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Unterstützer fordern Basmahs Freilassung: "Haben Angst, dass sie im Gefängnis stirbt"

Saudische Prinzessin wird mit ihrer Tochter seit zwei Jahren gefangen gehalten

Prinzessin Basmah bint Saud bin Abdulaziz Al Saud beim Semperopernball in Dresden 2017.
Prinzessin Basmah bint Saud bin Abdulaziz Al Saud beim Semperopernball in Dresden 2017.
© imago, Max Stein

12. März 2021 - 12:01 Uhr

von Valerie Dörner

Als eine der wenigen Mitglieder der saudischen Königsfamilie fordert Prinzessin Basmah von Saudi-Arabien öffentlich Gleichberechtigung und Reformen in ihrem Land. Jahrelang ist sie beliebte Gesprächspartnerin für internationale Medien, schreibt Artikel, Bücher und setzt sich für Menschenrechte ein – bis sie vor zwei Jahren plötzlich festgenommen wird. Seitdem sitzt die 57-Jährige im Hochsicherheitsgefängnis Al-Ha'ir in der Nähe von Riad fest – "ohne Anklage und willkürlich", wie sie vor Monaten twitterte. Jetzt wenden sich Unterstützer an britische Behörden, mit der dringenden Bitte, die Prinzessin zu befreien.

Prinzessin Basmah setzte sich als Bloggerin und Autorin für Frauen- und Menschenrechte ein

Prinzessin Basmah ist die Nichte des aktuellen Königs von Saudi-Arabien, Salman ibn Abd al-Aziz Al Saud. Basmah ist Mutter von fünf Kindern und hat neben ihrer Familie mehrere eigene Unternehmen aufgebaut, darunter zwei Cafés und ein Modegeschäft. Es sei ihr wichtig, neben ihrem Dasein als Prinzessin und ihrer Ehe auch ein eigenes Einkommen zu haben, erklärt sie 2017 in einem Interview. Nach der Scheidung von ihrem Mann reist sie sehr viel, sammelt Eindrücke aus allen möglichen Ländern und wohnt schließlich in Großbritannien.

Als Bloggerin und Journalistin setzt sie sich international für Reformen der Frauenrechte in Saudi-Arabien ein. "Frauenrechte in der arabischen Welt sind in Gefahr. Es ist an der Zeit, den Weg zu gehen und Kraft aus der aktuellen Situation mitzunehmen. Die Lösung ist sehr einfach: Fordert Gleichberechtigung. Gleichberechtigung ist das Wichtigste. Ohne Gleichberechtigung funktioniert nichts", so die Prinzessin bei einer Podiumsdiskussion im Jahr 2017.

Prinzessin Basmah in New York
Prinzessin Basmah reiste nach der Scheidung von ihrem Mann viel um die Welt - hier ist sie im Jahr 2012 bei der New York Fashion Week.
© Imago, PicturePerfect

2018 wird Basmah an der Ausreise aus Saudi-Arabien gehindert

2018 kehrt Basmah kurzfristig zurück nach Saudi-Arabien – der Grund ist offenbar die Beerdigung ihres Ex-Mannes. Ende 2018 will sie gemeinsam mit ihrer Tochter Suhoud (29) in die Schweiz reisen, offiziell, um sich dort wegen Herzproblemen in medizinische Behandlung zu begeben. Doch trotz einer Ausreisegenehmigung und gültiger Papiere wird ihr Flugzeug am Flughafen gestoppt. Die Behörden gingen von einem Fluchtversuch über die Türkei aus, berichtete die "Deutsche Welle" damals.

Überwachungsvideo zeigt bewaffnete Männer in der Lobby ihres Hauses

Bis heute hat die Prinzessin das Land nicht wieder verlassen. Im März 2019, drei Monate nach ihrem Ausreiseversuch, wird sie in ihrem eigenen Haus festgenommen. Aufnahmen von Überwachungskameras aus dieser Nacht, die der spanischen Zeitung "ABC" zugespielt wurden, zeigen, wie acht bewaffnete Männer in der Lobby auf die Prinzessin warten. Die Festnahme selbst – von Basmah selbst auch als Entführung bezeichnet – ist nicht zu sehen.

Überwachungskameraufnahmen zeigen Männer in Lobby
Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigen, wie mehrere Männer in der Lobby des Hauses von Prinzessin Basmah stehen.
© ABC Espana

"Ich flehe meinen Onkel und meinen Cousin an, meinen Fall zu prüfen und mich freizulassen"

In der Zeit danach hört man nichts mehr von der Prinzessin. Internationale Medien berichten erst mehrere Monate später über die mutmaßliche Festnahme. Ein Lebenszeichen von Basmah selbst gibt es nicht. Erst am 17. April 2020 erscheinen plötzlich mehrere aufsehenerregende Nachrichten auf ihrem offiziellen Twitter-Account: "Ich wurde gemeinsam mit meiner Tochter Suhoud entführt und befinde mich im Al-Ha'ir-Gefängnis in Riad. Es gibt unseres Wissens keine Anklage und keine laufenden Ermittlungen gegen uns, trotzdem werden wir weiter festgehalten. Ich flehe meinen Onkel, König Salman, und meinen Cousin, Prinz Mohammed bin Salman, an, meinen Fall zu prüfen und mich freizulassen. Ich habe nichts falsch gemacht. Mein Gesundheitsstatus ist sehr kritisch", heißt es in einem der Tweets.

