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Laufschuhe für schwere Läufer im Test: Wer macht das Rennen?

Worauf es beim Joggingschuh-Kauf ankommt

Laufschuhe für schwere Läufer im Test: Wer macht das Rennen?

Die Testkandidaten (v.l.n.r.): Hoka Arahi 6, Saucony Munchen 4, Brooks Glycerin 20 GTS
Die Testkandidaten (v.l.n.r.): Hoka Arahi 6, Saucony Munchen 4, Brooks Glycerin 20 GTS
Timo Steinhaus

von Timo Steinhaus

Menschen mit höherem Körpergewicht sollten nicht joggen? Stimmt nicht. Mittlerweile haben viele Hersteller Schuhe für schwere Läufer im Angebot – die Auswahl ist groß, doch das heißt nicht, dass auch jedes Modell passt. Wer die falschen Schuhe trägt, hat keine Freude beim Laufen und riskiert sogar Verletzungen. Wie also anfangen? Wir haben mit einem Experten gesprochen und gleich ein paar Schuhe ausprobiert.

Warum überhaupt laufen?

In der Werbung sieht immer alles so einfach aus: Schlanke Menschen joggen lächelnd durch Wälder oder Parks, während die Sonne im Hintergrund die Szenerie in ein goldenes Licht taucht. In der Realität entspricht dagegen das Körpergewicht von Läuferinnen und Läufern längst nicht immer dem Idealbild vom Zeitschriftencover – und das trifft auch auf mich zu. Die Mutter meiner Frau ist Österreicherin, eine gewisse Affinität zu Mehlspeisen liegt also in der Familie. Da jedes Kilo aber auch meinen Blutdruck steigen lässt, gehe ich zweimal die Woche joggen. Unser Herz-Kreislauf-System mag langsames und gleichmäßiges Ausdauertraining.

Die Vorteile des Laufens:

  • Die Gefäße werden weiter und elastischer
  • Unser Fettstoffwechsel wird angekurbelt
  • Bewegung baut Stress ab
  • Regelmäßiges Ausdauertraining kann zu hohen Blutdruck senken

Klingt gut, oder? Laut meiner Lauf-App habe ich in den vergangenen zwölf Monaten beim Joggen 66.500 Kalorien verbrannt, das sind immerhin 83 Pizza Margherita. Dafür musste ich 662 Kilometer zurücklegen, dementsprechend sehen auch meine Joggingschuhe aus: Die Sohle ist ein wenig abgelaufen, innen drückt es seit Kurzem gegen meinen Knöchel. Es ist also an der Zeit für einen Wechsel. Doch welches Modell nehmen? Ich mache einen Termin beim Laufladen Bunert in Köln. Wer hier arbeitet, ist selbst passionierter Läufer und kennt sich aus mit Laufstilen, Fußtypen und Gewichtsklassen.

Ab wann gilt man als schwerer Läufer?

Unser Autor bei der Analyse im Laufladen Bunert
Bitte mal den Streifen entlangjoggen: Zuerst kommt beim Schuhkauf die Laufanalyse.
Timo Steinhaus

Alexander Bermel ist bei Bunert für die Beratung zuständig und räumt erstmal auf mit dem Vorurteil, dass Menschen mit Übergewicht nicht laufen dürfen. „Schwere Menschen haben ein erhöhtes Risiko für Gelenkverschleiß und der ist durch das Laufen erwiesenermaßen nicht größer – im Gegenteil“, stellt er klar. „Durch das Laufen habe ich die Chance, Gewicht zu verlieren und meine Gesundheit zu verbessern. Laufen ist ein sehr dankbarer Sport, bei dem ich schnell die positive Wirkung merke.“ Wichtig aber: Stark übergewichtige Menschen sollten vorher mit ihrem Arzt abklären, ob ihr Herz-Kreislauf-System die Belastung verträgt.

Die Frage, ab wann Menschen als schwere Läufer gelten, ist dabei gar nicht so leicht zu beantworten. Bei Frauen seien es 70 bis 75 Kilogramm und bei Männern 90 bis 95, sagt Bermel. „Die Zahl sagt aber noch nichts darüber aus, wie die Verfassung und Konstitution von Menschen ist. Ich muss mir immer anschauen: Steht da ein Mensch vor mir, der 1,90 Meter groß ist und 90 Kilogramm wiegt? Oder steht da jemand, der 1,70 Meter groß ist und 90 Kilogramm wiegt? Deswegen sollte sich von den reinen Zahlen niemand abschrecken lassen.“

Schuhkauf: Darauf kommt es an

Alexander Bermel kennt sich aus mit Laufschuhen
Alexander Bermel kennt sich aus mit Laufschuhen.
Timo Steinhaus

