Kampf den Kippen!

Kölner erfindet Lösung für Tonnen von Zigarettenstummeln

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21. Juli 2019 - 15:36 Uhr

von Lauren Ramoser

Wenn es um die Verschmutzung der Weltmeere geht, hat man häufig Plastiktüten, Netze oder Flaschen vor Augen. Doch zahlenmäßig sind Zigarettenstummel das größte Problem - 4,5 Billionen werden jedes Jahr einfach in die Umwelt geworfen. Für diese schier unvorstellbare Zahl an Kippen hat der Kölner Mario Merella jetzt eine clevere Lösung gefunden - und fängt direkt vor seiner Haustür an.

Klein, aber großes Problem

So klein und doch so gefährlich, denn in den Stummeln befinden sich Giftstoffe und Schwermetalle. Die Kombination dieser Stoffe führt dazu, dass es Jahrhunderte dauern kann, bis der Stummel abgebaut ist, insbesondere in Salzwasser.

Eine Studie hat herausgefunden, dass die meisten Menschen annehmen, Zigarettenstummel seien biologisch abbaubar. Und das obwohl laut einer Studie der Justus-Liebig-Universität Gießen, von den jährlich 5,6 Billionen gerauchten Zigaretten 4,5 Billionen unsachgemäß entsorgt werden. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass Zigarettenfilter etwa 30 bis 40 Prozent des Mülls ausmachen, der in Städten und an Stränden aufgesammelt wird.

Unser Reporter hat am Rheinufer Kippen gesammelt und gezählt, wie viele Zigarettenstummel tatsächlich im Gras liegen. In nur zehn Minuten hat er fast 1.000 Kippen gefunden. So nah am Wasser sind sie besonders gefährlich, denn die Giftstoffe gelangen besonders leicht in den Wasserkreislauf.

Clevere Lösung für Zigarettenmüll

Damit es gar nicht erst so weit kommt, hat der Kölner Mario Merella im November 2018 den gemeinnützigen Verein Tobacycle  gegründet. "Das Projekt ist meine Lebensaufgabe geworden", erzählt Merella im Interview.

Er stellt luftdicht verschlossene Abfallbehälter her, die bis zu elf Zigarettenstummel aufnehmen. Damit Raucher sie dann auch fachgerecht und umweltbewusst entsorgen können, nimmt Tobacycle die gesammelten Stummel in Abgabestellen wieder an.

"In nur acht Monaten haben wir so bereits 2300 Kilogramm Zigarettenstummel gesammelt", erklärt Gründer Mario Merella. "Und weil das hier so gut funktioniert, wollen wir das auf ganz Deutschland ausweiten."

20 Annahmestellen sollen zukünftig in ganz Deutschland entstehen. Damit Raucher ihre Kippen auch unterwegs sammeln können, stellt TobaCycle auch geruchsversiegelte Taschenbehälter her, die bis zu 11 Zigarettenstummel aufnehmen.

Aus den Kippen werden Sammelbehälter

Wir haben Mario Merella im Video begleitet, als sein Projekt noch ganz am Anfang stand. Damit die Kippen nicht doch noch in die Umwelt gelangen, recycelt TobaCycle sie komplett. Aus dem Zigarettenmüll entstehen dann die Behälter, die in Sammelstationen ausliegen. Nach dem gleichen Prinzip kann auch gesammelter Müll von Stränden oder aus dem Meer recycelt werden – damit Giftstoffe und die schwer abbaubaren Produkte nicht wieder in der Umwelt landen.