Letzte Ruhe mit Ablaufdatum: Was passiert nach der Bestattung mit einem Grab?

Eine trauernde Frau vor einem Grabstein auf dem Friedhof
In Deutschland ist die Nutzungsdauer von Standardgräbern begrenzt: Nach zwanzig bis dreißig Jahren werden sie aufgelöst.
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Gräber bestehen nicht für immer

Was passiert eigentlich mit einem Grab, wenn die Bestattung schon lange zurückliegt? Diese Frage stellen sich viele, nachdem eine 13-Jährige in einem Freizeitpark den Grabstein ihres eigenen Opas als Deko fand. Tatsächlich können Gräber nur über einen bestimmten Zeitraum belegt werden – dann werden sie geräumt. Was genau dabei passiert und in welchem Fall Sie die Nutzungsfrist verlängern können, erfahren Sie hier.

Grabnutzungsrecht ist zeitlich begrenzt

Ein Grab wird nicht für immer gekauft, sondern nur für einen bestimmten Zeitraum gepachtet. Die sogenannte Ruhezeit beschreibt die Dauer, wie lang das Grab belegt bleiben darf, bevor es eingeebnet und neu vergeben wird. Sie richtet sich nach Faktoren wie der Auslastung des jeweiligen Friedhofs und der Beschaffenheit des Bodens. So soll sichergestellt werden, dass die sterblichen Überreste nach Ablauf der Frist auf jeden Fall zersetzt sind. Die Ruhezeit beträgt je nach Ort zwanzig bis dreißig Jahre, in Städten wie München oder Nürnberg sogar oft nur zehn.

Ob die Nutzungsfrist verlängert werden kann, hängt von der Art des Grabes ab, bei Särgen ebenso wie bei Urnen:

Reihengrab

Das Reihengrab wird vom Friedhof zugeteilt und nach Verfügbarkeit vergeben. Die Lage kann somit nicht beeinflusst werden. Zudem sind die Gestaltungsmöglichkeiten stärker eingeschränkt. Bei einem Reihengrab ist in der Regel keine Verlängerung der Ruhezeit möglich, es wird also nach Ablauf der Ruhezeit neu vergeben – dafür ist es günstiger.

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Wahlgrab

Die Lage des Wahlgrabs kann auf vorgegebenen Flächen frei gewählt werden. Es ist größer, bei der Gestaltung gibt es mehr Spielraum. Hier können die Hinterbliebenen die Ruhezeit verlängern, was besonders für Familiengräber wichtig ist. Wahlgräber sind deutlich teurer als Reihengräber.

Was passiert, wenn das Grab aufgelöst werden muss?

Auf dem Friedhof wird ein Grab ausgehoben.
Nach Ablauf des Nutzungsrechts wird ein Reihengrab aufgelöst und neu belegt.
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Der Friedhof kündigt den Ablauf der Ruhezeit rechtzeitig an. So haben Sie als Angehörige ausreichend Zeit, das Grab zu räumen. Am besten besprechen Sie direkt mit der Verwaltung, wie die Stelle zu hinterlassen ist: Meist müssen Pflanzen und Schmuck, die Beet-Einfassung, der Grabstein sowie sein Fundament entfernt werden. Spezielle Firmen können hier für eine ordnungsgemäße Umsetzung sorgen.

Der Grabstein kann behalten werden, etwa als Andenken für den Garten, oder für die weitere Verwendung von einem Steinmetz bearbeitet werden. Wenn Sie keinen Bedarf mehr haben, können Sie den Grabstein fachgerecht entsorgen lassen. Er wird dann geschreddert und findet meistens neue Verwendung im Bau von Straßen oder Mauern.

Und wenn dabei menschliche Überreste gefunden werden?

Sollten sich Holz oder Stoffe noch nicht vollständig zersetzt haben, verbleiben diese Reste in der Erde. Die Ruhezeit ist so bemessen, dass die Leiche komplett verwest ist, wenn das Grab aufgelöst wird. Einzelne Knochen könnten dabei trotzdem noch zum Vorschein kommen. Was dann passiert, richtet sich nach dem Friedhofsgesetz des jeweiligen Bundeslands. In der Regel werden die Gebeine tiefer unter dem neu ausgehobenen Grab vergraben oder gesammelt an anderer Stelle des Friedhofs wieder unter die Erde gebracht. Angehörige müssen darüber nicht informiert werden.

Grabkosten variieren stark

Die Friedhofsgebühren müssen in der Regel einmalig für die gesamte Nutzungsdauer bezahlt werden. Sie setzen sich aus den Gebühren für die Beisetzung zusammen – also das Öffnen und Schließen des Grabes – und den Grabnutzungsgebühren. Beide variieren je nach Friedhof und müssen vor Ort erfragt werden. Laut der Gesellschaft für Bestattungen und Vorsorge bestehen hier je nach Stadt teilweise mehrere Tausend Euro Unterschied: 2015 kostete ein Wahlgrab für einen Sarg in Berlin rund 857 Euro, in Dortmund bis zu 3220 Euro. Fremdkosten wie für den Grabstein oder die gärtnerische Pflege sind nicht in den Friedhofsgebühren inbegriffen.