Sind Computergenerierte Models die Zukunft?

Wie virtuelle Influencer den echten Influencern Follower und Einnahmen abnehmen

Die virtuelle Influencerin Lilmiquela hat mittlerweile fast drei Millionen Follower auf Instagram.
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18. Januar 2021 - 11:07 Uhr

Virtuelle Models machen echten Influencern den Job strittig

Auf menschliche Influencer kommt eine gnadenlose Konkurrenz zu. Virtuelle Models kapern ihren Arbeitsplatz – künstliche Top-Modelle nehmen im Jahr zehn Millionen Dollar ein.

Harte Zeiten für schöne Frauen: Ein Auftritt auf Instagram oder TikTok sichert vielen Models ein gutes Einkommen, doch nun kommt die Billig-Konkurrenz. Wozu echte Frauen bezahlen, wenn KI und geschicktes Rendering virtuelle Models und Influencer möglich machen?

Das digitale Model Miquela Sousa hat schon an der Seite von Supermodel Bella Hadid gearbeitet, Kampagnen für Prada und Burberry gemacht, eine Hit-Single veröffentlicht und eine Armee von fast drei Millionen Fans auf Instagram gewonnen. Miquela wurde von Baud, einem Start-up aus LA, entwickelt.

Sie tauchte 2016 auf Instagram auf und schuf sich schnell eine Fangemeinde. Zuerst wusste niemand, dass sie ein virtuelles Wesen war. Erst 2018 offenbarte sie, dass sie ein computergeneriertes Bild sei. "Ich bin kein Mensch, aber bin ich trotzdem eine Person?", schrieb sie nach der Enthüllung.

Digitale Influencer: Echtes Geld für künstliche Arbeit

Das virtuelle Wesen bringt ihren Schöpfern echtes Geld. Ein Post kostet etwa 6300 Euro, insgesamt nimmt das Model im Jahr etwa Millionen Dollar ein. Und sie ist nicht allein: Immer mehr CGI-Models rücken in den Influencer-Markt. Die einzige Herausforderung ist es, eine Marke zu schaffen und Follower zu binden. Die Modelle werden mit Hilfen KI entworfen. Es ist überhaupt mein Problem, unendliche viele virtuelle Personen zu erzeugen.

Bereits im vergangenen April kündigte Tommy Hilfiger an, auf Modenschauen zukünftig mehr auf digitale Avateare setzen zu wollen. Blawko, ein anderer Brud-Avatar, hat für Yeezy-Turnschuhe gemodelt. Das virtuelle Model Imma hat mit Marken wie Porsche und Ikea zusammengearbeitet und posierte in der japanischen Ausgabe des Magazins i-D neben menschlichen Models, um dort für Kosmetik zu werben. Noch könne man erkennen, dass diese Models ein wenig gefälscht seien, sagt das echte Model Sinead Bovell. Sie fürchtet um die Zukunft der echten Models, denn die Millennials seien an hochgradig bearbeitet Fotos gewöhnt.

Corona-Pandemie treibt die Entwicklung

An dem Boom ist auch die Pandemie schuld. Virtuelle Models arbeiten in virtuellen Welten. Es muss kein Shooting in der realen, von Corona verseuchten Welt stattfinden. Für die Branchen rund um die Modeindustrie zeichnet sich deshalb ein gewaltiger Umbruch ab. Synthetische Modelle haben keinen Bedarf an Veranstaltungsorten, Fotografen, Visagisten und Stylisten. Ethnische Vielfalt sind auch kein Problem, wenn die Models aus dem Rechner kommen. Paradox dabei: Weiße Männer können eine Armada an schwarzen Frauen oder LGBT-Models kreieren.

Noch steht das Phänomen mit Bildern und Clips am Anfang. Bald wird Künstliche Intelligenz die virtuellen Models aufrüsten. Sie könnten dann Posen und Aussehen fließend verändern, um eine bessere Nutzerreaktion zu verbessern. Oder die Posen an verschiedene Zielgruppen anpassen. Es wird nicht lange dauern, bis virtuelle Models mit einem Chatbot kombiniert werden. Dann könnte das Model mit jedem einzelnen Follower individuell kommunizieren.

Sinead Bovell glaubt, dass reale Models erst aufwachen müssen, um zu begreifen, dass Avatare ihre Jobs übernehmen werden. Sie glaubt, dass dies bereits "in den nächsten zwei Jahren" im großen Stil geschehen könnte.

Quelle: "Telegraph"

Hinweis: Dieser Artikel von Gernot Kramper erschien zuerst an dieser Stelle bei stern.de.