Teil 3 gegen Wilder in Las Vegas

Schulz setzt auf "ausgebufften und abgewichsten" Fury

Zwischen Deontay Wilder und Tyson Fury fliegen am Wochenende zum dritten Mal die Fetzen
Zwischen Deontay Wilder und Tyson Fury fliegen am Wochenende zum dritten Mal die Fetzen
© imago/ZUMA Press, Gene Blevins, imago sportfotodienst

06. Oktober 2021 - 17:34 Uhr

Axel Schulz ordnet vollgepacktes Box-Wochenende ein

Box-Fans haben am Wochenende volles Programm. In Magdeburg will sich Dominic Bösel an Robin Krasniqi rächen. Zur Erinnerung: Krasniqi hatte den Hoffnungsträger des SES-Stalls vor einem Jahr schwer k.o. geschlagen. Dem Sieger der Revanche winkt eine WM-Chance im Halbschwergewicht. Und in Las Vegas steht am frühen Sonntagmorgen Teil 3 zwischen Tyson Fury und Deontay Wilder an, es geht um die WBC-Krone im Schwergewicht.

Im Gespräch mit RTL/ntv spannt Axel Schulz den Bogen von Magdeburg bis Las Vegas. Die Box-Legende wagt eine Prognose zum deutschen Halbschwergewichts-Duell, schreibt den zuletzt chancenlosen Wilder keineswegs ab – und äußert sich auch zur jüngsten Pleite von Superstar Anthony Joshua.

"Eine deutsche Meisterschaft sollte etwas wert sein"

Am Samstagabend kommt es zur heiß erwarteten Revanche zwischen Robin Krasniqi und Dominic Bösel. Es geht um den WM-Gürtel des kleinen Verbandes IBO, vor allem aber um den Status als WM-Herausforderer Nummer 1 beim Weltverband WBA. Was glauben Sie, wie geht der Kampf aus?

Axel Schulz: Ich glaube schon, dass Krasniqi wieder gewinnt. Wenn man so k.o. gegangen ist wie Bösel beim letzten Mal, in dieser Gewichtsklasse. Da war schon ein Hammer drin. Da bleibt ein wenig Angst hängen.

10.10.2020, Sachsen-Anhalt, Magdeburg: Boxen: WM-Kampf zwischen D. Bösel und R. Krasniqi, IBO-Weltmeisterschaft und WBA-Interims-Weltmeisterschaft im Halbschwergewicht. Dominic Bösel (l) liegt nach einem Niederschlag in der dritten Runde benommen neb
Robin Krasniqi haute Dominic Bösel vergangenes Jahr böse um
© dpa, Ronny Hartmann, sab

Im Vorprogramm will sich Cruisergewichtler Roman Fress für höhere Aufgaben empfehlen, er feierte zuletzt einen spektakulären K.o.-Sieg. Ist Fress einer, der in der internationalen Szene mitmischen kann?

Im Cruisergewicht gilt das gleiche wie im Schwergewicht – mit einem guten Schlag bist du weit vorne. Wenn man die Schlagkraft hat, ist das einfach besser. Da kann Fress schon oben anklopfen. Was mir heutzutage bei einigen Boxern fehlt: Sie müssen 100 Prozent für die Jahre leben, die sie haben als Sportler. Wenn ich sehe, dass heute nach einer deutschen Meisterschaft Urlaub gemacht wird, ist das der falsche Weg, denke ich.

Apropos deutsche Meisterschaft: Ein Titel, den auch Sie einst hielten. Im Rahmenprogramm von Krasniqi vs. Bösel verteidigt der ungeschlagene Peter Kadiru seinen DM-Titel im Schwergewicht gegen Ex-Meister Boris Estenfelder. Ein guter Kampf für den 24-Jährigen oder sollte da langsam, aber sicher mehr kommen?

Nein, man sollte es nicht übertreiben. Peter ist noch jung und hat auch noch nicht so viel Erfahrung. Mich stört immer, dass junge Sportler zu schnell irgendwo reingetrieben werden. Natürlich sind für die Promoter Titelkämpfe interessant und lukrativ, aber für junge Talente zerstört man da oft mehr, wenn sie zu früh kommen. Lieber Schritt für Schritt in aller Ruhe aufbauen.

Die deutsche Meisterschaft muss wieder angehoben werden, dass der Titel was wert ist, denn er ist ja auch was wert. Zwei Kontrahenten, die alles geben, im Schwergewicht macht die Schlaghärte zudem einen Mehrwert aus, da muss man immer unter Spannung stehen. Eine deutsche Meisterschaft im Schwergewicht sollte also schon etwas wert sein.