Wer sich im Geschäft beraten lässt, finde auch den passenden Schuh, so Bermel. Und der muss einiges leisten: Ein Laufschuh ist ein Sportgerät und federt bei jedem Schritt das Dreieinhalb- bis Vierfache des Körpergewichts ab. Auf diese Punkte kommt es beim Laufschuhkauf an:

  1. Den alten Laufschuh mit ins Geschäft bringen: Er verrät dem Profi schon einiges über den Laufstil.

  2. Kenne deinen Fuß: Wie kommen wir beim Laufen auf? Wie rollen wir ab? Fußfehlstellungen sind mit dem passenden Stabilschuh oft kein Problem mehr. Eine Laufanalyse im Fachgeschäft bringt Klarheit.

  3. Die richtige Größe finden: Unsere übliche Schuhgröße muss nicht unbedingt auch bei Laufschuhen passen. Tendenziell besser eine Nummer größer kaufen, damit die Zehen bei der Landung genug Platz haben, wenn sie etwas nach vorn rutschen.

  4. Dämpfung ist nicht alles: „In einem sehr weichen und sehr gedämpften Schuh verliere ich mich sehr schnell. Das macht mich instabil, wenn ich einen Schuh habe, der sich komplett verformt und unter meinem Körpergewicht nachgibt“, so Bermel. Sein Expertentipp: Einen Kompromiss finden aus einer komfortablen Dämpfung und ausreichender Stabilisierung, denn das Eine schließt das Andere nicht aus.

Ich sehe schon: Wer einfach im Internet auf gut Glück bestellt, macht vielleicht ein Schnäppchen, läuft aber auch Gefahr, bei den unzähligen Modellen und Kategorien am Ende beim falschen Schuh zu landen.

Neutral, Überpronation, Supination: Was bei der Anprobe wichtig ist

Ich mache mich auf die Socken, denn bevor es in die Schuhe geht, wird bei Bunert gecheckt, wie man ohne Schuhe läuft. Bermel filmt, wie ich durch den Laden laufe – so kann auch ich hinterher sehen, wie ich aufkomme und abrolle. Das Ergebnis: Mein Laufstil ist unspektakulärer Durchschnitt. Wie die meisten anderen von Bermels Kunden komme ich mit der Ferse auf, rolle gerade über den Fuß ab, ohne dabei mit dem Sprunggelenk zu sehr nach innen oder außen zu kippen. Für mich kommen deshalb neutrale Laufschuhe infrage. Anders wäre das, wenn mein Fuß nach Bodenkontakt zu sehr nach innen (Überpronation) oder außen (Supination) abknicken würde – dann muss der Schuh besondere Unterstützung liefern, um diese Bewegung auszugleichen. Der Schuh muss komfortabel sitzen und darf an keiner Stelle unangenehm drücken oder scheuern.

Anschließend geht’s zum Fußvermessen auf die Größenschablone. Bermel sucht anhand meines Laufstils mehrere Modelle aus. Schon beim Anprobieren merke ich: Einfach die übliche Schuhgröße nehmen und ab dafür – läuft nicht! Ein Modell ist an der Seite zu eng, ein anderes zu klein, das nächste sortiert Bermel aus, als er mich darin laufen sieht: Es dämpft zu viel. Schließlich finden wir drei passende Kandidaten für meinen Test.

  • Glycerin GTS 20 von Brooks,
  • München 4 von Saucony
  • und Arahi 6 von Hoka.

Joggingschuhe im Test: Bedingungen und Kandidaten

Die Strecke führt über Feldwege, Schotter und Straße
Die Teststrecke führt über Feldwege, Schotter und Straße.
Timo Steinhaus, RTL

Die Bedingungen: Ich laufe mit jedem Paar die gleiche gut zehn Kilometer lange Strecke im Kölner Stadtwald. Den Großteil gemütlich mit einer Zeit von ungefähr 7 Minuten pro Kilometer und einen Teil schneller mit 5:30 Minuten. Klar, ein Marathon mit jedem Schuh wäre sicher besser, aber wer die 42,195 Kilometer schafft, weiß auch, welches Modell er braucht. Der Untergrund besteht aus Asphalt, Schotter und ein bisschen Waldweg – ein guter Mix, bei dem die Schuhe zeigen müssen, wie flexibel sie sind.

Vorher wird gecheckt, was die Hersteller versprechen und für wen die Schuhe geeignet sein sollen. Nach dem Laufen schreibe ich meinen Eindruck auf. Los geht’s!

Brooks Glycerin GTS 20: Das Sofa unter den Laufschuhen?

Laufschuh Brooks Glycerin GTS 20
Brooks Glycerin GTS 20: Das Sofa unter den Laufschuhen?

