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Pferdeschwanz verboten! Die kuriosen Regeln an Japans Schulen

Höchst umstritten

Pferdeschwanz verboten! Die kuriosen Regeln an Japans Schulen

Schüler in Uniform an einem Schulpult.
Kollektivität statt Individualität: An Japans Schulen herrschen strenge Regeln.
iStock, iStockphoto

Die Pflicht zum Tragen einer Uniform – ok, das ist nicht allzu ungewöhnlich. Doch wo andere Länder eine Grenze bei den Schulregeln ziehen, setzt Japan nochmal einen oben drauf. Vom Verbot zum Tragen von Pferdeschwänzen bis hin zur vorgeschriebenen Unterhosenfarbe ist alles mit dabei.

Durch "Schwarze Regeln": Kollektivität statt Individualität

Während in westlichen Kulturen Individualität groß geschrieben wird, ist in einem Großteil der asiatischen Länder der Kollektivgedanke fest in der Kultur verankert – so auch in Japan. Statt als Individuum aus der Masse herauszustechen, gilt es als höflicher und angesehener, wenn man sich der breiten Masse anpasst. Möglicherweise ist das ein Grund, warum an japanischen Schulen viel Wert auf Regeln gelegt wird, die dazu beitragen, die Indivdualität des Einzelnen so weit wie möglich in Schach zu halten.

Doch manche Regeln wirken so absurd, dass sich ihnen ein erkennbarer Sinn zu entziehen scheint – sie scheinen viel eher schon fast an Schikane zu grenzen. Nicht ohne Grund werden diese höchst umstrittenen Schulregeln mitunter „burakku kosuku“ genannt, was so viel bedeutet wie „Schwarze Regeln“. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ spekuliert, könne es auch einen Zusammenhang mit Entwicklungen in den Achtzigerjahren geben. Zu dieser Zeit soll es nämlich an vielen Schulen ein Problem mit Mobbing und Sachbeschädigung gegeben haben.

Keine Entscheidung auf behördlicher Ebene

Anders als in Deutschland ist es in Japan so, dass nicht die Schulbehörde des Landes Entscheidungen fällt, die dann in jeder Schule umgesetzt werden. Es ist vielmehr so, dass jede Schule ihre eigenen Regeln entwerfen und durchsetzen kann. Wem die Regeln an einer Schule nicht gefallen, der muss sich eben eine andere suchen. Doch im Zweifel ist es auch da nicht viel besser.

Wie nämlich der japanische Sender NHK vor einiger Zeit veröffentlicht haben soll, verlangte ein Drittel der 54 Gymnasien in der japanischen Präfektur Mie ein Zertifikat, mit dem belegt werden musste, dass Haare, die nicht dem gewünschten Muster „schwarz und glatt“ entsprachen, weder gefärbt noch mit einem Lockenstab behandelt wurden.

Doch mit diesem Zertifikat ist es in vielen Schulen noch nicht getan. So soll eine Studie des Anwälte-Verbands in Fukuoka ebenfalls auf eine fragwürdige Regel aufmerksam gemacht haben, wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete. Laut dieser Studie sollen gut 80 Prozent der städtischen Mittelschulen ihren Schülern die Farbe der Unterwäsche vorschreiben.

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Kuriose Regeln im Überblick

Im Netz kursieren zahlreiche Beispiele für kuriose Schulregeln in Japan. Einige davon haben wir Ihnen hier einmal zusammengestellt:

  • Das Tragen von Strumpfhosen ist untersagt.
  • Das Tragen eines Pferdeschwanzes ist untersagt.
  • Die Haare dürfen nicht gefärbt und nicht unerlaubt geschnitten werden.
  • Haare, die nicht schwarz und glatt sind, müssen jedoch so behandelt werden, dass sie dieser Vorgabe entsprechen.
  • Mädchen und Jungen müssen einen Abstand von zwei Metern zueinander einhalten.
  • Während einer Unterrichtsstunde dürfen Schüler maximal dreimal niesen.

Aufsehen erregten die kuriosen Schulregeln Japans im Jahr 2018, weil eine 18-Jährige ihre Schule verklagte. Der Grund: Man verlangte von ihr, dass sie sich ihre naturbraunen Haare schwarz färbte.

Erste Vorreiter stellen sich der Tradition entgegen

Während es in weiten Teilen Japans weiterhin äußerst streng zugeht und mitunter sogar strenger als vor 30 Jahren, wie „Deutschlandfunk“ berichtete, hat eine Schule in den vergangenen Jahren die Vorreiterposition eingenommen und sich gegen die „Schwarzen Regeln“ gestellt. So soll Takahiko Saigo, ehemaliger Schulleiter der Sakuragaoka-Mittelschule im Westen Tokios, vor einigen Jahren der Erste gewesen sein, der das strenge Regelwerk vom Schulgelände verbannt hat.

Auch Organisationen sollen sich in den letzten Jahren gebildet haben, die mit Hochtouren an der Abschaffung der verstaubten Regeln arbeiten. Gerade in Zeiten, wo Individualität und Empowerment immer wichtiger werden, sollten auch Japans Schüler die Möglichkeit zu mehr Freiheit bekommen. Und der sonst wunderbaren Kultur Japans wird ein Verbannen solch kurioser Regeln sicher keinen Abbruch tun! (vho)