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Trainerwechsel macht aus Wilder keinen neuen Boxer

Zur großen Bühne: Tyson Fury gegen Deontay Wilder Teil 3 in Las Vegas. Hat Wilder nach seiner vernichtenden Niederlage im zweiten Duell dieses Mal bessere Chancen oder wird er von Fury wieder überrollt?

Eine Chance hat er, Wilder hat ja Schlagkraft ohne Ende. Beim letzten Mal hat er behauptet, sein Kostüm war zu schwer und dass er deshalb nicht durchhalten konnte. Dieser komische Anzug da beim Einmarsch. Für mich ist Fury aber einer der Stärksten. Das ist so ein ausgebuffter, abgewichster Boxer. Bei dem weiß man nie, was kommt, ob die Rechte oder die Linke kommt, der variiert unheimlich stark. Boxerisch ist er im Vorteil.

Bei Wilder ist es einfach die Schlaghand, die das Ganze interessant macht. Er hat zwar nicht den Boxstil, den Mike Tyson hatte, der pausenlos nach vorne gerollt ist, aber man weiß bei ihm immer: Nicht zu viel blinzeln, sonst kann es vorbei sein.

Wilder hat mit Malik Scott einen neuen Trainer, betont, er habe sich boxerisch neu erfunden. Geht das mit 35 Jahren überhaupt noch?

Mit dem Trainer ist es im Boxen ähnlich wie im Fußball, da will man hauptsächlich neue Impulse setzen, neue Trainingsmethoden übernehmen. Aber rein von der Technik oder vom Boxerischen ändert sich da nichts mehr. Selbst mit 20 ist es schwierig, sich boxerisch noch zu wandeln und in dem Alter schon gar nicht. Man will wie gesagt einfach neue Impulse setzen. Manchmal klappt das, manchmal geht es auch nach hinten los.

Wenn Sie in Vegas wären und Ihr Geld setzen müssten: Fury oder Wilder?

Da würde ich auf Fury wetten. Ich tippe mal nach Punkten. Es wird schon eine enge Kiste, denn durch Wilders Schlagkraft kann sich Fury nicht total austoben und spielerisch Akzente setzen. Er muss die ganze Zeit extrem aufpassen.

Für Joshua wird's "ganz schwer"

25.09.2021, Großbritannien, London: Boxen: Weltmeisterschaft im Schwergewicht, WBA, WBO und IBF, Joshua (Großbritannien) - Usyk (Ukraine): Oleksandr Usyk (l) gegen Anthony Joshua. Foto: Frank Augstein/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Oleksandr Usyk schraubte Anthony Joshua in London nach allen Regeln der Box-Kunst auseinander
© dpa, Frank Augstein, FA DP pat

Der Sieger könnte auf Joshua-Besieger Usyk treffen. Wäre das auch der Kampf, den Sie sich wünschen?

Usyk hat mich total überrascht. Ich hätte nicht gedacht, dass er den Gewichtsunterschied so ausgleicht, das hat er klasse gemacht. Aber gegen Fury oder Wilder wäre das schon eine andere Kiste. Man hat gesehen, dass Joshua ein bisschen Angst hatte und sich nicht so recht getraut hat, ich denke, weil er die Niederlage gegen Andy Ruiz (im Juni 2019, Anm.d.Red.) noch im Kopf hatte. Man hat das ja schon gegen Klitschko gesehen: Da hatte er wahnsinnig Glück, dass Wladimir damals nicht nachgesetzt hat, als er ihn in der sechsten Runde schwer unten hatte (2017 in Wembley, Anm.d.Red.).

Wenn Fury oder Wilder auf Usyk treffen, wäre ich sehr gespannt und wüsste gar nicht, auf wen ich setzen soll. Usyk ist ein Wahnsinns-Techniker und hat ein super Gefühl dafür, wann er rein und wieder raus muss, wann er die Distanz wechseln muss. Das wäre ein Kampf, auf den man sich wirklich freuen dürfte.

Kann Joshua nach seiner eindeutigen Niederlage gegen Usyk überhaupt noch einmal zurückkommen?

Das wird ganz schwer. Ob er überhaupt noch die Motivation hat, ist ja auch eine Frage. Er hat das Leben jetzt ein bisschen genossen und wirklich eine Weltkarriere gemacht mit dem Sieg über Klitschko. Dass dann irgendwann der Biss weg sein kann, ist auch normal.

Mit Axel Schulz sprach Martin Armbruster