Laut Studie: Spionier-Apps sehr beliebt

Jeder 7. hat schon mal gestalkt - wie unsere Ex-Partner uns ausspionieren

Eine neue globale Studie zeigt, dass so ein harmloses Internetverhalten oft erst der Anfang ist. Nicht selten führt es nach einer Zeit zu Online-Stalking-Aktionen, die in die Grauzone fallen.
Eine neue globale Studie zeigt, dass so ein harmloses Internetverhalten oft erst der Anfang ist. Nicht selten führt es nach einer Zeit zu Online-Stalking-Aktionen, die in die Grauzone fallen.
© Prykhodov

25. Juni 2021 - 9:51 Uhr

Erschreckend hohe Zahlen bei Stalker-Apps

Na, haben Sie auch schon mal heimlich bei Instagram nach Ihrem Ex-Partner gesucht? Einfach so aus Interesse und nicht aus böser Absicht. Dann gehören Sie zur Mehrheit – zumindest bei den 18- bis 39-Jährigen. Dennoch gilt Vorsicht! Denn eine neue globale Studie zeigt, dass so ein harmloses Internetverhalten oft erst der Anfang ist. Nicht selten führt es nach einer Zeit zu Online-Stalking-Aktionen, die in die Grauzone fallen. Die Studie untersuchte weltweit das Internetverhalten von mehr als 10.000 Personen. Dabei entdeckten die Forscher, dass nach Schätzungen rund 3,9 Millionen Deutsche (6 Prozent der Erwachsenen) Stalker- oder Creepware genutzt haben sollen! Ein erschreckend hoher Wert.

Grundstein wird schon früh gelegt

"Wir verfolgen routinemäßig unsere Freunde und Familie und sind im Gegenzug für sie sichtbar - aber hier können bereits frühe Kontroll- und Stalking-Verhaltensweisen beginnen. Es ist sehr schwer, die Tür zu schließen, wenn der Zugang erst einmal hergestellt ist", so Dr. Emma Short, Professorin der Psychologie an der De Montfort University Leicester.

Oft wird so der erste Grundstein für ein ungesundes Internetverhalten gelegt, wie die vom Cyber-Sicherheits-Unternehmen NortonLifeLock in Auftrag gegebene Studie belegt. Alleine 57 Prozent der 18- bis 39-Jährigen gaben zu, bereits den Ex oder aktuellen Partner heimlich auf Online-Profilen aufgesucht zu haben. 19 Prozent der Befragten loggten sich bereits durch fremde Passwörter (unwissentlich) in ein fremdes Profil. Auch 19 Prozent verwendeten mal ein Fake-Profil, um an Wissen im Netz zu gelangen. All diese Aktionen sind sicher fragwürdig, aber nicht strafbar.

Apps zum Ausspionieren derzeit beliebt

Schätzungsweise sollen 3,9 Millionen Deutsche bereits Stalker- oder Creepware verwendet haben. Das sind beispielsweise Apps, die heimlich auf dem Handy des Partners installiert werden. Dadurch kann man unbemerkt SMS, Mails, Telefonate und alles weitere ausspähen. Ein alarmierender Wert! Noch krasser ist, dass 33 Prozent der Befragten dem Partner zutrauen würden, so eine App heimlich zu installieren. Herrscht großes Misstrauen in der Gruppe der 18 bis 39-jährigen oder einfach unstillbares Interesse? Definitiv sollten die Ergebnisse der Studie zum Handeln anregen, sich zu schützen und aufmerksam zu sein.

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Die Studie nennt typische Hinweise für ein heimliches Ausspionieren, die jeder, der Verdacht schöpft, überprüfen sollte.

"Stalkerware verbraucht oft viel Strom und Daten und kann sich selbst verraten - beispielsweise, indem sie die Geräteleistung verlangsamt, die Akkulaufzeit erschöpft oder die Datennutzung erhöht. Wenn Verbraucher sich Sorgen über Stalkerware machen, sollten sie Ihre Geräteeinstellungen und Berechtigungen überprüfen, um zu sehen, ob unbekannte Apps Zugriff auf etwa Standort und Mikrofon haben, oder um zu prüfen, ob unbekannte Apps auf dem Endgerät installiert sind", erklärt Kevin Roundy, technischer Direktor der Studie.

Bewusstsein schärfen und warnen

Professorin Emma Short möchte mit dieser Studie nicht nur aufklären, sondern in erster Linie warnen: "Cyber-Stalking ist ein Verbrechen. Ein Verbrechen, das verheerend sein kann. Es ist entscheidend, dass die Studie die Akzeptanz für das Thema aufzeigt und in Frage stellt." Direktor Roundy möchte, dass Internet-User ihr Bewusstsein schärfen: "Die Online-Aktivitäten von jemandem zu überprüfen, ist nicht immer bösartig; aber es ist wichtig, dass sich die Menschen bewusst sind, wie viele Informationen sie zur Verfügung stellen."

Vorsichtig bleiben!

Die aktuelle Studie zeigt, dass die Floskel "Vertrauen ist gut, aber Kontrolle ist besser" besonders in der Online-Welt zu gelten scheint. Also: Im Zweifel lieber einmal zu viel nachschauen, ob sich jemand unwissentlich am eigenen Handy zu schaffen macht. (gas)

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