Trick gegen tierischen Essensklau

Möwen reagieren auf Anstarren

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13. August 2019 - 8:58 Uhr

So schützen Sie Ihr Essen vor Möwen!

Wer kennt das nicht: Da steht man gedankenverloren mit Fischbrötchen oder Eis in der Hand am Kai und blickt auf die Ostsee – und zack, kommt eine Möwe im Sturzflug vorbei und entwendet das ersehnte Mahl.

Doch ein einfacher Trick soll helfen, dass die diebischen Essensräuber zukünftig keine Chance mehr haben. Das Ganze ist sogar wissenschaftlich erprobt.

Menschen, die auf Möwen starren

Bis zu 65 Zentimeter kann ein Silbermöwen-Männchen lang werden. Kein Wunder, dass manch Strandbesucher verschreckt sein Essen fallen lässt, wenn eine Möwe im Sturzflug angeschossen kommt – das leckere Essen im Visier. Um nicht die frisch erworbene Stulle zu verlieren, können Urlauber zukünftig dem Rat britischer Forscherinnen folgen: Demnach nähern sich Silbermöwen dann seltener dem Essen von Menschen, wenn man sie anstarrt.

Bei Blickkontakt traut sich nur ein Viertel

Das Team um Madeleine Goumas von der Universität Exeter hat in Küstenstädten von Cornwall in einem Experiment getestet, wie viele Möwen sich Essen nähern, wenn sie unbeobachtet sind. Und wie viele Vögel das wagen, wenn man sie dabei anschaut. Als Köder dienten Pommes.

Das Ergebnis: Sah niemand hin, trauten sich 36 Prozent - also mehr als jede dritte Möwe - in die Nähe der Test-Pommes. Wurden die Möwen beobachtet, traute sich nur noch jede vierte Möwe, wie das Team in der Fachzeitschrift "Biology Letters schreibt.  Außerdem ließen sich die meisten Möwen mehr Zeit auf dem Weg zu den Pommes, wenn sie beobachtet wurden. Das heißt: Essende Strandbesucher hätten - den Blick auf die Möwen gerichtet - mehr Zeit, einen drohenden Diebstahl zu verhindern.

Der Grund dafür könnte sein, dass Möwen eher Überraschungstäter sind, die sich hinterrücks anschleichen, bzw. anfliegen und auf schnöde Überrumpelungstaktik setzen.

​Möwen nutzen Überrumpelungs-Taktik

Eine Theorie, die auch Tilo Rössler, Betreiber eines Fischkutters in Warnemünde, bestätigen kann. Er unterstellt den Möwen gar eine subtile strategische Kriegsführung. Das perfide Vorgehen: Eine Möwe schreie den Besitzer des Fischbrötchens quasi als Ablenkung an, und im Rücken des "Opfers" flögen andere Möwen im Sturzflug heran - und schnappten sich das Brötchen des abgelenkten Urlaubers. Ganz schön ausgefuchst. Und wissenschaftlich durchaus haltbar. Manche von Rösslers Beobachtungen decken sich mit den Ergebnissen der britischen Studie.

Niemals Möwen füttern!

Warum einige Möwen sich in die Nähe der Pommes trauten und andere nicht, ist wissenschaftlich nicht geklärt. Es könne an unterschiedlichen Persönlichkeiten der Tiere liegen, vermuten die Forscherinnen. Sprich: Manche Individuen sind mutiger als andere. Oder es könne sein, dass einige Möwen gute Erfahrungen mit Fütterungen durch Menschen gemacht hätten, hieß es.

Übrigens: Möwen zu füttern kann in Deutschland teuer werden. In Warnemünde, Teilen Wismars oder auf der Insel Sylt kann das mit bis zu 5.000 Euro Bußgeld bestraft werden. Der Grund: Was Menschen essen, kann für Möwen schlecht sein.

"Weißbrot beispielsweise quillt im Magen auf, kann aber nicht richtig verdaut werden. So ziehen die Tiere daraus kaum wichtige Nährstoffe, fühlen sich aber dennoch satt", heißt es auf Bussgeld-Info.


Quelle: Sonja Wurtscheid, dpa