Internationale Medien berichten über das Gnadengesuch, doch aus Saudi-Arabien hört man nichts. Im Mai 2020 folgt der bis heute letzte Tweet – von ihrem "Medienteam" heißt es: "Seit ihrem Tweet aus dem April wurde die Kommunikation zwischen Prinzessin Basmah und ihrer Familie unterbrochen. Wir wissen nicht, wie es der Prinzessin geht und haben keine Informationen über Vorwürfe gegen Sie. Wir fordern die Behörden nochmals nachdrücklich auf, Prinzessin Basmah und ihre Tochter Suhoud freizulassen."

Menschenrechtsorganisation appelliert an die britische Regierung

Fast ein Jahr ist seitdem ohne große Neuigkeiten von der Prinzessin vergangen. Doch jetzt hat sich die Menschenrechtsorganisation "Grant Liberty" zusammen mit einem Anwalt der Familie an die britische Regierung gewandt. In einem Brief an Außenminister Dominic Raab heißt es, man fürchte um das Leben der Prinzessin. RTL hat mit Lucy Rae, Mitverfasserin des Briefs und Pressesprecherin der Organisation "Grant Liberty", gesprochen.

"Schwere Menschenrechtsverstöße" im Al-Ha'ir-Gefängnis

"Prinzessin Basmah wird gegen ihren Willen im Al-Ha'ir-Gefängnis festgehalten. Ein Gefängnis, in dem andere Gefangene schwere Menschenrechtsverstöße erlitten haben", erklärt Rae. "Man wirft ihr Dokumentenfälschung vor, sie soll Ausweise gefälscht haben. Diese Anschuldigungen sind komplett falsch – sie hatte ja sogar bereits eine Ausreisegenehmigung der Behörden." Eine offizielle Anklage gegen die Prinzessin gebe es nicht, was gegen die Gesetze Saudi-Arabiens verstoße, so Rae. Den Kontakt mit der Gefangenen zu halten, sei schwierig. "Wenn sie telefonieren darf, dann nur sehr kurz, die Gespräche werden überwacht", so die Menschenrechtlerin. Doch man wisse, dass es ihr sehr schlecht gehe. "Wir machen uns Sorgen, dass ihre Krankheit, die sich ohnehin verschlechtert hat, am Ende tödlich ist und sie im Gefängnis stirbt."

"Grant Liberty" hofft auf diplomatische Unterstützung

Weil die Prinzessin doppelte Staatsbürgerschaft hat, habe man sich an die britische Regierung gewandt, erklärt Rae. Grant Liberty hoffe nun, dass diese auf diplomatischem Wege beim saudischen König und dem Kronprinz intervenieren könne. Der Organisation geht es allerdings nicht nur um Prinzessin Basmah. Zwar könne man nicht genau sagen, wie viele Menschen aus politischen Gründen inhaftiert seien. Doch "jeder, auch im Ausland, der etwas gegen das Regime in Saudi-Arabien sagt und Verbindungen dorthin hat, muss um sein Leben fürchten", so die drastische Einschätzung der Menschenrechtlerin. Zuletzt machte der Fall der Frauenrechtlerin Ludschain al-Hathlul Schlagzeilen, die nach über zwei Jahren vor kurzem aus der Haft – ebenfalls im Al-Hai'r Gefängnis – entlassen wurde.

Fall von Prinzessin Basmah ist kein Einzelfall in Saudi-Arabien

Die Menschenrechtsorganisation "Amnesty International" beobachtet seit knapp einem Jahr ähnliche Vorgänge gegenüber anderen Mitgliedern der Königsfamilie, ehemaligen Regierungsbeamten und deren Familienmitgliedern in Saudi-Arabien.

"Diese Festnahmen reihen sich in den Kontext rücksichtsloser Maßnahmen Saudi-Arabiens gegenüber den eigenen Bürgern ein. Darunter sind Ökonomen, Lehrer, Kleriker, Künstler und Aktivisten – inklusive derer, die sich friedlich für die vom Kronprinzen versprochenen und teilweise durchgeführten Reformen eingesetzt haben", erklärt Dana Ahmed, Saudi-Arabien-Spezialistin der Organisation. Auch sie fordert die Freilassung der Prinzessin: "Die Festsetzung der Prinzessin und ihrer Tochter ohne Anklage widerspricht saudischem und internationalem Recht. Sie müssen sofort freigelassen werden, es sei denn sie werden wegen eines international anerkannten Verbrechens angeklagt."

Saudi-Arabien steht derzeit wegen des Falls Khashoggi im Fokus

Der Zeitpunkt für den Brief an die britische Regierung ist von der Organisation klug gewählt – denn Saudi-Arabien steht ohnehin derzeit im Fokus der Weltöffentlichkeit. Ein vor kurzem veröffentlichter Bericht der US-amerikanischen Geheimdienste kommt zu dem Schluss, dass der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman die Ermordung des saudi-arabischen Journalisten Jamal Kashoggi im Oktober 2018 genehmigt hatte. Die USA kündigten daraufhin Einreiseverbote für mehrere saudische Offizielle an. Saudi-Arabien wies die Vorwürfe umgehend zurück – man habe die Männer, die für den Mord verantwortlich seien, bereits zur Rechenschaft gezogen. Es bleibt abzuwarten, ob der König und der Kronprinz aus Angst vor weiteren Sanktionen auf die Forderungen der Menschenrechtsorganisation reagieren – und eventuell gleich mehrere politische Gefangene aus dem Gefängnis entlassen. Von einem solchen Schritt könnte schlussendlich auch Prinzessin Basmah profitieren.

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