Chelsea-Sportdirektorin Marina Granovskaia

Sie ist die wohl mächtigste Frau im Fußball

Marina Granovskaia
© Imago Sportfotodienst

19. Juni 2020 - 15:57 Uhr

Timo Werners neuer Boss

Es ist der teuerste Wechsel eines deutschen Spielers aus der Bundesliga - 53 Millionen Euro lässt sich der FC Chelsea Leipzigs Nationalstürmer Timo Werner kosten. Eine fette Summe, die der Tabellen-Vierte der englischen Premier League in der Corona-geplagten Zeit auf den Tisch blättert. "Wir können es kaum abwarten, dass Timo kommt und freuen uns sehr, dass er sich für uns entschieden hat", wird Chelsea-Direktorin Marina Granovskaia in einer Club-Meldung zitiert: "Er ist ein Spieler, der in ganz Europa begehrt war und es ist kein Geheimnis, dass er den richtigen Mix aus 'jung und aufregend' und trotzdem 'etabliert und erfahren' verkörpert."

„Absolut brillant in ihrem Job“

Marina Granovskaia ist die wohl mächtigste Frau im Weltfußball. Die 45-Jährige hat einen Abschluss der Moscow State University und besitzt einen russischen sowie einen kanadischen Pass. Seit 23 Jahren arbeitet sie für Chelsea-Besitzer Roman Abramowitsch und gilt als dessen engste Vertraute. Ihre berufliche Laufbahn startete Granovskaia in Abramowitschs Ölkonzern, seit 2013 ist sie offiziell Direktorin des FC Chelsea.

Als Vorstandsmitglied ist sie für Transfers zuständig. Zwischen 2014 und 2016 gelang ihr das für England seltene Kunststück, auf dem Transfermarkt mehr Geld einzunehmen (rund 142 Millionen Euro) als auszugeben (137 Millionen Euro). Eine Quelle aus dem Verein sagte einmal dem britischen Boulevardblatt "Daily Mirror" ehrfürchtig, die Chefin sei "hart, gerecht, wunderschön und absolut brillant in ihrem Job".

Marina Granovskaia auf der Tribüne neben dem früheren Chelsea-Star Andriy Shevchenko.
Marina Granovskaia auf der Tribüne neben dem früheren Chelsea-Star Andriy Shevchenko.
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Granovskaia lässt Kasse klingeln

Über die Jahre hat sich Granovskaia den Ruf einer "Iron-Lady" (eiserne Lady) erarbeitet, aufgrund ihres Geschicks in harten und humorlosen Verhandlungen.

Die Russland-Kanadierin beschaffte dem FC Chelsea unter anderem den Sponsoren-Deal über 15 Jahre mit dem US-Konzern Nike, der dem Londoner Club bis 2032 sagenhafte 60 Millionen Pfund (66 Millionen Euro) pro Saison beschert.

Granowskaja beschrieb diesen Kontrakt als "unglaublich aufregend und wichtig für den Club. Chelsea und Nike sind beide weltweit bekannt, und wir freuen uns auf eine erfolgreiche Partnerschaft", sagte sie nach dem Mega-Deal.

Strippenzieherin auf leisen Sohlen

2013 zog Granovskaia auch die Fäden beim Transfer von Bayer Leverkusens Andre Schürrle zum FC Chelsea. Für den damals 22-Jährigen zahlten die Engländer eine Ablöse von 22 Millionen Euro. Granovskaia habe einen toughen, kompetenten Eindruck gemacht, erinnerte sich Bayers damaliger Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser, und sie habe sich auffallend im Hintergrund gehalten. "Mir sind Leute lieber, die nicht so in die Öffentlichkeit drängen. Vielleicht ist das auch eine ihrer großen Stärken", so Holzhäuser.

Auf den ersten Blick wirkt sie ein kleines bisschen wie eine russische Spionin: attraktiv, geheimnisvoll, kaum greifbar, aber auch gerissen - ein Profi auf ihrem Gebiet.

Dass mit ihr nicht zu spaßen ist, erfuhr einst auch Chelsea-Legende John Terry, als dem Mannschaftskapitän das vorgelegte Vertragsangebot nicht besonders gefiel. "Nimm es oder geh!", soll Granovskaia ihn vor die Wahl gestellt haben.

Real musste kräftig blechen

Die Club-Direktorin arbeitet hart und zuverlässig, ist immer pünktlich und absolut humorlos. Wer bis zu Abramowitsch vordringen möchte, muss zunächst an ihr vorbei und mehr als hartnäckig bleiben. Sie ist unerbittlich im Verhandeln. So ließ sie 2019 auch Real Madrid richtig bluten.

Eden Hazard, der sieben Jahre für den FC Chelsea stürmte, dabei in 245 Spielen 85 Tore erzielte, wollte unbedingt zu Real Madrid - und Real wollte unbedingt Hazard. Auch wenn der 28 Jahre alte Offensiv-Mann nur noch für ein Jahr vertraglich an die Stamford Bridge gebunden war, blieb Granovskaia in den Verhandlungen knallhart. Sie gab erst nach, als die Spanier ihr mehr als 100 Millionen Euro Ablöse plus erfolgsabhängige Bonuszahlungen boten.

In einer Vereinsmitteilung wurde die Sportdirektorin zitiert: "Wir sind traurig, uns von Eden zu verabschieden und haben ihm absolut klar gemacht, dass wir uns wünschen würden, dass er bleibt. Aber wir respektieren seine Entscheidung, eine neue Herausforderung anzunehmen und seinem Kindheitstraum zu folgen, für Real Madrid zu spielen."

Nachdem der Scheck aus Madrid eingetroffen war, dürfte man bei den "Blues" nicht mehr ganz so traurig gewesen sein.

Früher war sie eine „graue Maus“

Timo Werner soll in den nächsten Jahren beim FC Chelsea mehr als 10 Millionen Euro pro Saison verdienen. Sollte er einmal der Meinung sein, dass das zu wenig ist, wird er bei Granovskaia auf erbitterten Widerstand stoßen.

Über das Privatleben der 45-Jährigen ist übrigens nichts bekannt. In einem der seltenen Zitate über ihre Person wird sie von einem ehemaligen Lehrer "als graue Maus" beschrieben. Der "Daily Mail" sagte der Pädagoge: "Ich erinnere mich daran, sie unterrichtet zu haben, allerdings an nichts Außergewöhnliches."