"Verarscht" und "hinters Licht geführt"

"Verpiss dich": BVB-Coach Marco Rose droht feindseliger Empfang in Mönchengladbach

Dortmunds Trainer Marco Rose steht im Stadion.
Dortmunds Trainer Marco Rose steht im Stadion.
© deutsche presse agentur

24. September 2021 - 11:22 Uhr

"Bei persönlichen Beleidigungen würden Grenzen überschritten..."

Wer Max Eberl zugehört hat, der kann Marco Rose nur Ohrstöpsel und Scheuklappen empfehlen. "Fußballjargon ist ja manchmal unterste Schublade", sagt der Gladbacher Sportdirektor von der "Rückkehr des Herrn R.", wie das Gladbacher Fanprojekt es nennt: "Ich verstehe die Fans, die ihrem Unmut Luft machen wollen. In Deutschland herrscht Meinungsfreiheit." Die wird wohl dazu führen, dass Rose, dem früheren Gladbach-Trainer und heutigen Coach des BVB, am Samstag heftig die Wut der Verlassenen entgegenschlägt. "Bei persönlichen Beleidigungen würden aber Grenzen überschritten werden", warnt Eberl, es spiele ja auch "nicht Rose gegen Gladbach".

Der Ton ist gesetzt

Allerdings wirkt es so. Wer sich in Mönchengladbach ein bisschen genauer umschaut, an den Stromkästen vor dem Stadion, an den Laternen auf dem Alten Markt, der sieht die Aufkleber aus dem Februar noch. "Rose, verpiss Dich", haben die Fans ihrem Trainer in Großbuchstaben zugeschrien, als der gestanden hatte, zum Rivalen zu wechseln. "Söldner" und "charakterloses Schwein" stand auf einem riesigen Plakat.

Nun kehrt Rose, der Wochen vor seiner BVB-Unterschrift noch von Identifikation sprach, in den Borussia-Park zurück - für viele ist die Zeit der Abrechnung gekommen. "Wir haben gemerkt, dass wir von ihm hinters Licht geführt und verarscht worden sind", sagte Michael Weigand, Vorstand des einflussreichen Supporters Clubs, der "Sport Bild". Der Ton ist also gesetzt, die Nachtragenden unter den Fans werden sich einiges einfallen lassen. Rose spielt die Pikanterie eines unangenehmen Wiedersehens herunter.

"Er hat mit Gladbach Vereinsgeschichte geschrieben"

"Ich versuche, die Geschichten, die daraus gemacht werden, für mich nicht aufkommen zu lassen", betonte er. Im Gegenteil: "Ich freue mich auf eine Menge Leute, die sich auch freuen, mich zu sehen. Auch aus der Mannschaft." Die Spitznamen seiner Ex-Spieler kann er jedenfalls noch im Schlaf aufsagen. Er nennt sie weiterhin "die Jungs".

Zumindest einer von ihnen stellt sich schützend vor den Rückkehrer: Jonas Hofmann. "Ich finde, er hat keine Pfiffe verdient. Marco ist ein super Mensch", sagte der Nationalspieler der "Bild". Sportlich gebe es auch keinen Anlass zu Schimpftiraden: "Er hat mit Gladbach Vereinsgeschichte geschrieben, erstmals die K.o.-Runde der Champions League erreicht."

Da war alles auch noch in bester Ordnung. Doch Roses Abschiedsankündigung kam früh, Monate vor dem Saisonende, die Fassade krachte zusammen. Gladbach verpasste die Europacupplätze - Rose hingegen grüßt mit dem BVB fröhlich aus der Königsklasse. Das kann schon mal sauer aufstoßen, so manch einer verkneift sich die öffentliche Wertung. "Ich sage nichts", sagte Gladbachs Vizepräsident Rainer Bonhof dem Sportinformationsdienst, "da bin ich Granit."

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"Ich konzentriere mich aufs Wesentliche"

Die steinharte Realität verursacht der Borussia vom Niederrhein ohnehin andere Sorgen. In vier Spielen nach dem erfreulichen 1:1 gegen Bayern München zum Saisonauftakt sind nur drei weitere Punkte hinzugekommen, der fünfmalige deutsche Meister liegt auf dem 16. Tabellenplatz. Ob dies Spätfolgen von Roses Abschied sind oder Anpassungsprobleme an dessen Nachfolger Adi Hütter? Offen.

Marco Rose kann jedenfalls am Samstagabend nicht weiterhelfen. "Ich konzentriere mich aufs Wesentliche: die Arbeit, die Aufgaben", sagt er. "Es geht darum, dass man für seinen neuen Verein das Bestmögliche herausholt: drei Punkte." Danach könne er "dann vielleicht noch mal ein bisschen plaudern". Wenn er denn vor lauter Pfiffen etwas versteht. (tno/sid)