"Tut weh, die Heimat so zu sehen"

Heimatstrecke von Gold-Heldin Funk bei Hochwasser "komplett zerstört"

Ricarda Funk ist Deutschlands erste Olympiasiegerin in Tokio.
Ricarda Funk ist Deutschlands erste Olympiasiegerin in Tokio.
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27. Juli 2021 - 14:26 Uhr

Bittere Gefühle nach erfülltem Kindheitstraum

Wuchtiges Wasser als Segen. Wuchtiges Wasser als Fluch. Die Geschichte von Deutschlands erster Olympiasiegerin in Tokio ist fast schon ein wenig zynisch. Kaum hatte sich Ricarda Funk mit Olympia-Gold einen Kindheitstraum erfüllt, gingen ihre Gedanken an die durch das Hochwasser so schwer getroffene Heimat.

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"Einfach nur schrecklich, die Bilder zu sehen"

"Es war einfach nur schrecklich, die Bilder zu sehen, die mich stündlich erreicht haben. Ich habe auch einige Male Tränen vergossen, weil es einfach unfassbar war, was da passiert ist. Ich schickeganz viel Liebe nach Hause. Ich sage nur: Kreis Ahrweiler ist stark und gemeinsam schaffen wir das", sagte Slalomkanutin Funk nach ihrem Coup im Wildwasserkanal von Tokio. Die 29 Jahre alte Sportsoldatin feierte im olympischen Kanuslalom nach vielen Rückschlägen den größten Erfolg ihrer Karriere.

"Von der Goldmedaille hab ich immer geträumt, jetzt ist der Traum Realität geworden. Es ist einfach unglaublich", sagte Funk. Sie siegte im 25-Stangen-Parcours im Kasai Canoe Slalom Centre vor der Spanierin Maialen Chourraut und der australischen Topfavoritin Jessica Fox und sorgte für die erste deutsche Goldmedaille in Tokio. Endlich stand Funk ganz oben - nach all den Rückschlägen. 2016 hatte sie Olympia verpasst. Bei Weltmeisterschaften wurde sie Zweite und Dritte im Einzel, nur für den Sieg hatte es bisher nie gereicht. Bis zu ihrem perfekten Tag in Tokio. Das Leichtgewicht schlängelte sich mit Kraft und Eleganz durch die Tore und zeigte keine Nerven.

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"Ich fand es einfach nur schrecklich, all die Bilder zu sehen"

Funk wurde in Bad Neuenahr-Ahrweiler geboren. Ihre Eltern leben noch im nur wenige Kilometer entfernten Bad Breisig, helfen bei den Aufräumarbeiten mit. "In den letzten Wochen waren meine Gedanken schon sehr oft zu Hause. Ich fand es einfach nur schrecklich, all die Bilder zu sehen, die mich stündlich erreicht haben", führte die 29-Jährige aus, die mittlerweile in Augsburg lebt und trainiert.

27.07.2021, Japan, Tokio: Kanu/Slalom: Olympia, Vorkampf, Kajak-Einer, Damen, Finale im Kasai Canoe Slalom Centre. Ricarda Funk aus Deutschland mit Goldmedaille bei der Siegerehrung. Foto: Jan Woitas/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Da ist das Ding!
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Auch die Strecke in Sinzig, auf der die erste deutsche Goldmedaillengewinnerin von Tokio das paddeln gelernt hat, sei komplett zerstört. "Das ist supertraurig, da bin ich aufgewachsen und dort hat alles angefangen", sagte Funk: "Es tut im Herzen weh, die Heimat so zu sehen. Ich bin unfassbar traurig wegen all der Menschen, die so leiden momentan."

Der Deutsche Kanu-Verband (DKV) hat für alle durch die Hochwasser-Katastrophe geschädigten Vereine eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Insgesamt seien die Strecken von 25 bis 30 Klubs zerstört, sagte DKV-Präsident Thomas Konietzko. Die Region Ahrweiler im Norden von Rheinland-Pfalz war mit am stärksten vom Hochwasser Mitte Juli betroffen. (tno/dpa/sid)