Geeignet für:

  • Schwere und neutrale Läufer, die nicht oder nur leicht überpronieren.

Merkmale laut Hersteller:

  • Komfort durch weiche und reaktive Zwischensohle aus Schaum für eine sehr gute Dämpfung.
  • Stabilität durch breite Sohle und breite Auflagefläche.
  • „Guiderail“-Technologie: Funktioniert wie eine Leitplanke und stabilisiert den Fuß nur dann, wenn er unsauber landet und Stabilität auch braucht.

Was bringt das?

  • Komfort und Stabilität auf festem Untergrund auch auf langen Strecken.
  • Sauberes und neutrales Abrollen.

Kosten (UVP): 180 Euro
Gewicht laut Küchenwaage: 356 Gramm

Brooks wirbt für seinen neuen Glycerin mit nichts anderem als dem „besten Support der Branche für überragenden Komfort“. Für den stolzen Preis von 180 Euro ist das allerdings auch nicht zu viel verlangt. Äußerlich unterscheidet sich der Glycerin kaum von anderen Laufschuhen, doch schon beim Reinschlüpfen zeigt sich: Dieser Schuh ist wirklich komfortabel. Das Air-Mesh-Obermaterial passt sich geschmeidig an meinen Fuß an und die Sohle wirkt trotz stützender Guide Rails erstaunlich bequem für einen Stabilschuh.

Im Vergleich zum Hoka Arahi merke ich beim Glycerin während des Joggens kaum etwas von den stabilisierenden Elementen. Klar, ich bin kein Profi und bei meinem Laufstil ist sicher noch Luft nach oben, doch bei meinem neutralen Abrollverhalten scheint die Guiderail-Technologie tatsächlich nicht besonders viel zu tun zu haben. Anders sieht das wahrscheinlich aus, wenn die Füße nach einem langen Lauf müde sind. Durch das weiche Tragegefühl ist der Glycerin tatsächlich das Sofa unter den Stabilschuhen – butterweich gedämpft mit einem komfortablen Tragegefühl, aber auch dem höchsten Gewicht im Test. Das macht ihn zum optimalen Begleiter für lange Erholungsläufe auf hartem Untergrund in gemütlichem Tempo.

Fazit: Wer in den Laufsport einsteigen oder nach einer Verletzung wieder mit dem Training beginnen möchte, dürfte mit dem Glycerin 20 GTS ein geeignetes Modell finden, um die Kilometerzahl sukzessive zu steigern. Für schnellere Runden ist der Schuh dagegen auf Dauer zu soft – doch das ist auch nicht der Anspruch dieses Dämpfungs-Monsters.

Hoka Arahi 6: Laufen wie auf Schienen?

hoka-Laufschuh
Hoka Arahi 6: perfekte Balance aus Weichheit und Support.

Geeignet für:

  • Schwere und neutrale Läufer, die nicht oder nur leicht überpronieren.

Merkmale laut Hersteller:

  • Stabilität durch Zwischensohlenstütze und Rahmen, in dem der Fuß wie in einer Schale eingebettet wird.
  • Stabilität durch breite Sohle und breite Auflagefläche.
  • Zwischensohle aus leichtem und reaktivem Schaum.

Was bringt das?

  • „Rundes“ und sehr dynamisches Laufgefühl.
  • Kombination aus Dynamik und Stabilität auch für lange Strecken.
  • Verbessertes Abrollen und Entlastung der Ferse durch Hoka-typische runde Sohlenform.


Kosten (UVP): 140 Euro
Gewicht laut Küchenwaage: 313 Gramm

„Der sieht ja langweilig aus“, sagt meine Frau, als ich den Hoka aus dem Karton nehme. Ich dagegen empfinde das schwarze Design als angenehm unaufgeregte Abwechslung zu manch anderem Modell, das jede Neonreklame vor Neid erblassen lässt. Zumal Schönheit ohnehin im Auge des Betrachters liegt und es ja bekanntlich vor allem auf die inneren Werte ankommt. Also rein in den Schuh. Der Hoka Arahi fällt durch seine Rahmenkonstruktion relativ eng aus, weshalb ich froh bin, dass es auch eine breitere Variante gibt, mit der ich meinen Testlauf absolviere.

Zunge und Obermaterial fühlen sich bequem und weich an. Werden die Schuhe bis durch das letzte Loch geschnürt, könnte die Zunge allerdings etwas knapp sein. Unterm Fuß kommt der Hoka als Stabilitätsschuh mit einer etwas festeren, aber noch immer komfortablen Dämpfung daher – Schotter und mittelgroße Steine puffert die Sohle problemlos weg. Tatsächlich fühlt es sich an, als wäre mein Fuß in eine Schale eingebettet. Der Hoka schmiegt sich um meinen Fuß und vermittelt mir auf angenehme Weise das Gefühl, auf Schienen zu laufen. So soll ein Abknicken zur Seite verhindert werden. Besonders bergab macht sich diese zusätzliche Stabilität angenehm bemerkbar, ohne dass mein Abrollverhalten eingeschränkt wird.

