Shingal, Nordidrak

Türkei greift kurdische und jesidische Ziele an

Bilder des türkischen Verteidigungsministeriums zeigen den Luftangriff
© APTN

15. Juni 2020 - 18:18 Uhr

Luftangriffe auf Ziele im Nordirak

Mit Kampfjets hat die Türkei in der Nacht zu Montag unter anderem die Region Shingal bombardiert. Die türkische Regierung gibt an, die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK angreifen zu wollen. Kampfjets hätten Höhlen zerstört, in denen "die Terroristen" Unterschlupf gesucht hätten, die Höhlen seien über ihnen eingestürzt. Unter der politischen Agenda der Türkei, die PKK zu vertreiben, leidet jetzt vor allem die Zivilbevölkerung, wie eine Expertin im RTL-Interview erklärt.

Jesiden in Angst

Erst vor kurzem sind etwa 150 jesidische Familien in die Region um Sindschar zurückgekehrt. 2015 waren sie vor dem Islamischen Staat (IS) geflohen. Aktivisten im Nordirak berichten davon, dass Jesiden sich vor den Angriffen der Türkei fürchten und jetzt wieder in Angst leben. Die Operation "Claw-Eagle" (Adlerkralle) richte sich unter anderem gegen Ziele in den Kandil-Bergen nahe der iranischen Grenze - rund 100 Kilometer südlich der Türkei.

"Die Jesiden haben sich gerade erst aus den Klauen des IS befreit und geraten jetzt in die nächste Kralle", sagt Düzen Tekkal, Journalistin und Gründerin von Háwar, im RTL-Interview. Háwar ist ein Verein, der sich für Geflüchtete in Deutschland einsetzt. Und ein Verein, der vor Ort hilft – vor allem Frauen, die in IS-Gefangenschaft waren.

"Das ist ein Kriegsverbrechen"

"Ein NATO-Bündnispartner sorgt gerade dafür, dass die Zivilbevölkerung im Shingal in Gefahr gebracht wird. Das ist ein Kriegsverbrechen. Wir fragen uns, wie lange die restlichen Bündnispartner zuschauen wollen, ohne zu handeln.", Düzen Tekkal fordert, dass die Politik aufmerksam wird und ein klares Zeichen gegenüber der Türkei setzt. Bisher hat sich Deutschland nicht zu den Luftangriffen geäußert.

Das türkische Verteidigungsministerium hat laut der regierungsnahen Zeitung "Sabah" alle nötigen Sicherheitsmaßnahmen getroffen: "Während der Planung und Ausführung der Operation, haben türkische Streitkräfte mit großer Sorgfalt darauf geachtet, dass die Leben und Eigentümer der Zivilbevölkerung geschützt werden.", so das türkische Verteidigungsministerium.

Warum fliegt die Türkei Luftangriffe?

Die PKK gilt in der Türkei, der EU und den USA als Terrororganisation. Die türkische Luftwaffe fliegt regelmäßig Luftangriffe gegen Stellungen der PKK, die in der Grenzregion im Nordirak ihr Hauptquartier hat.

Mit dem Angriff in der vergangenen Nacht solle die Sicherheit des türkischen Volkes und der Grenzen des Landes gewährleistet werden, teilte das Verteidigungsministerium mit. Die PKK und andere terroristische Organisationen, die Angriffsversuche gegen die Polizei- und Militärstützpunkte verstärkt hätten, sollten neutralisiert werden.