Nächster Renten-Hammer

Ökonomen fordern Renteneintritt erst mit 70 Jahren

Als alter Mensch erst in Rente.
Als alter Mensch erst in Rente.
© dpa, Ralf Hirschberger

10. Juni 2021 - 15:47 Uhr

Institut der deutschen Wirtschaft liefert neue Modellberechnungen zur Rente

Die Diskussionen um einen möglichen Renteneintritt mit 68 ist noch voll im Gange, da kommt schon der nächste Renten-Hammer: Ökonomen fordern die Rente mit 70. Die Forderung ist zwar nicht ganz neu, aber jetzt beziehen sich die Wissenschaftler auf ganz konkrete Jahrgänge. So langsam stellt sich die Frage: Gehen wir überhaupt noch in Rente?

Ab 2052 mit 70 Jahren in Rente: Diese Jahrgänge wären betroffen

In der Debatte um ein höheres Rentenalter schlägt das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) auf lange Sicht einen Rentenbeginn mit 70 Jahren vor. "Mit einer fortgesetzten Anhebung der Regelaltersgrenze bis auf 70 Jahre ab 2052 ließe sich der Beitragsanstieg [...] bremsen und gleichzeitig das Sicherungsniveau stabilisieren", heißt es in einem Kurzbericht des IW. Als eine Möglichkeit wird genannt, den Rentenbeginn im Zeitraum nach 2031 pro Jahr um zwei Monate anzuheben. Begründet wird dies mit der steigenden Lebenserwartung der Menschen.

Das würde bedeuten: Wer ab 1980 geboren ist, müsste bis 70 Jahren arbeiten.

Das IW hat schon vor einigen Jahren die Rente mit 70 gefordert, nun untermauert es diese Haltung mit neuen Modellberechnungen. Kürzlich hatte der Wissenschaftliche Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums eine Anhebung des Renteneintrittsalters auf 68 Jahre bis zum Jahr 2042 vorgeschlagen, was bei Union und SPD aber auf Ablehnung stieß.

Aus Sicht des IW geht der Beiratsvorschlag nicht auf. "68 reicht nicht", heißt es von dem Institut. Studienautor Jochen Pimpertz verweist auf andere EU-Staaten: In Dänemark gelte ab dem Jahr 2030 eine Altersgrenze von 68 Jahren und in den Niederlanden sei die Rente mit 67 schon heute Realität. "Außerdem passen beide Länder das Rentenalter bei weiter steigender Lebenserwartung regelgebunden an", heißt es in der Kurzstudie.

Planungssicherheit für jüngere Generationen

Das IW hat konkret ausgerechnet: Würde das Rentenalter ab 2031 pro Jahr weiter um zwei Monate schrittweise angehoben, läge das Rentenalter 2052 bei 70 Jahren und könnte dort fixiert werden, heißt es weiter. In diesem Fall würde der Beitragssatz 2040 bei 21,4 Prozent eines Brutto-Monatsgehalts und 2060 bei 21,3 Prozent dauerhaft stabilisiert werden können. Er läge damit um 2,3 Prozentpunkte niedriger, als wenn das Rentenalter von 67 Jahren beibehalten würde. Das Rentenniveau läge beim weiteren Anstieg des Rentenalters auf 70 im Jahr 2040 bei 46,3 Prozent eines durchschnittlichen Arbeitnehmer-Gehalts und im Jahr 2060 bei 45,6 Prozent - und damit um 1,2 Punkte höher als bei Beibehaltung der Rente mit 67.

Mit Blick auf Deutschland schreibt Pimpertz: "Was ökonomisch unvermeidbar erscheint, würde den Bürgern hierzulande vor allem Planungssicherheit verschaffen - sowohl mit Blick auf die ergänzende Privatvorsorge als auch bei der Berufswahl und der (Weiter-)Bildungsentscheidung."

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Gegenüber RTL/ntv sagte Pimpertz am Donnerstag, die Menschen lebten heute nun mal immer länger und blieben im Alter länger gesund und fit. Sollte man in der Zukunft statt 20 Jahren 30 Jahre im Ruhestand leben, wäre das «in einer alternden Gesellschaft dauerhaft nicht zu finanzieren». Wenn die demografische Entwicklung berücksichtigt werde, sei die Rente "im Prinzip stabil", sagte Pimpertz. "Wir müssen uns bei längerer Lebenserwartung darauf einstellen, dass wir eben die hinzugewonnene Lebensspanne auch anteilig im Erwerbsleben verbringen und nicht nur im wohlalimentierten Ruhestand." (dpa/aze)

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