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Schwimm-Eklat kurz vor Olympia - Verband Fina lässt Badekappe für "voluminöses Haar" nicht zu

Schwarze Athleten protestieren

Schwimm-Eklat kurz vor Olympia - Verband lässt Badekappe für "voluminöses Haar" nicht zu

Alice Dearing schwimmt Marathon - und trägt dabei eine spezielle Badekappe für ihr volles Haar
Alice Dearing schwimmt offenen Marathon - und trägt dabei eine spezielle Badekappe für ihr volles Haar
Imago Sportfotodienst

Fina für Badekappen-Entscheidung in der Kritik

Stell dir vor, du hast üppiges Haar, willst an einem Schwimm-Wettkampf teilnehmen, darfst deine Badekappe aber nicht benutzen. Wenige Wochen vor den Olympischen Spielen in Tokio ist das Realität. Denn: Der internationale Schwimmverband (Fina) hat eine spezielle Badekappe für „voluminöses Haar“ nicht zugelassen. Der Protest ist groß, vor allem schwarze Athleten fühlen sich benachteiligt. Die Fina reagiert – und prüft den Fall noch einmal.

Badekappe entspricht nicht der "natürlichen Kopfform"

Haare bremsen – jedenfalls, wenn man schnell schwimmen möchte. Die englische Firma „Soul Cap“ hat daher eine Badekappe für Menschen mit „dickem, kurvigem und voluminösem Haar“ entwickelt. Damit solche Haarprachten gut „verpackt“ werden können, fällt das Stück Gummi entsprechend größer aus als bei einer „normalen“ Badekappe.

Der internationale Schwimmverband Fina hat die spezielle Kappe für die Olympischen Spiele allerdings nicht zugelassen. Die Regelhüter argumentierten, die „Soul Cap“ folge nicht der „natürlichen Kopfform“, teilte das Unternehmen auf BBC-Anfrage mit.

Doch Was ist das Problem an der XL-Kappe? Ein Wettbewerbsvorteil sollte durch die größere Fläche, den damit einhergehenden größeren Widerstand, doch nicht bestehen.

Schwimm-Vereinigung "extrem enttäuscht"

Die Entscheidung löst heftige Kritik aus. Ihre Badekappen spielten eine wichtige Rolle, um Vielfalt im professionellen Schwimmen zu fördern, ließen die Soul-Cap-Gründer Michael Chapman und Toks Ahmed Salawudeen ausrichten. Die Weigerung der Fina, Soul Cap zuzulassen, entmutige junge Schwimmerinnen und Schwimmer an Wettkämpfen teilzunehmen.

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„Extrem enttäuscht“ ist auch die Black Swimming Association in England. Die Fina-Entscheidung bestätige den „Mangel an Diversität“ im Profi-Schwimmen und zeige, wie „dringend ein Wandel“ nötig sei.

Alice Dearing, die ihr Land in Tokio als erste schwarze Britin in einem Schwimmwettkampf – dem offenen Marathon – vertritt, sagte: „Das wird junge Athleten von ethnischen Minderheiten davon abhalten, in Wettbewerben zu schwimmen.“

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Fina verspricht erneute Prüfung

Der Verband reagierte auf die Welle der Kritik. „Fina überprüft derzeit die Situation in Zusammenhang mit Soul Cap und ähnlichen Produkten, in dem Bewusstsein, wie wichtig Inklusion und Repräsentation ist“, teilte die internationale Schwimm-Föderation auf ihrer Homepage mit.

Man schätze die Bemühungen von Soul Cap und anderen Ausrüstern, jedem die Chance zu geben, „das Wasser zu genießen“. Der Verband wolle mit Soul Cap darüber sprechen, die Extra-Kappe durch die „Entwicklungs-Zentren“ der Fina „nutzbar“ zu machen.

„Die Fina geht davon aus, ihre Betrachtung zu Soul Cap und ähnliche Produkte zu einem Teil größerer Initiativen zu machen, die darauf abzielen, dass es keine Barrieren gibt, um am Schwimmen teilzunehmen, das sowohl ein Sport ist als auch eine unerlässliche Fähigkeit für das Leben“, heißt es im typischen Verbandssprech.

Jüngste Studien in England zeigen, dass auf der Insel 95 Prozent der erwachsenen Schwarzen und 80 Prozent der schwarzen Kinder Nichtschwimmer sind. (mar)