Die gesetzliche Erbfolge ergänzen oder umgehen

Testament verfassen - wann es wichtig ist, seinen Nachlass zu regeln

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17. Juli 2019 - 9:14 Uhr

Warum ein Testament sehr sinnvoll ist

Testament - denken auch Sie dabei an vermögende Verwandte und gierige Nachfolger, die auf die Aufteilung des großen Geldes aus sind? Das ist ein altes Klischee aus Hollywood-Filmen. Denn eigentlich sollte ein Testament ein selbstverständliches Dokument sein, welches regelt, was nach unserem Tod mit dem Eigentum passiert. Und warum? Weil ohne Testament die gesetzliche Erbfolge eintritt – und die entspricht nicht immer unseren Vorstellungen.

Unser Erbrecht ist über 100 Jahre alt

Finanztest hat in seiner August-Ausgabe mögliche Szenarien und Lebenssituationen herausgearbeitet – und zeigt darin Wege zur bestmöglichen Regelung des Nachlasses. Unser Erbrecht ist nämlich über 100 Jahre alt und basiert auf der Annahme, dass ein Verstorbener in einer Ehe mit oder ohne Kinder lebt. Doch dieses Modell entspricht oftmals nicht mehr der Realität. Wir leben in einer Gesellschaft, die unterschiedlichste Lebensformen integriert. Daher ist es wichtig, die eigene Situation individuell zu betrachten.

Ehepaar mit Kindern - so wirkt das Erbrecht

Hier regelt das Erbrecht, dass der Partner, der lebt, nur dann automatisch alles erbt, wenn es keine Kinder gibt. Wer jedoch Kinder hat, aber möchte, dass zunächst der Ehepartner der Alleinerbe ist und die Kinder erst nach dem Tod beider Elternteile Haus und Auto bekommen, der sollte ein Testament aufsetzen. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn man seine bessere Hälfte finanziell absichern möchte. Andernfalls erbt die Ehefrau oder der Ehemann nur die Hälfte des Vermögens und die andere Hälfte teilen sich die Kinder auf.

Bei bestehenden Streitigkeiten in der Familie könnte es jedoch sein, dass ein Kind ausgezahlt werden möchte. Und solch eine Auszahlung des Pflichtanteils ist nicht immer möglich – im schlimmsten Fall muss der lebende Elternteil das Haus verkaufen, um an Geld heranzukommen. Das Erben in einer Ehe hat übrigens einen steuerlichen Vorteil: Ehegatten haben einen Freibetrag in Höhe von 500.000 Euro. Erst wenn das Erbe diese Summe übersteigt, wird die Steuer fällig.

Testament in einer Partnerschaft ohne Trauschein

Man kann Jahrzehnte lag zusammen leben und sich vieles gemeinsam aufbauen. Doch wenn ein Unverheirateter Mann oder eine unverheiratete Frau stirbt, behandelt das Gesetz den Partner wie einen Fremden. Er erbt nichts, sofern kein Testament existiert. In solch einem Fall geht der Besitz an die Eltern oder Geschwister über.

Es sei denn, es gibt Kinder, die jeweils den Pflichtanteil bekommen. Um diese Ungleichbehandlung zu umgehen, können Unverheiratete einen Erbvertrag beim Notar aufsetzen. In Sachen Steuern wird das Erben in einer eheähnlichen Gemeinschaft zu einer teuren Angelegenheit – der Steuerfreibetrag liegt hier bei nur 20.000 Euro. Ab da wird das Erbe mit 30 bis 50 Prozent besteuert.

Vererben in einer Patchwork-Familie

Hier sieht die Sache wesentlich komplexer aus. Es gilt, je nach Status, leibliche Kinder, Kinder, die in die neue Beziehung mitgebracht wurden und gemeinsame Kinder zu bedenken. Das gilt natürlich auch für den neuen Partner.

Was viele nicht wissen: Der Exmann oder die Exfrau hat über gemeinsame minderjährige Kinder nach wie vor die Möglichkeit, auf den Nachlass zuzugreifen. Und das, obwohl sich die Lebenswege möglicherweise vor Jahren getrennt haben. Die Verteilung mag also von unterschiedlichen Akteuren als ungerecht empfunden werden. Mit einem Testament können Sie potentiellen Konflikten aus dem Weg gehen.

Vererben für den guten Zweck

Jeder Zehnte über 60 denkt daran, mit seinem Erbe einen guten Zweck zu unterstützen. Wer keine Angehörigen hat oder ausschließen möchte, dass diese etwas bekommen, kann seinen Nachlass einer Organisation vererben. Doch dies muss natürlich ebenfalls in einem Testament geregelt und die Organisation muss namentlich genannt sein.

Dennoch können die Angehörigen auf ihren Pflichtanteil pochen. Für solche Fällte sollten Sie einen Nachlassverwalter bestimmen. Sollte es sich bei der ausgewählten Organisation um eine als gemeinnützig anerkannte Vereinigung handeln, entfällt die Erbschaftssteuer.

Ehe mit kleinen Kindern

Nach dem Tod eines Partners tritt der lebende Partner eine Erbgemeinschaft mit den Kinder ein. Sind die Kinder jedoch minderjährig, werden sie vom Familiengericht vertreten. Dieses beauftragt einen Ergänzungspfleger, der über die Erbanteile entscheidet.

Für eine Familie, die einen Angehörigen verloren hat, eine unangenehme Situation. Bei dieser Konstellation wäre es dann von Vorteil, per Testament den Partner zum Alleinerben zu erklären – und diese Regelung mit der Volljährigkeit entfallen lassen.

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