2019 M02 14 - 10:02 Uhr

Kommentar von Lauren Ramoser

Der Tag der Liebenden wird als großes Konsum-Fest gefeiert, das alle Singles und Romantik-Hasser mit einer rosaroten Welle aus Herzchen überschwemmt. Der Anspruch an diesem einen Tag ist so hoch, dass am Ende fast alle enttäuscht sind: die mit zu wenig Aufmerksamkeit in ihrer Beziehung und die frustrierten Singles, die das Spektakel als Unbeteiligte mit ansehen müssen.

Romantik bis der Arzt kommt

Der Valentinstag erinnert mich in seiner gezuckerten Romantik an das sogenannte Paris-Syndrom. Es beschreibt die Enttäuschung japanischer Touristen, die sich so lange in die Akkordeon-getränkte Kerzenschein-Fantasie von Paris hineinträumen, bis das echte Paris bei einem Besuch nicht mehr mithalten kann und die Japaner mit einer kurzzeitigen psychischen Störung belastet.

Das Gleiche gilt auch für den 14. Februar. Über Wochen locken Geschäfte mit Angeboten und steigern die Erwartungshaltung an den Partner ins Unerreichbare.

So hat alles angefangen

Was als christlicher Tag begann, hat sich dank eines Genie-Streichs der Floristen zu einem der meist beworbenen "Feiertage" des Jahres entwickelt. Die Läden quellen über vor rosaroter Herzchen-Deko mit Romantik-Angeboten und zahlreichen, wenn auch wenig individuellen Ideen.

In Deutschland wird der 14. Februar erst seit den 1950ern gefeiert. Wie so viele kitschige "Traditionen" ist auch dieser Feiertag aus den USA zu uns gekommen und soll seither die Liebenden ehren.

Was die Liebe in all ihren herzförmigen Facetten feiern soll, ist zu einer Geschenke-Schlacht verkommen, die keine neue Romantik in die Beziehung, dafür aber mächtig Geld in die Kassen des Einzel- und Onlinehandels spült. Dabei versteckt sich unter all dem kitschig bunten Plunder eine gute Botschaft: Liebe Liebenden, eure Beziehung freut sich über Wertschätzung!

Gute Idee, aber…

Der Tag an sich ist eine gute Idee, denn er macht viele zu Gewinnern: Den Einzelhandel, das Like-überschwemmte Instagram-Profil der Freundin, auf dem sich der Blumenstrauß so gut macht und die vielen glücklichen Restaurant-Besitzer, die sich über den zuverlässig hohen Umsatz durch Valentinstags-Menüs freuen.

Die Aufmerksamkeit, die einer Beziehung an diesem einen Tag zuteilwird, ist wichtig. Denn allzu oft rutscht die Beziehung aus dem Fokus und das kann zum Problem werden. Aber eine romantisch überreichte Praline reicht eben nicht aus, um die kleinen Risse zu verkleben, die mangelnde Aufmerksamkeit über ein ganzes Jahr in einer Beziehung hinterlassen hat.

Mein Verbesserungsvorschlag:

Anstatt auf den letzten Drücker zum Floristen zu rennen, um ein paar Blumen in der Hand zu haben, wünsche ich mir ein bisschen Valentinstag an jedem Tag. Ein Kompliment für zwischendurch, eine kleine Überraschung für den Partner oder ein bewusster Abend zu zweit.

Denn die Romantik, die viele auf diesen Tag projizieren, wünschen sich bestimmt alle Valentinstags-Liebenden und das nicht nur am 14. Februar.