Fazit: Wer als Laufanfänger auf der Suche nach einer gewissen Stabilität ist und dazu neigt, einzuknicken, trifft mit dem Hoka Arahi 6 eine gute Wahl. Neutralläufer dürften vor allem bei längeren Strecken vom zusätzlichen Support profitieren.

Saucony München 4: Das Energiewunder?

Laufschuh Saucony Muenchen 4
Saucony Muenchen 4: Das Energiewunder?

Geeignet für:

  • Schwere und neutrale Läufer, die nicht oder nur leicht überpronieren.

Merkmale laut Hersteller:

  • Feste aufgeschäumter Zwischensohle, insbesondere unter dem Fußgewölbe.
  • Struktur und Festigkeit durch Obermaterial und Verstärkung der Zehenbox.
  • Energierückgewinnung durch Schaum in der Zwischensohle.
  • Etwas schmalere Passform und moderate Dämpfung.

Was bringt das:

  • Müheloses Laufgefühl.
  • Viel Stabilität auf festem Untergrund auch für lange Strecken.

Kosten (UVP): 150 Euro
Gewicht laut Küchenwaage: 290 Gramm

Saucony beschreibt den München 4 als „optimalen Partner für Fersenläufer“ – gepolstert und butterweich beim Laufen. Klingt nach einem passenden Schuh für mich. Das Erscheinungsbild unterscheidet sich nicht von den Laufschuhen anderer Marken, auf der Küchenwaage zumindest zeigt sich der München 4 mit 290 Gramm als leichtester der Testkandidaten – da können sich andere Hersteller durchaus eine Scheibe abschneiden.

Das Mesh-Obermaterial ist bequem und passt sich dem Fuß gut an. Der Schuh fällt normal aus und mein Fuß fühlt sich sofort wohl darin. Im Vergleich zum Modell von Brooks fühlt sich der Saucony beim Laufen fester an. Ich habe das Gefühl, durch die moderatere Dämpfung vor allem mit dem vorderen Teil des Fußes näher am Boden zu stehen. Gleichzeitig vermittelt mir der Schuh auch ohne künstliche Stützen ein stabiles Laufgefühl und den nötigen Komfort. Die Belastung beim Aufkommen steckt der Saucony mühelos weg und auch der Abrollprozess gestaltet sich dynamisch. Ich muss mich zügeln, nicht schneller zu laufen als mit den anderen beiden Kandidaten, denn tatsächlich habe ich im München 4 das Gefühl, mehr Energie als üblich zur Verfügung zu haben. Zufall?

Fazit: Neutrale Läufer, die auf der Suche nach einem Allrounder sind, bekommen mit dem München 4 den vielseitigsten Schuh im Test, der bei weiter fortgeschrittenem Training auch schnellere Einheiten problemlos mitmacht. Wer dagegen den Fokus auf maximale Dämpfung oder Stabilität legt, greift zu einem der anderen beiden Kandidaten.

Fazit: Laufen kann jeder - doch auf die Beratung kommt es an

Im Test zeigt sich, dass für jeden Laufstil und für jede Gewichtsklasse der passende Schuh dabei ist. Unsere Anatomie macht uns zwar gewisse Vorgaben, doch die Auswahl ist mittlerweile so groß, dass jeder auf seine Kosten kommt. Apropos Kosten: Klar, der Preis für die Schuhe der Markenhersteller fällt durchaus üppig aus. Doch wenn man bedenkt, dass die Schuhe vor Verletzungen schützen und in der Regel 800 bis 900 Kilometer halten, relativiert sich das ein wenig. Wer hier sparen will, kann auch zu Vorgängermodellen greifen, die oft reduziert sind.

Wichtig aber: Die Hersteller passen ihre Schuhe in jeder Generation an und es kann durchaus sein, dass wesentliche Elemente verändert werden und das Lieblingsmodell auf einmal mit einer ganz anderen Ausrichtung daherkommt. Mittlerweile bieten auch diverse Hersteller in ihren Onlineshops ein gewisses Zeitfenster für einen Probelauf an – gefallen die Schuhe nicht, kann man sie zurückschicken und bekommt den Preis erstattet. Anfänger sind im wahrsten Sinne aber am besten beraten, wenn sie für eine Laufanalyse und eine Anprobe ins Fachgeschäft kommen.

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