Wir haben nachgefragt

Was passiert mit meiner Kleidung, wenn ich sie bei H&M in die Recycling-Tonne werfe?

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19. März 2019 - 12:28 Uhr

von Anna Kriller

Sie stehen neben den Kassen der H&Ms dieser Welt und warten darauf, gefüllt zu werden: Recycling-Boxen. Dort kann jeder seine Altkleider hineinwerfen - ganz gleich welcher Marke. Für die Kleiderspende gibt's einen Rabatt-Gutschein auf den nächsten Einkauf und was Gutes in Sachen Nachhaltigkeit tut man auch noch. Klingt super, oder? Nur, was passiert eigentlich genau mit meiner Kleidung, wenn ich sie in eine Recycling-Tonne bei H&M, & Other Stories & Co. werfe? Wir haben bei H&M nachgefragt.

Recycling-Initiative von H&M stößt auf Kritik

Mit ihrer Initiative "Kleidung sammeln bei H&M" wirbt die schwedische Modekette, zu der auch die Marken Cos, Weekday, Cheap Monday, Monki, H&M Home, & Other Stories, Arket und Afound gehören, mit nachhaltigem Recycling von Textilien. "Wir möchten langfristig einen geschlossenen Textilkreislauf schaffen und unseren Kunden die Möglichkeit geben, ihrer alten Kleidung ein neues Leben zu schenken und so verhindern, dass diese auf der Mülldeponie landet", erklärt ein Sprecherin von H&M auf Nachfrage von RTL.de.

Wer als Verbraucher denkt, dass seine ungeliebten, aber noch tragbaren Kleider dank der Recycling-Boxen von H&M 1:1 bei jemand anderem ein neues "Zuhause" finden, wird leider enttäuscht. Nur ein Teil der recycelten Kleidungsstücke bleibt so, wie er war oder wird zu einem neuen Stück verarbeitet.

Genau das wird von Modeexperten und Umweltschutzorganisationen kritisiert: Während viele Verbraucher davon ausgehen, ihren Kleidern "ein neues Leben" zu schenken und etwas Gutes zu tun, wenn sie ihre Altkleider in die Recycling-Boxen werfen, wird ein Großteil der Produkte laut Kritikern lediglich zum Putzlappen - oder im schlimmsten Fall einfach verbrannt. Ein nur scheinbar gutes Projekt? H&M hat unsere Fragen beantwortet.

Stellungnahme von H&M

RTL.de: Seit 2013 bieten Sie bei H&M das Recycling von Altkleidern an. Wie wird das Angebot angenommen?
H&M:
 Das Angebot bei H&M Altkleider abzugeben, erfreut sich großer Beliebtheit bei unseren Kunden. 

RTL.de: Was passiert mit den Kleidungsstücken genau und wo landen sie? 
H&M:
 Für diese Initiative arbeiten wir zusammen mit unserem Partner "i:collect" aus Wolfen in Sachsen-Anhalt, welcher die Ware nach dem nächsten besten Nutzen sortiert. In diesem Kontext folgen wir der Abfall-Hierarchie, was bedeutet, dass alle abgegebenen Textilien ihrem nächstbesten Nutzen zugeordnet werden. Daher werden sie nach drei übergeordneten Kategorien sortiert: re-wear, re-use und recycling.

RTL.de: Wo werden die Kleidungsstücke anschließend verkauft?
H&M:
Der Großteil ist Second-Hand-Ware, welche weltweit verkauft wird (um Missverständnisse zu vermeiden: Dies geschieht nicht in unseren H&M-Geschäften und auch nicht von H&M selbst), dann kommt Recycling und ein kleiner Teil wird wieder zu neuen Rohstoffen. Abhängig von der Qualität und vom Material des jeweiligen Kleidungsstückes kann dies bedeuten, dass das ursprüngliche Produkt "downcycelt" wird, etwa in Material, welches in der Autoindustrie weiterverwendet wird oder aber, dass die Fasern für die Produktion von neuen Fasern und neuen Kleidungsstücken genutzt werden.

RTL.de: Wie viel Prozent der Kleidungsstücke werden als Second-Hand-Ware verkauft? Wie viel Prozent werden zu Putzlappen und Füllmaterial? Wie viel Prozent werden vernichtet?
H&M:
Derzeit werden 60 Prozent der in unseren Geschäften gesammelten Kleidungsstücke weiter genutzt oder getragen, 34 Prozent werden recycelt und 6 Prozent werden für Energiegewinnung genutzt – somit landen 0 Prozent auf der Mülldeponie.

RTL.de: Viele Kleidungsstücke enthalten Mischfasern. Lohnt sich der Aufwand, diese in ihre Bestandteile zu zerlegen oder werden diese Produkte vernichtet?
H&M:
Zum Thema Mischfaser-Recycling forschen wir mit dem Global Change Award und in Kooperationen wie mit Worn Again oder dem Hong Kong Research Institute of Textiles and Apparel.

Fast Fashion und Umweltschutz? Das passt nicht!

Ob man seine alten Kleider bei H&M & Co. in die Recycling-Tonne wirft oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen. Wenn zumindest ein Teil der Sachen ein neues Leben als Second-Hand-Ware findet, ist das sicherlich eine gute Sache. Das Problem an sich wird es aber nicht beseitigen. Denn so lange wir für die aussortierten und abgegebenen Kleidungsstücke dank lockendem Rabatt-Gutschein wieder neue Kleidung kaufen, wird der Kreislauf billig produzierter Fast Fashion nicht unterbrochen, die Wegwerfmentalität der Käufer nicht verändert und die Umwelt dadurch nicht entlastet.