Eigentlich arbeiten wir nur zu 27 % der Arbeitszeit

Studie: Stress und Überstunden wegen schlechter Arbeitsorganisation

© dpa, Oliver Berg

28. Oktober 2019 - 13:11 Uhr

Gerade mal zwei Stunden für die Kernaufgaben - aber ist das wirklich schlimm?

Büro-Arbeiter kennen das: Eine Flut von E-Mails und Nachrichten aus diversen Tools muss täglich verarbeitet werden, Absprachen müssen eingehalten werden, Meetings finden statt. Wann soll man da eigentlich die ganze Arbeit erledigen? Ein Studie im Auftrag der kalifornischen Software-Firma Asana kommt zu dem Ergebnis: Lediglich 27 % der Arbeitszeit bleiben uns durchschnittlich für die Erledigung der Kern-Aufgaben. Bei einem 40-Stunden-Job sind das täglich gerade mal zwei Stunden. Der Rest der Zeit geht dafür drauf, die Arbeit selbst zu organisieren. Arbeitspsychologen sehen solche Studien allerdings kritisch, da sie den Wert der täglichen Arbeit herabstufen und raten dazu, das Ganze positiv zu sehen.

Das Problem: Es bleibt weniger Zeit für Kinder und Familie

Zwei Drittel unserer Arbeitszeit verbringen wir laut den Ergebnissen der Studie mit der "Arbeit rund um die Arbeit", ein Zehntel wird für Strategie und Analyse verbraucht. Dabei umfasst die sogenannte "Arbeit rund um die Arbeit" Aufgaben wie beispielsweise hinter fehlenden Informationen her zu laufen, über Aufgabenteilung zu reden und gegegenfalls Prioritäten umzusortieren. Die Folge: Durch die ständig wachsene Anzahl an Aufgaben, die wir gleichzeitig erledingen müssen, entsteht dadurch bei vielen Arbeitnehmern enormer Stress, die Überstunden häufen sich, in einigen Fällen ist Burnout das Resultat. Denn die dringend notwendige Zeit für Familie, Freunde und Hobbys fehlt. Dabei besteht das Hauptproblem laut Studie darin, dass die Arbeit hauptsächlich in Meetings organisiert werde.

Viele Menschen kennen den Wert ihrer Arbeit nicht

Ein weiteres Problem, das die Studie festmachen konnte: Fast die Hälfte der Teilnehmer verstand nicht, welchen Wert ihre Arbeit für die Firma oder Organisation hat. Ebenfalls die Hälfte kennt die Jahresziele ihres Arbeitsgebers gar nicht. Die Studie wurde vom Londoner Marktforschungsinstitut Sapio Research durchgeführt. Mehr als 10.000 Menschen aus Australien, Neuseeland, Deutschland, Japan, Großbritannien und den USA nahmen daran teil.

Expertin sagt: Wertschätzung für die gesamte Arbeitszeit ist wichtig

Die Kölner Arbeitspsychologin Kristine Dahlhaus sieht solche Studien kritisch. "Die lenken den Blick zu stark auf die 'nutzlose' Arbeit", sagt sie gegenüber RTL.de. Eine Verbesserung der Arbeitsorganisation sei sicherlich sinnvoll, aber vor allem dürfe die Wertschätzung der gesamten Arbeitszeit nicht zu kurz kommen. Ihr Ratschlag an Betroffene: "Legen Sie sich ein kleines Arbeitstagebuch an und notieren Sie jeden Abend kurz, welche sinnvolle Dinge Sie an einem Tag geschafft haben - so lenken Sie den Blick auf das Gelungene!"