Im Podcast "heute wichtig"

#Mutterschutzfüralle - gleiche Rechte für selbstständige Schwangere

“Es ist total schlecht vereinbar, so einen Betrieb zu haben und eine Familie zu gründen", sagt die selbstständige Tischlerin Johanna Röh aus Niedersachsen.
“Es ist total schlecht vereinbar, so einen Betrieb zu haben und eine Familie zu gründen", sagt die selbstständige Tischlerin Johanna Röh aus Niedersachsen.
Jürgen Friedrich

von Laura Csapó

Arbeiten bis einen Tag vor der Geburt? Das ist eigentlich undenkbar, aber anders als bei Festangestellten, wo der Mutterschutz genau geregelt ist und Frauen sich krankmelden können, wenn sie Beschwerden haben, bekommen selbstständige Schwangere nicht dieselbe Unterstützung. Eine Petition soll das jetzt ändern.

#mutterschutzfüralle

Die selbstständige Tischlerin Johanna Röh aus Niedersachsen hat eine Petition gestartet, die in dieser Woche unter dem Hashtag #mutterschutzfüralle hohe Wellen geschlagen hat und so erfolgreich war, dass sich der Bundestag jetzt mit dem Thema beschäftigen muss. In der 318. Folge “heute wichtig” erzählt sie davon, wie alles begonnen hat und wie es jetzt weitergeht.

50.000 Stimmen haben sie gebraucht, nun sind es mehr als doppelt so viele. Weil sie bekannte Unterstützer:innen für ihr Projekt bekommen haben, Influencerin Jessie Weiß oder Model Marie Nasemann zum Beispiel, ist in den vergangenen Tagen kaum einer auf Instagram um das Thema herumgekommen, sagt Johanna Röh. Als sie schwanger wurde, musste die Tischlerin feststellen, dass sich ein Betrieb und das Gründen einer Familie sehr schlecht vereinbaren lassen.

Krankengeld, Betriebshilfe – Fehlanzeige: Selbständigen fehlt finanzielle Unterstützung

Als Festangestellte würde sie als Tischlerin sofort einem Beschäftigungsverbot unterliegen. Schweres Material, laute, brummende Maschinen – alles keine geeignete Umgebung für eine Schwangere. Als Selbstständige aber fehlt die finanzielle Unterstützung, Krankengeld oder eine Betriebshilfe. “Eigentlich ist das ein Problem für jede selbstständige Schwangere. Wenn das eine Risikoschwangerschaft ist, kann niemand ernsthaft arbeiten.” Zwar stünde ihr eine Haushaltshilfe zu, eine Betriebshilfe gibt es aber nicht: “Mein Problem ist ja aber nicht, ob der Haushalt geführt wird, sondern, dass meine eigene Arbeitskraft für einen superlangen Zeitraum im Betrieb ausfällt.”

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Pausieren oder arbeiten: Eine Frage der Finanzrücklagen

Johanna Röh musste selbst entscheiden, ob sie arbeiten kann. Eine Entscheidung, die letztlich die Finanzen fällen, denn nur wer es sich leisten kann, kann pausieren – ein Unding und der Grund, warum Röh die Petition ins Leben gerufen hat. Im Herbst muss sich der Bundestag nun mit dem Thema auseinandersetzen und Röh hofft auf echte Veränderung: “Wir erwarten das, was sich die Regierung in den Koalitionsvertrag geschrieben hat, nämlich, dass sie Frauen im Handwerk unterstützen.” Für sie geht es nach nur zehn Wochen Pause nach der Geburt ihrer Tochter nun bald wieder in die Werkstatt. Von Mutterschutz kann bei den zwei Wochen Pause keine Rede seien, die Auszeit bezahlt sie mit ihrem Partner aus eigener Tasche.

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