Noch in dieser Woche

Saudis wollen Premier-League-Club übernehmen

Newcastle United.
Newcastle United.
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07. Oktober 2021 - 13:06 Uhr

Was der Deal mit einem katarischen TV-Sender zu tun hat

In der englischen Premier League kündigt sich die nächste Übernahme eines Clubs durch einen Staatsfonds vom Persischen Golf an. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge sollen saudi-arabische Investoren noch diese Woche die Mehrheitsanteile des Traditionsclubs Newcastle United übernehmen.

Schon 2020 kam es fast zur Übernahme

ARCHIV - 15.09.2019, Saudi-Arabien, Taif: Mohammed bin Salman, Kronprinz, von Saudi-Arabien, nimmt an der Abschlusszeremonie des «Crown Prince Camel Festivals» teil. (Zu dpa «Kronprinz will saudische Tourismusregion mit Milliarden fördern») Foto: -/S
Kronprinz Mohammed bin Salman ist Vorsitzender des Staatsfonds.
© dpa, -, MA esz wst vco

Hinter England-Meister ManCity steht die Abu Dhabi United Group Investment, Glamour-Club Paris St. Germain bekommt viel Geld vom katarischen Eigentümer, dem Staatsfonds "Qatar Sports Investment" überwiesen. Nun gesellt sich offenbar bald der nächste spendable Großsponsor dazu.

Der Staatsfonds Saudi-Arabiens (Public Investment Fund) soll die Geschicke beim Team aus Newcastle übernehmen. Im Raum stehen 300 Millionen Pfund für 80 Prozent der Anteile. Das berichten mehrere englische Medien. Das Interesse am englischen Meister von 1927 war schon länger hinterlegt. Bereits 2020 wäre es fast zu einem Deal gekommen. In den vergangenen Tagen konnte ein Problem gelöst werden, das die Übernahme bislang verhinderte.

Keine Einmischung ins Tagesgeschäft

Denn in Saudi-Arabien war bislang der katarische TV-Sender beIn Sports verboten. Stattdessen erlaubte der Staat einem Piratensender, die Spiele des Senders zu kopieren und zu zeigen. BeIn Sports hält die Rechte von FIFA/UEFA- und Premier-League-Spielen im Nahen Osten.

Jüngst machte aber die Nachricht die Runde, dass das Verbot der BeIn Media Group aufgehoben werden soll. Gleichzeitig versprachen die Saudis, den Piratensender dichtzumachen.

Bislang hatte sich BeIn aufgrund des Streits quergestellt und bei der Premier League interveniert. Nun ist der Weg also frei.

Das Geld kann der Club aus der Premier League sicher gut gebrauchen. Aktuell ist Newcastle Tabellenvorletzter.

Allerdings: Die Saudis gaben eine Erklärung ab, dass der saudische Staat sich nicht in das Tagesgeschäft einmischen werde.

Die geplante Übernahme wird von vielen Kritikern als weiteren Schritt des "Sportswashing" interpretiert. Also das "Reinwaschen" durch Sportevents. Saudi-Arabien zog in vergangener Zeit mehrere große Sportveranstaltungen an Land, zum Beispiel den spanischen Supercup, Boxkämpfe oder ab dieser Saison ein Formel-1-Rennen in Dschidda.

Organisationen wie Amnesty International kritisieren schon seit Jahren die Menschenrechtslage im totalitär geführten Land. Die Liste ist lang. (msc)