Tor und Traumvorlage gegen San Sebastian

Spektakuläre Show von Mario Götze in der Europa League - Bewerbungsschreiben für Hansi Flick

17. September 2021 - 16:51 Uhr

Und schon wieder Argumente gesammelt

Mario Götze hatte es in den vergangenen Wochen nicht leicht. Zwar hatte er seine Zukunft langfristig geklärt, er bleibt bis 2024 bei der PSV Eindhoven, allerdings hatte er auch reichlich sportlichen Frust zu bewältigen. Erst war er mit dem niederländischen Club in der Qualifikation zur Champions League gescheitert und dann hatte er von Bundestrainer Hansi Flick einen Korb bekommen.

Präziser gesagt: keinen Platz im Premierenkader des Nachfolgers von Joachim Löw. Ein bisschen überraschend war das durchaus. Denn Flick gilt als jemand, der Götze schätzt. Und ein paar Argumente für sich und ein Comeback im DFB-Team hatte der 29-Jährige im PSV-Trikot schließlich auch gesammelt. Nunja.

Was für eine Mega-Szene von Mario Götze!

Aber Götze hat offenbar einen guten Kanal gefunden, um seinen Frust zu bewältigen. Er hat sich die Freude am Kicken bewahrt. Und wie gut dieser Mann immer noch ist, der Deutschland in Brasilien vor sieben Jahren zum Weltmeister gemacht hatte, das deutete Götze am Donnerstagabend in der Europa League einmal mehr an. Wobei "andeuten" das absolut falsche Wort ist. Der Auftritt des Spielmachers im Heimspiel gegen Real Sociedad San Sebastian (2:2) war großartig (die Highlights – oben im Video).

Götze hatte das erste Tor erzielt, er stand, wo eigentlich ein Stürmer stehen sollte und staubte gedankenschnell ab, und das zweite brillant vorbereitet. An der linken Außenbahn hatte er Gegner Joseba Zaluda mit einer schönen Finte stehengelassen, war dann dynamisch nach innen zum Strafraum gezogen und spielte einen herausragenden Steckpass durch die Beine des Verteidigers auf Cody Gakpo.

Was der Gala von Götze fehlte, war lediglich der Sieg. Den ließ die PSV gleich zweimal liegen. Und beide Male war es der eingewechselte Rechtsverteidiger Jordan Teze, der vergab. In der 89. Minute hämmerte er einen Dropkick nach einer feinen Heber-Vorbereitung neben das Tor, fünf Minuten später knallte er den Ball mit einem fulminanten Schuss aus 30 Metern an den Pfosten. Was für ein Kracher! Aber auch die Niederlage für Eindhoven wäre noch möglich gewesen. Sekunden nach der Aluminium-Eruption tauchte Mikel Oyarzabal frei vor Torwart Joel Drommel auf, der das Duell mit dem etwas zu lässig agierenden Stürmer aber für sich entscheiden konnte.

„Ich weiß, wie schnelllebig Fußball ist"

Götze war dennoch zufrieden, "stolz auf das Team und glücklich, dass ich mit meinem Tor helfen konnte", auch wenn es nicht zum Sieg gereicht habe. "Auf diese Leistung können wir aufbauen." Tatsächlich hatte PSV starke Comeback-Qualitäten bewiesen. Denn auf die Führung von Götze (31.) folgte der Doppel-Schock für die Niederländer. Adnan Januzaj (34.) und Alexander Isak (39.) hatten San Sebastian in Führung gebracht. Kleiner Fun-Fact: Die ersten drei Tore des Spiels wurden somit alle durch Ex-Spieler von Borussia Dortmund erzielt. Nicht ganz so zufrieden wie Götze war dessen deutscher Teamkollege Philipp Max. Er sagte: "Wir machen das 2:2, hatten Gelegenheiten, um das 3:2 zu machen, aber es fiel nicht. Deshalb sind wir enttäuscht." Trainer Roger Schmidt sortierte sich zwischen seinen Spielern ein: "Ich bin nicht total enttäuscht, da ich schon viel Gutes gesehen habe."

Viel Gutes vor allem für Götze. Doch was bedeutet dieses Spiel nun für ihn? Hansi Flick wird die Gala sicher registriert haben. Auf dem Zettel hat er den 29-Jährigen eh, das hat er immer wieder betont. Und auch der Spieler, der zuletzt vor vier Jahren für Deutschland im Einsatz war, sagt immer wieder, wie gerne er nochmal zurückkehren möchte: "Es gibt doch kaum etwas Schöneres, als für sein eigenen Land gegen andere Nationen zu spielen", deshalb sei ein Rücktritt auch nie ein Thema gewesen. "Ich weiß, wie schnelllebig Fußball ist und wie cool es ist, eine WM oder EM zu spielen", ergänzte der 63-malige Nationalspieler. Mit Flick stehe er in Kontakt. Er habe ihn auch vor der Nominierung angerufen und die Entscheidung erklärt.

Die Lage in der Nationalmannschaft hat sich nach dem Ende der Ära von Löw verändert. Und für Götze sind nicht nur gute Nachrichten dabei. Denn Flick setzt vor allem in der Offensive auf den hoch talentierten Nachwuchs. Florian Wirtz, der für Bayer Leverkusen in der Europa League ebenfalls stark aufgespielt hatte, wird langsam aber stetig herangeführt. Jamal Musiala, in den sich der FC Bayern immer mehr verliebt, bekommt schon viel Spielzeit und auch Sturm-Hoffnung Karim Adeyemi hat bereits Eindruck im DFB-Trikot hinterlassen. Die Konkurrenz ist größer geworden. Aber Götze auch wieder stärker … (tno)