Bei Union ist er unverzichtbar

Max Kruse, das geniale Phänomen, das nicht für die Nationalmannschaft spielt

Max Kruse hat einen genialen Moment im Spiel seiner Union gegen Mönchengladbach
Max Kruse hat einen genialen Moment im Spiel seiner Union gegen Mönchengladbach
© imago images/Matthias Koch, Matthias Koch via www.imago-images.de, www.imago-images.de

29. August 2021 - 21:43 Uhr

Das wächst ein Super-Duo zusammen

Die ersten Highlights hat Union Berlin in dieser Saison bereits gefeiert. In der Europa Conference League. Nun läuft es auch in der 1. Fußball-Bundesliga. Gegen Borussia Mönchengladbach gibt es einen Sieg, den das Team einem genialen Moment des langsamen Max Kruse zu verdanken hat. Der wächst gerade mit Taiwo Awoniyi zu einem Super-Duo zusammen.

Schlechte Laune bei Mönchengladbach

Max Kruse hatte ein bisschen länger gebraucht. So schnell wie sein Sturmkollege Taiwo Awoniyi ist er nicht. Das ist kein Geheimnis. Max Kruse geht mit dieser Schwäche durchaus offen und souverän um. Und Awoniyi hat eine Art entwickelt, damit umzugehen. Gegen Borussia Mönchengladbach hielt der Nigerianer den Ball, wartete bis sein Kollege auf der Höhe war und spielte ihn dann an. Der Pass von Awoniyi war indes alles andere als gut. Ein bisschen zu sehr in den Rücken, aber kein Problem für Kruse. Mit dem Tempo mag er fremdeln, nicht aber mit dem Ball am Fuß. Und so ließ er sich etwas ganz Feines für den Rekordtransfer von Union Berlin einfallen. Er spielte einen sensationellen Pass genau in den Raum, in den Awoniyi laufen wollte. Er hatte das zart angedeutet.

Kruse schob den Ball perfekt in den Lauf des Stürmers. Er tat das, ohne hinzuschauen. Für seinen Gegenspieler war die Aktion kaum zu erahnen. Allerdings war der auch nicht sonderlich bemüht, Kruse zu attackieren. Das, was man Gegnerdruck nennt, das war abstinent. Die Folge: Das 2:0 (41.) für Union. Die gefühlte Vorentscheidung. Die Mannschaft von Trainer Adi Hütter war zwar bemüht und hatte gute Momente, brachte sich aber viel zu selten in richtig gute Situationen. Am Ende ging das Spiel mit 1:2 verloren. Die Borussen stehen nach drei Spieltagen bei einem Punkt. Ungeachtet von personellen Engpässen und schon vernünftigen Ansätzen auf dem Rasen, ist das ein Fehlstart. "Eine bittere Pille", so Hütter: "Wir müssen punkten, damit wir der Kapelle nicht hinterherlaufen."

"... aber trotzdem haben wir noch viel Luft nach oben"

1. FC Union Berlin - Borussia Mönchengladbach
Taiwo Awoniyi
© deutsche presse agentur

Hinterherlaufen, das ist eher etwas für Kruse. Kleiner Scherz. Tatsächlich aber erwischte der 33-Jährige keinen besonders guten Tag. In den ersten 40 Minuten war er kaum zu sehen. Allerdings war er an der Führung durch Nico Gießelmann beteiligt gewesen. Kruse hat mit einem cleveren Pass die rechte Seite geöffnet. Von dort kam schließlich die Flanke, die Gießelmann mit einem platzierten Kopfball verwandelte.

So schön die beiden Treffer herausgespielt waren, so schön es war sonst eher selten in der Alten Försterei. Die Berliner verdienten sich ihren ersten Sieg in dieser Bundesliga-Saison vor allem mit Leidenschaft und Kampf. "Wir haben eine ordentliche Leistung gebracht, aber trotzdem haben wir noch viel Luft nach oben", sagte Kruse bei DAZN. "Im Moment funktioniert aber das ganze Team hervorragend. Unsere Tugenden haben wir auf den Platz gebracht, das machen wir in jedem Spiel. Wir wissen was wir können." Und sie wissen auch, was sie haben. Einen guten Torwart nämlich. Der heißt Andreas Luthe und entschärfte etwa ein ziemlich sattes Pfund von Nationalspieler Jonas Hofmann, der übrigens nicht zum FC Bayern wechseln wird. Wie Gladbachs Manager Max Eberl bei DAZN sagte.

