu werden, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er einen Partner sucht, mit dem er das wieder durchlebt", so Sturm.

Alles wie früher – und doch anders

Der Grund für dieses Verhalten: Unser ureigener Drang, uns weiterzuentwickeln. "Eine Beziehung ist immer Ansporn zur Persönlichkeitsentwicklung. Wir wollen ja wachsen, und unser Partner ist dabei sozusagen unser 'Hilfsmittel'. Alte Emotionen werden getriggert, und wir lernen, damit umzugehen. Es geht also um persönliche Reife."

Aber kann es für eine Beziehung gesund sein, darin Gefühle zu bearbeiten, die von den Eltern geprägt wurden? "Das kommt ganz auf den eigenen Umgang damit an. Ärger ist nur dann vorprogrammiert, wenn man alles genauso wie früher macht – sich also nicht entwickelt." Dieses Konfliktrisiko zu meiden, indem man sich bewusst jemanden sucht, der ganz anders ist als die Eltern – das bringt nach Meinung des Therapeuten nichts: "Das ist erstens schwer möglich und wird zweitens nicht funktionieren. In diese Menschen verliebt man sich nämlich eher nicht."