Oscars 2021

Oscars 2021: Andra Day hofft als Billie Holiday auf den Oscar - Filmkritik zu "The United States vs Billie Holiday"

Andra Day brilliert als Jazzstar Billie Holiday
Andra Day brilliert als Jazzstar Billie Holiday
© dpa, Takashi Seida, sab alf

26. April 2021 - 0:59 Uhr

Oscars 2021: Gelingt Andra Day mit einem Sängerinnen-Biopic der gleiche Coup wie Renée Zellweger?

Letztes Jahr räumte Renée Zellweger den Oscar für die beste Hauptrolle ab, als sie in "Judy" das todtraurige und von Sucht geplagte Film- und Showtalent Judy Garland gab. Dieses Jahr könnte Soulsängerin Andra Day in ihre Fußstapfen treten – als stimmgewaltige Billie Holiday.

von Mireilla Zirpins

Im Zentrum von "The United States vs Billie Holiday": der Protestsong "Strange Fruit"

Ähnlich wie "Judy" zeigt auch das Biopic "The United States vs Billie Holiday" den öffentlichen Untergang einer Sängerin mit mehr Talent als Selbstbewusstsein und einem gewaltigen Heroin-Problem. Doch hier geht es um mehr als um Sex (reichlich zu sehen), Drugs (noch reichlicher) und Jazz (eindrucksvoll performt): am Rande um die schlimme Kindheit der Sängerin, die mit zehn Jahren vergewaltigt wurde und in dem Bordell aufwuchs, in dem ihre Mutter anschaffte und auch die Tochter zur Prostitution anbieten wollte.

Im Zentrum der Geschichte aber steht Billie Holidays Lied "Strange Fruit" – ein musikalisches Mahnmal gegen rassistisch motivierte Lynchmorde, das Fans aller Hautfarben hat. Es dauert eine Weile, bis wir den legendären Song zu hören bekommen, denn schließlich gibt es Menschen wie Harry Anslinger beim FBI (Garrett Hedlund aus "Tron"), die ihn wegen seines gesellschaftskritischen Potenzials lieber nicht öffentlich performt haben möchten.

Da sich die Sängerin auch mit Auftrittsverboten nicht mundtot machen lässt, setzt man einen Lockvogel auf sie an: Agent Jimmie Fletcher vom Federal Bureau of Narcotics (FBN), sanftmütig verkörpert von Trevante Rhodes aus "Moonlight". Er soll den Star wegen seines Drogenproblems drankriegen.

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Andra Day meistert nicht nur den Gesangspart mit Bravour, sondern spielt die Frau mit der verletzten Seele kraftvoll und ungeschönt. Dramaturgisch ist die Filmbiografie nicht der große Wurf von Regisseur Lee Daniels, mit "Precious" schon mal Oscar-Kandidat. Seine Hauptattraktion ist Andra Day, die ihre Sache sehr gut macht. Den Golden Globe hat sie für ihre Rolle als "Lady Day" schon bekommen. Ob Andra Day gewinnt oder leer ausgeht, erfahren Sie in der Oscar-Nach in unserem Live-Ticker.

Doch die Konkurrenz in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin ist extrem hart: Frances McDormand als Aussteigerin in "Nomadland", Viola Davis als emanzipierte Titelfigur in "Ma Rainey's Black Bottom", Vanessa Kirby, die in "Pieces of a Woman" eine Stillgeburt erleidet und Carey Mulligan als Rache-Engel in "Promising Young Woman".

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Andra Days Oscar-Nominierung ist die einzige für den "The United States vs. Billie Holiday".

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