Hofmann ist derweil nicht der einzige Borusse, um den sich Gerüchte halten. Ob und was am Montag, am so genannten Deadline Day noch passiert - abwarten. Matthias Ginter soll ja auch vom Rekordmeister umworben werden. Auch bei Union soll sich noch was tun. Abwehrmann Marco Friedl von Werder Bremen gilt als Kandidat. Laut "Deichstube" soll er sich nach Berlin streiken wollen. Zudem soll es Interesse an Mittelfeldmann Kevin Möhwald geben, der ebenfalls noch an der Weser spielt.

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Was dagegen klar scheint: Im Sturm braucht Union keine Verstärkung mehr. Awoniyi wurde nach seinen guten Leistungen in der vergangenen Saison für 6,5 Millionen Euro vom FC Liverpol fest verpflichtet. Auch Andreas Voglsammer, der Bielefelder kam. Und Kevin Behrens von Zweitligist SV Sandhausen. Ohnehin war der Teil des Kaders schon ganz prima besetzt. Womöglich wird noch ein Angreifer gehen. Aktuell zählt das Aufgebot zehn Mann für die vorderste Reihe (Außenstürmer inklusive), ein gewaltiger Luxus.

DFB-Star Kruse macht Freundin Antrag im TVKruse wird nicht gehen. Und Awoniyi natürlich auch nicht. Auch wenn der nach seiner Odysee mit zahlreichen Leihgeschäften in Deutschland - unter anderem spielte er einst für den FSV Frankfurt (!) - und Belgien bei Union so stark spielt wie selten zuvor in seiner Karriere und durchaus Interessenten haben dürfte. Mit ihm und Kruse wächst etwas zusammen. Ein genialer Vorbereiter und ein abgezockter Stürmer, denn wie er gegen Gladbach den Pass verarbeitete, das war schon auch feine Kunst (weil technisch hochwertig).

Wie gut diese Verbindung funktioniert, hatte sie bereits in der Europa Conference League gezeigt. Beziehungsweise auf dem Weg dorthin. Den Einmarsch in die Gruppenphase hatten die Unioner mit einem 4:0 bei Kuopion PS gelegt (über das 0:0 im Rückspiel reden wir lieber nicht). Awoniyi hatte zwei Tore erzielte, (7. und 31.), Kruse (29.) eins weniger, dafür aber zwei vorbereitet. Aber ausgerechnet er, der vor einem halben Jahr noch "keinen Bock" auf die Conference League gehabt hatte, glänzte mit seiner Spielfreude.

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Sport Bilder des Tages Medien Get-together, mit Bundestrainer Hansi Flick und seinem Team, DFB-Campus, 10.08.2021 Hansi Flick Bundestrainer, Medien Get-together, mit Bundestrainer Hansi Flick und seinem Team, DFB-Campus, 10.08.2021 Thomas Boecker/DFB
Hansi Flick.
© Thomas Boecker/DFB via EIBNER/Sa, Eibner-Pressefoto, Eibner-Pressefoto DESK

Sie hatte ihn schnell wieder eingefangen nach seiner Bocklosigkeit. So wie sie ihn bislang immer eingefangen hatten. Kruse, der Typ der immer wieder für Aufregung sorgte, ist in Berlin ein sehr unauffälliger Teamplayer. Abseits des Rasens. Auch wenn er mit dem deutschen Olympiateam in Tokio für große Gefühle während einer doch ziemlich frustrierenden Reise sorgte, als er seine Freundin Dilara live im TV einen Heiratsantrag schickte.

Aber auf dem Terrain abseits des Platzes war er nicht immer so rührend und trittsicher unterwegs. Die kleinen und meist eher größeren Eskapaden, die immer wieder auftraten, ruinierten seinen Ruf bei Ex-Bundestrainer Joachim Löw und schließlich seine Karriere in der Nationalmannschaft. Ob die nach dem Ende der Löw'schen Ära nochmal Fahrt aufnimmt? Möglich. Hansi Flick, der neue Chef, hatte ja gesagt, dass die Besten spielen werden. Wenn sie Top-Leistungen bringen. Das Alter spielt dabei keine Rolle. Und dass Kruse zu den Besten in der Spitze gehört, das ist eher unstrittig. Und dass er Top-Leistungen bringt, das ist noch weniger unstrittig. Das Problem könnte sein: Flick setzt auf blitzschnellen Überfallfußball. Und wenn Kruse eine Schwäche hat, dann das Tempo. (tno)