Sofort-Hilfe bei K.O.-Tropfen: Jetzt heißt es schnell handeln

Weisser Ring bietet Hilfe: "Man muss das nicht einfach über sich ergehen lassen.“

Immer häufiger werden Menschen zu ahnungslosen Opfern von K.O.-Tropfen. Das farb- und geruchsneutrale Betäubungsmittel kommt meist in Kneipen und Discotheken mit dem Ziel zum Einsatz, die Opfer vorübergehend handlungsunfähig und willenlos zu machen. So können sie die Täter ohne Probleme ausrauben oder sexuell missbrauchen. Andrea Hölzel vom Weissen Ring München erklärt im Interview mit Jenke von Wilmsdorff, was Opfer tun sollten, wenn ihnen K.O.-Tropfen ins Getränk gemischt wurden.

Andrea Hölzel vom Weissen Ring: "Bei Frauen geht es fast immer um Sex.“

K.O.-Tropfen äußern sich im Nachhinein meist durch einen schlagartigen Kontroll- und Erinnerungsverlust. Oftmals können sich Opfer nach Verabreichung des Betäubungsmittels an mehrere Stunden am Stück nicht mehr erinnern. Besonders tückisch: Der Einsatz von K.O.-Tropfen kann im Nachhinein nur noch schwer und vor allem nur für eine sehr begrenzte Zeit nachgewiesen werden. Nur wer sich innerhalb von sechs Stunden einer medizinischen Untersuchung unterzieht, kann die Substanz im Blut feststellen lassen. Und genau das macht die chemische Substanz so gefährlich.

Andrea Hölzel vom 'Weissen Ring München' drängt deswegen dazu, schnell zu handeln. "Ich rate Betroffenen, mit einer Freundin oder einer Person, der man vertraut, direkt zur Gerichtsmedizin zu gehen – nicht zuerst zur Polizei. Denn wenn man zunächst durch die polizeilichen Anhörungen geht, kann es sein, dass man die K.O.-Tropfen danach bereits nicht mehr nachweisen kann."

Erst anschließend sollten Opfer die Polizei informieren und in jeden Fall Anzeige erstatten. Wichtig ist der Expertin vom Weissen Ring vor allem, ein Zeichen zu setzen: "Man sollte sich wehren! Man muss das nicht einfach über sich ergehen lassen." Angst vor anfallenden Kosten durch die Untersuchung brauchen Opfer übrigens nicht zu haben: "Der Weisse Ring übernimmt nachträglich die Kosten der Untersuchung."

Nicht zu unterschätzen ist aber, dass auch Männer Opfer von K.O.-Tropfen werden können – wenn auch mit einem klaren Unterschied im Motiv der Täter. Laut Expertin werden Männer in der Regel betäubt, um sie leichter ausrauben zu können: "Bei Frauen geht es fast immer um Sex."

Zusammengefasst: Sollten Sie den Verdacht haben, dass Ihnen K.O.-Tropfen ins Getränk gemischt wurden...

  • ... suchen Sie mit einer Vertrauensperson schnellst möglich die Gerichtsmedizin auf.
  • ... erstatten Sie erst danach Anzeige bei der Polizei.
  • ... kontaktieren Sie anschließend den Weissen Ring. Er hilft auch bei den Kosten weiter.

Der Weisse Ring ist die größte deutsche Hilfsorganisation für Opfer von Kriminalität und Gewalt. Der gemeinnützige Opferhilfeverein setzt sich unter anderem für Betroffene von K.O.-Tropfen ein und bietet neben persönlicher Betreuung und menschlicher Anteilnahme auch hilfreiche Informationen und finanzielle Unterstützung.