Tod trotz Schutzschalter: Wie gefährlich sind Steckdosen im Bad?

ARCHIV - Ein kleiner Teddy und zwei Kerzen stehen am 11.11.2013 in Kassel (Hessen) vor dem Haus, in dem am Sonntag (10.11.2013) zwei Kinder durch einen Stromschlag ums Leben kamen. Der 47 Jahre alte Vater, bei dem die Kinder den Angaben zufolge auf Wochenendbesuch waren, befand sich zum Zeitpunkt des Unglücks nicht in der Wohnung. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen fahrlässiger Tötung. Foto: Uwe Zucchi/dpa (zu lhe "Auftakt Prozess gegen einen Vater aus Kassel wegen fahrlässiger Tötung seiner zwei Kinder" vom 30.04.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++
Zwei Kerzen für die beiden Kinder, die im Haus dahinter durch einen Stomschlag ums Leben kamen.

Weil er sich nach eigenen Angaben nach Zugverbindungen erkundigen wollte, starben seine zwei Kinder an einem Stromschlag. Das vierjährige Mädchen und den sechs Jahre alten Jungen ließ der Vater alleine in der Badewanne in seinem Haus in Kassel zurück. Die Kinder zogen einen an der Steckdose angeschlossenen Rasierapparat ins Wasser. Beide waren sofort tot. Jetzt steht der Vater deshalb in Kassel vor Gericht. Der Fall wirft viele Fragen auf.

Steckdosen im Badezimmer sind in der Regel mit einem Schutzschalter ausgestattet. So auch die Steckdose, durch die der Unfall in Kassel verursacht wurde. Dennoch konnte der Schutzmechanismus das Unglück nicht verhindern. Sind Steckdosen im Bad generell zu gefährlich?

"Nein", meint Jürgen Ripperger vom Verband der Elektrotechnik (VDE), "sie sind nicht gefährlich, wenn ein Fehlerstromschutzschalter ordnungsgemäß installiert wurde."

Dieser Schutzmechanismus ist für Bade-und Duschräume gesetzlich geregelt und funktioniert so: Der Strom fließt über den in der Stromverteilung eingebauten Fehlerstromschutzschalter (10 Milliampere) zur Steckdose und von dort über den Menschen zum Rasierer. Dabei vergleicht der Fehlerstromschutzschalter die Differenzströme des hin- und zurückfließenden Stroms. Ist die Differenz der beiden Werte größer als 10 Milliampere, erkennt er dies und unterbricht den Stromkreis.

Fällt in diesem Fall der eingesteckte Rasierer in die Badewanne "dann reicht dies in aller Regel nicht aus, um den Tod herbeizuführen, weil die Abschaltung so schnell von statten geht, dass ein Herzstillstand nicht herbeigeführt werden kann" erklärt Ripperger. Voraussetzung für ein unmittelbares Auslösen der Schutzeinrichtung ist eine normgerechte Auslegung der Anlage.

Experte rät zu 'E-Check'

Ripperger appelliert an die Verbraucher, "nicht einfach davon auszugehen, dass alles in Ordnung ist". Er rät deshalb zu einem 'E-Check', bei dem elektrische Anlagen auf Mängel geprüft werden. Dieser kostet allerdings zwischen 300-500 Euro. "Danach kennt man seine Situation und bekommt eine Empfehlung, wo Installationen nachgerüstet werden sollten." Die Kosten werden vom Vermieter nicht immer übernommen, "oft lässt er sich aber aus Eigeninteresse auf einen Kompromiss ein".

Ob bei dem Unglück in Kassel eine fehlende Wartung des Schutzmechanismus schuld war oder ob dieser falsch installiert wurde, sollen nun zwei Sachverständige im Laufe des Prozesses klären. Dies wird auf das Strafmaß jedoch kaum einen Einfluss haben. "Die Hoffnung, dass ein Schutzmechanismus greift, kann kein tragendes Kriterium sein", sagte der Staatsanwalt Götz Wied zu 'hr online'.