Glauben macht sexy?

Erster christlicher Online-Erotikshop gegründet

© dpa, Friso Gentsch, frg

17. Juni 2019 - 19:32 Uhr

Sexspielzeug und Jesus Christus: Kein Widerspruch

(Fast) alle tun es – und trotzdem ist Sex gerade in der Kirche meist noch ein Tabu-Thema. Um das zu ändern, haben drei gläubige Freikirchler Deutschlands ersten Erotikshop mit christlichen Werten gegründet: Bei "Schöner lieben" gibt's von Ratgebern über Gleitgel bis zum Vibrator alles, was für mehr Spaß im Bett sorgt. Doch das kommt nicht überall gut an.

Erotik ja, Schmuddel-Image nein

16.05.2019, Nordrhein-Westfalen, Bielefeld: Ein Messschieber für Kondomgrößen wird von den Firmengründern Gerhard Peters (l-r) und Timon Rahn gezeigt. Er ist einer der Artikel, die im Sexshop "Schöner Lieben" erhältlich ist. ·Schöner lieben· ist, nac
Setzen sich für mehr Ungezwungenheit ein: Die Gründer Gerhard Peters und Timon Rahn.
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Zwischen 29 und 31 Jahre alt sind die Gründer Welllington Estevo, Timon Rahn und Gerhard Peters. Ihre Geschäftsidee entstand aus ihren eigenen Bedürfnissen heraus: "Ich habe mich selbst zuvor schon in anderen Shops umgeschaut, fühlte mich aber nie abgeholt", so Estevo. Zu viel Schmuddel, zu viel Porno, der mit der Realität wenig zu tun hat. Er und seine Mitstreiter wollten deshalb eine Plattform gründen, auf denen sich Gläubige mit ihrer Sexualität wiederfinden. "Unsere Zielgruppe soll über den Tellerrand gucken", erklärt Rahn.

Dafür gibt's bei "Schöner lieben" rund 500 Produkte, die den christlichen Erotik-Alltag aufpeppen sollen – ob Massageöl oder Partnervibrator. Fetisch-Zubehör oder extreme Sextoys findet man hier allerdings nicht.

Bruch mit der Gemeinde

Die Idee zu "Schöner lieben" entstand vor zwei Jahren. Davon leben können die drei Gründer, die parallel eine Werbeagentur betreiben, noch nicht. Wieviel Arbeit hinter einem Webshop steckt, wie erbittert der Preiskampf der Branche und wie mühsam der Markteinstieg ist - das hätten sie unterschätzt, räumen sie ein.

Und auch ihr Umfeld bereitete ihnen Sorgen. Bei Gerhard Peters führte der Sexshop sogar zum Bruch mit seiner Gemeinde: Die Gemeindeführung sorgte sich, dass das Business ihres Mitglieds unvereinbar mit seinem ehrenamtlichen Engagement in der Gemeinde sei. "Es gab die Sorge vor zu vielen unangenehmen Fragen", sagt er.

Fallen lassen statt verklemmt sein

Die drei sind jedoch weiterhin überzeugt, Verklemmtheit etwas entgegensetzen zu können. Derzeit arbeiten sie an einem Blog mit Wissenswertem rund um Sex und Lust. Dass das Thema Sex in der freikirchlichen Gemeinde nach wie vor so tabuisiert wird, hält Rahn für eine vertane Chance: Gott hat den Sex doch nicht nur fürs Kinderkriegen gemacht. Er hat den Sex auch gemacht, damit wir uns fallen lassen können."

Quelle: dpa/RTL.de