Secondhand-Interiordesign

Neue Möbel kaufen? Ohne mich!

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20. März 2019 - 22:06 Uhr

von Alexandra Diemair

Gebrauchte Möbel kaufen hat zwei Vorteile: rettet Bäume und schont den Geldbeutel. Bei uns zu Hause ist das seit Kurzem Programm. Secondhand-Möbel sind nicht nur günstiger, sondern vor allem auch nachhaltiger. Bei uns werden neue Einrichtungswünsche nur noch gebraucht gekauft. Ein Experiment.

Meine Teenager sind Nachhaltigkeits-Muffel

Teenager erfinden sich gerne selbst permanent neu. Kleidungsstil, Hobbies, Freundschaften: Alles wechselt häufiger als das Wetter im April. So auch der Einrichtungsstil der Kinder-, pardon, Jugendzimmer. Während gerade noch Justin Bieber und Ariana Grande die Wände schmückten, muss es als nächstes uuunbedingt die coole Einrichtung ganz in schwarz-weiß sein. Minimalismus vom Schweden-Riesen à la Pinterest ist der neueste Trend.

Aber was tun? Die ständige Identitätsskrise belastet nicht nur die Nerven, sondern auch den Geldbeutel der Eltern. Ganz zu schweigen von dem ohnehin pausenlos pochenden schlechten Gewissen angesichts des ökologischen Fußabdrucks meiner Töchter. Die lassen sich nämlich nur schwerlich davon überzeugen, dass ein fair geshopptes T-Shirt besser ist, als der neueste Trendfummel, der nach kürzester Zeit wieder out ist und aussortiert wird.

Zum Geburtstag gibt es Gebrauchtes

Predigen hilft nicht, das gilt in fast allen Erziehungsbereichen. Aber Vorleben. Und so treffen wir den Entschluss: Bei uns in die Wohnung ziehen nur noch Möbel- und Einrichtungsgegenstände von Online-Flohmärkten und Kleinanzeigen ein. So der Plan. Und: Für jedes neue Möbelstück muss ein altes weichen, das dann ebenfalls auf dem Online-Flohmarkt verkauft oder verschenkt wird.

Dass das sehr viel leichter geht als gedacht und noch dazu glücklich macht, konnte ich beim letzten Geburtstag meiner Tochter beweisen. Mir und ihr. Vom Kleiderschrank über den neuen Bettüberwurf bis hin zur Nachttischlampe – alles gebraucht. Und doch genau so, wie sie es wollte. Ich muss zugeben: Ich war selbst erstaunt darüber, wie problemlos und schnell ich die von ihr gewünschten Einrichtungsgegenstände erstanden habe. Und auch sie war glücklich und ein wenig gerührt, zu sehen, dass ihr "uncooler" Kleiderschrank und ihr verschmähter Sitzsack ein zweites Leben im Kinderzimmer eines fünfjährigen Mädchens fanden. Die Barbiepuppe und das Pferde-Quartett gab's als spontanes Goodie dazu.

Und so bekam sie zusätzlich zum Kaufen und Verkaufen gebrauchter Möbel noch eine By-the-way-Lektion in Sachen Wertschätzung. Allemal effektiver und besser als meine teilweise zum Hysterischen tendierenden Predigten angesichts der Billig-Fummel vom Ramschladen und dem hartnäckigen Konsum der verpönten Schokocreme mit Palmfett. Eigenes Taschengeld schafft Freiheiten.

Weniger zu kaufen ist am umweltfreundlichsten

Secondhand-Möbel
Ein ganzes Zimmer nur mit gebrauchten Möbeln einrichten? Das geht!
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Mit meiner Idee, meinen Neuwarenverbrauch zu reduzieren, bin ich selbstverständlich nicht wahnsinnig innovativ. Schon länger geht der Trend zum Gebrauchtkaufen und -verkaufen. "Es gibt fast nichts, für das es nicht auch einen Wiederverkaufsmarkt gibt", sagt Thomas Ahlmann, Sprecher des Vereins Fairwertung, der sich für die Belange gemeinnütziger Altkleidersammlungen einsetzt. "Secondhand liegt absolut im Trend". Und das ist auch gut so.

Die zweite Chance für alte Geräte, Möbel oder Kleidungsstücke verkleinert nachweislich den ökologischen Fußabdruck und entlastet die Umwelt. Laut einer Studie sparten die Österreicher beispielsweise im Jahr 2018 jährlich 200.000 Tonnen C02-Emissionen, indem sie gebrauchte Dinge auf dem digitalen Marktplatz "willhaben.at" kauften oder verkauften. Das entspricht etwa der Wirkung von 15 Millionen Bäumen. Klingt doch ganz gut, oder?

Und es zollt in gewissem Maße dem Rechnung, was viele Kritiker des derzeitigen Hypes um das Thema Nachhaltigkeit predigen: Egal ob Bio-fairer Kaffee im Mehrwegbecher, Autofahren mit dem Elektroauto oder Klamotten vom Öko-Label - am umweltfreundlichsten ist es, nicht oder wenig zu konsumieren. Ganz gleich in welchem Bereich. Und das fällt, zumindest mir, oftmals schwer. Gebraucht kaufen ist für mich ein Weg, der gangbar und bezahlbar ist. Und den ich auch meinen Töchtern vermitteln kann. Manchmal zumindest.