Wie passt das zusammen?

Steigende Inzidenz trotz 100 Prozent-Impfquote - doch Gibraltar hat Corona trotzdem im Griff

Auf der kleinen Halbinsel Gibraltar scheint die Corona-Pandemie aktuell trotz hoher Inzidenzen unter Kontrolle zu sein.
Auf der kleinen Halbinsel Gibraltar scheint die Corona-Pandemie aktuell trotz hoher Inzidenzen unter Kontrolle zu sein.
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26. November 2021 - 15:31 Uhr

Impfgegner nutzen Gibraltar zur Stimmungsmache

Gibraltar gilt aktuell als das Land mit der höchsten Impfquote der Welt. Fast 100 Prozent der Erwachsenen haben den Impfschutz gegen das Coronavirus. Doch die Inzidenzen steigen auch dort. Von Impfgegnern wird das britische Überseegebiet im Süden Spaniens daher gerne genutzt, um Stimmung gegen die Impfung zu machen. Wir erklären, warum der Vergleich hinkt.

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Impfquote bei 100 Prozent - aber die Inzidenzen steigen

Aktuell steigen die Inzidenzen auch in Gibraltar rasant an. Schuld ist die Ausbreitung der Deltavariante – auch unter Geimpften. Denn die Impfquote in Gibraltar besonders hoch im Vergleich zu anderen europäischen Ländern. Hier liegt die Quote bei fast 100 Prozent – es ist also beinahe jeder Erwachsene geimpft. In Deutschland sieht das ganz anders aus. Wie viele Menschen in Ihrem Bundesland geimpft sind, können Sie hier nachschauen.

Wie passt das also mit den steigenden Zahlen zusammen? Denn in Gibraltar liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei 1.219,9 (Stand: 21.11.2021). Ein Blick auf die Todesfälle durch das Coronavirus setzt die Zahl der steigenden Inzidenzen in Relation, denn seit April 2021 sind nur vier Menschen durch das Virus gestorben. Insgesamt sind seit Beginn der Pandemie 98 Menschen an oder durch das Virus verstorben, listet die Gesundheitsbehörde des Überseegebiets auf "Health Gibraltar" auf.

Auch die Hospitalisierungsrate sieht gut aus, denn von einer Überlastung ist das kleine Land weit entfernt. Aktuell werden von knapp 34.000 Einwohnern nur zwei auf einer Intensivstation behandelt, berichtet die "Neue Zürcher Zeitung".

Gibraltar ist gutes Beispiel FÜR die Impfung

Trotz dieser beeindruckenden Grafik greifen Impfgegner immer wieder auf das kleine Land zurück, um ein vermeintliches Versagen der Impfungen zu veranschaulichen. Denn um die steigenden Inzidenzen zu durchbrechen, hat die Regierung vor wenigen Tagen große Weihnachtsfeiern abgesagt.

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Diese Entscheidung spricht aber nicht gegen die Impfung, sondern ist eine Reaktion auf die aktuellsten Infektionsherde. Laut newsweek.com seien genau das die Veranstaltungen gewesen, bei denen sich in jüngster Vergangenheit viele Menschen infiziert hätten.

Die Lage in Gibraltar zeigt also einen möglichen Umgang mit der Pandemie, wenn die Impfkampagne erfolgreich abgeschlossen ist. Denn trotz dem bislang weltweit einzigartigen Impfschutz grassiert das Virus weiter – nur eben mit bedeutend weniger Todesopfern und einem Gesundheitssystem, das nicht überlastet ist. (lra)