Schuldfrage bei World Matchplay

"Dutch Destroyer" sorgt für Darts-Eklat

Darts-Spieler Vincent van der Voort
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27. Juli 2020 - 10:46 Uhr

Mit Vincent van der Voort gehen die Pfeile durch

Glen Durrant und Dimitri Van den Bergh ziehen ins Halbfinale des World Matchplay ein. Für den Aufreger des Abends sorgt Vincent van der Voort. Der Niederländer sucht nach seiner unnötigen Pleite gegen Durrant die Schuld beim Schiedsrichter. Von Kevin Schulte.

Van der Voort sucht Schuld beim Schiedsrichter

Was beim Fußball pro Spiel mehrfach vorkommt, ist im Dartsport eine absolute Seltenheit: Der Schiedsrichter hat am siebten Abend des World Matchplay, dem zweitwichtigsten Turnier im Darts-Jahr, ungewollt eine Hauptrolle eingenommen. Weil der Niederländer Vincent van der Voort einen sicher geglaubten Sieg gegen Glen Durrant aus der Hand gab, suchte er kurzerhand die Schuld beim Unparteiischen Kirk Bevins. Der hatte im Verlauf des Spiels einen Wurf des neuen Weltranglisten-28. für ungültig erklärt.

Aber der Reihe nach: Beim Stand von 12:9 für van der Voort haben beide Akteure große Probleme beim Wurf auf die Doppelfelder. Das Schauspiel geht mehrere Aufnahmen hin und her. Als van der Voort einen Dart gefrustet von unterhalb der Schulter aufs Board wirft und damit den Schiedsrichter und die Schreiber neben dem Board gefährdet, wertet Kirk Bevins den Wurf in die "1" nicht. Eine korrekte Entscheidung, so steht es im Regelbuch. Und somit bleibt der "Dutch Destroyer" zu Recht bei neun und nicht bei acht Punkten Rest stehen. Bedeutet: Bei seiner folgenden Aufnahme hat van der Voort nur zwei statt drei Darts auf die Doppelfelder. Und es kommt wie es kommen muss: Van der Voort nutzt die Chance nicht, Durrant schnappt sich das Leg zum 10:12.

Durrant hatte "keine Idee, wie ich das Spiel gewinnen konnte"

In der Folge geht für van der Voort wenig, während Durrant Leg um Leg gewinnt und in der Schlussphase kaum eine Chance auf die Doppelfelder auslässt. "Duzza" nutzt schließlich in der Verlängerung seinen ersten Matchdart zum 18:16. Van der Voort kriegt sich nach Spielende gar nicht mehr ein, stapft wütend von der Bühne und zeigt immer wieder mit dem Finger auf Schiedsrichter Bevins. Eine Geldstrafe ist für den 44-jährigen Niederländer vorprogrammiert.

Ganz anders ist die Stimmungslage bei Glen Durrant, der sich im Nachgang über einen glücklichen Sieg freute: "Ich habe keine Idee, wie ich dieses Spiel gewinnen konnte. Vincent wird schwer enttäuscht sein, weil der bessere Spieler heute verloren hat. Aber manchmal braucht man eben etwas Glück, um weiterzukommen." Für Durrant ist es bei seiner zweiten Matchplay-Teilnahme sein zweiter Halbfinal-Einzug. Dort trifft der 49 Jahre alte Engländer am Abend in einem Duell der Generationen auf Dimitri Van den Bergh.

"Dreammaker" erstmals im Halbfinale

Der 26 Jahre junge Belgier hatte sich im ersten Spiel des Abends gegen Ex-Weltmeister Adrian Lewis durchgesetzt. Ähnlich wie Van der Voort war auch Van den Bergh gut in die Partie gekommen. Zwischenzeitlich stand sogar ein 8:2 zugunsten des zweifachen Junioren-Weltmeisters auf der Anzeigetafel. Weil Lewis sich jedoch kämpferisch stark präsentierte, wurde die Partie immer enger. Der schwache Start erwies sich jedoch gegen Ende der Partie als zu große Hypothek. Seinen dritten Matchdart nutzte Van den Bergh schließlich zum 16:12-Endstand.

"Ich stehe im Halbfinale, und das will ich jetzt auch gewinnen. Und es wäre natürlich ein Traum, das ganze Turnier zu gewinnen", machte der Belgier seinem Spitznamen "Dreammaker" nach dem Spiel alle Ehre. In jedem Fall ist es schon jetzt das beste Turnier in der Karriere des 26-Jährigen. Zuvor hatte er zwar bereits vier Mal das Viertelfinale eines Major-Events erreicht, den nächsten Schritt konnte er jedoch nie gehen. Jetzt wartet sein erstes großes Halbfinale.

Deutlich mehr Erfahrung in den ganz großen Spielen haben die beiden anderen Halbfinalisten Michael Smith und Gary Anderson. Beide hatten sich am Donnerstag für die Runde der letzten Vier qualifiziert. Zwar hat Anderson das World Matchplay vor zwei Jahren bereits gewonnen und ist als Doppelweltmeister von 2015 und 2016 bereits eine lebende Legende des Dartsports. Doch Smith muss sich vor seinem früheren Lehrmeister nicht verstecken. Bislang zeigte er im Turnierverlauf die besseren Leistungen und geht deshalb als leichter Favorit in die Partie.

Quelle: ntv.de