EU-Urheberrechtsreform

Upload-Filter: So funktionieren die umstrittenen Daten-Blocker

26. März 2019 - 15:06 Uhr

Streit um Artikel 13 der EU-Urheberrechtsreform

Demonstrationen in ganz Europa, auf denen vor allem junge Menschen gegen die derzeitige Politik Stimmung machen. Nein, es handelt sich hier nicht um die "Fridays for Future"-Klimaschutz-Bewegung. Die geplante Urheberrechtsreform führt derzeit vor allem unter jungen EU-Bürgern zu einem regelrechten Aufschrei. Denn mit der Reform sollen in der Online-Welt Upload-Filter eingeführt werden. Wie genau die funktionieren, sehen Sie im Video.

Der Kernpunkt der EU-Urheberrechtsreform

Derzeit wird derjenige für die Wahrung der Urheberrechte verantwortlich gemacht, der digitale Inhalte ins Internet hochlädt. Gelöscht werden muss der Inhalt, zum Beispiel ein Video oder ein Foto, nur dann, wenn sich der tatsächliche Rechteinhaber beim Plattformbetreiber beschwert.

Das soll sich mit der Reform ändern. Die Politik will die Urheberrechte im Internet besser schützen und sieht die digitalen Plattform-Anbieter in der Pflicht. Verantwortlich für die Urheberrechte soll nicht mehr der einzelne User sein, sondern Inhalteanbieter wie Youtube oder Instagram.

Das wird in dem umstrittenen Artikel 13 der neuen Richtlinie zum EU-Urheberrecht geregelt. Wenn der Plattform keine Genehmigung des Rechteinhabers vorliegt, soll sie dafür haften. Außerdem sollen die Plattformen nach der Richtlinie "beste Anstrengungen" unternehmen, um den Upload geschützter Inhalte durch Dritte zu verhindern. Zwar wird das Wort Upload-Filter in der Richtlinie nicht genannt, Experten sehen anhand der Masse an Daten, die zu jeder Sekunde hochgeladen werden, gar keine andere Möglichkeit.

Upload-Filter als digitaler Aufpasser

Ein Upload-Filter ist eine Software, die alle digitalen Inhalte, die hochgeladen werden, abgleicht. Gehört zum Beispiel das hochzuladende Video einem Dritten und hat dieser Rechteinhaber keine Erlaubnis zu diesem Upload der Videodatei erteilt, dann sperrt der Upload-Filter die Datei aus. Sie kann nicht hochgeladen werden, weil der Filter sie automatisch aussperrt.

Hört sich simpel an, die Umsetzung ist aber ungleich komplizierter. Google hat bereits einen Upload-Filter für seine Video-Plattform Youtube entwickelt. Allein schon diese Entwicklung soll über 100 Millionen Dollar gekostet haben. Und der Youtube-Filter wird für die neuen Anforderungen nicht ausreichen, die Software muss verfeinert werden, was voraussichtlich noch mehr Geld kosten wird.

Kleine und mittelgroße Unternehmen werden das Geld für die Entwicklung wirksame Upload-Filter kaum aufbringen können. Die großen Internet-Konzerne werden die Nutzung ihrer eigenen Upload-Filter wahrscheinlich gegen eine Lizenzgebühr anbieten. Aber auch die Lizenzgebühr dürfte recht hoch ausfallen. Das stärkt natürlich die bereits marktbeherrschenden Unternehmen,

Viele User sehen in der Einführung von Upload-Filtern die Gefahr einer Zensur. Auch wenn die derzeitigen Gründe für ein neues Urheberrecht eher wirtschaftlicher Natur seien, könnten in Zukunft auch politisch unerwünschte Inhalte automatisch ausgesperrt werden. Auch könne der Algorithmus nicht erkennen, ob es sich um Satire oder ein Meme handelt. Denn derartige Beiträge dürfen hochgeladen werden, auch wenn sie das Werk eines anderen "zitieren".