Trennung im nächsten Sommer?

Kingsley Coman: Der FC Bayern und das Dilemma mit seinem Champions-League-Helden

Was macht Kingsley Coman? Bleibt er beim FC Bayern oder geht er nach der Saison?
Was macht Kingsley Coman? Bleibt er beim FC Bayern oder geht er nach der Saison?
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26. Oktober 2021 - 19:47 Uhr

Wird die üppige Top-Qualität zum Problem?

Wenn es eine Position beim FC Bayern gibt, die vor den Top-Qualität nur so überquillt, dann ist es die Position der Flügelspieler. Drei deutsche Fußball-Nationalspieler duellieren sich dort mit einem Franzosen. Der wäre gerne Stammspieler. Ist es aber gerade nicht. Hat das Folgen?

Der Coman, den mögen sie in München schon...

Ingolstadts Sportdirektor Thomas Linke. Foto: Thomas Eisenhuth/Archiv
So sieht Thomas Linke aus.
© DPA

Thomas Linke ist ein Held des FC Bayern. Da wäre man jetzt ohne einen Moment des Überlegens vermutlich nicht sofort gekommen. Aber der Manndecker (so sagte man früher ja mal) steht in der Tradition von "Katsche" Schwarzenbeck, von Uli Hoeneß, Gerd Müller und "Bulle" Roth. Denn auch Thomas Linke ist dafür verantwortlich, dass der Verein aus München schon sechs Mal den Europapokal der Landesmeister gewann. Die jüngeren Generationen nennen diesen Wettbewerb Champions League. Denn neben den Landesmeistern tummeln sich da ja mittlerweile auch Landesmeister-Zweite, Landesmeister-Dritte und manchmal sogar Landesmeister-Vierte.

Aber zurück zu Thomas Linke. Der hatte am 23. Mai 2001 im legendären Giuseppe-Meazza-Stadion von Mailand den entscheidenden Elfmeter gegen den FC Valencia verwandelt. Zwar brauchte es auch noch eine Parade von Oliver Kahn hernach, um den Henkelpott in die Höhe zu recken, aber daran, dass Thomas Linke als Letzter aus München geschossen und getroffen hatte, änderte das wenig. Was ein bisschen schade für ihn ist: Die Rolle als Held war vergänglich. Anders als "Katsche", Uli, Gerd und "Bulle" ist der Mann aus dem thüringischen Sömmerda, wo er beim BSV Robotron das Kicken lernte, keine Klubikone geworden. Und womöglich hat er da ein Alleinstellungsmerkmal für sich gefunden. Denn Arjen Robben, der 2013 den fünften Pott klargemacht hatte, ist zweifelsohne eine Legende. Und Kingsley Coman, der entscheidende Mann 2020? Was ist mit ihm? Gute Frage.

In München finden sie, dass sie mit dem Franzosen einen verdammt guten Spieler im Kader haben. In München finden sie sogar, dass er ein herausragender Fußballer ist. Und mit 25 Jahren ist Coman auch noch recht jung. Da könnte noch eine ganze Menge Gutes passieren. Wenn er denn bleibt. Und diese Frage wird an der Säbener Straße recht eifrig diskutiert in diesen Wochen. Denn die Lage ist so: Der Franzose steht noch bis zum Sommer 2023 unter Vertrag. Man möchte gerne verlängern. Das gilt durchaus für beide Seiten. Aber wie so oft liegen die Vorstellungen etwas weiter auseinander, als es gut und einfach wäre. Der "Kicker" berichtete zuletzt davon, dass die Lage vertrackt sei. Dabei gehe es aber nicht ums Geld, sondern auch um die Rolle im Team.

Der Körper ist sein größter Gegner

Franck Ribery (FC Bayern Muenchen 7) Arjen Robben (FC Bayern Muenchen 10) auf der Bank, FC Bayern Muenchen vs. Borussia Moenchengladbach, 1.Bundesliga, Fussball, 14.04.2018, Muenchen *** Franck Ribery FC Bayern Muenchen 7 Arjen Robben Bayern Munich 1
Legende beim FC Bayern. Franck Ribéry (l.) und Arjen Robben (r.).
© imago/Eibner, Langer/Eibner-Pressefoto, imago sportfotodienst

Sollte in den Gesprächen keine Einigkeit erzielt werden, dann droht bereits im kommenden Sommer die Trennung. Denn noch einmal möchte der FC Bayern einen Star nicht ablösefrei ziehen lassen. Ende Juni dieses Jahres war genau das geschehen, als David Alaba den Verein unter Tränen zu Real Madrid verließ. Dem deutschen Rekordmeister geht es finanziell vermutlich besser als so manch anderem europäischen Riesen, FC Barcelona wäre ein Stichwort, aber zu verschenken haben sie an der Säbener Straße auch nichts. Erst recht keinen Mann, der seit Jahren an die Tür zur Weltklasse klopft, dem aber niemand so recht öffnen mag. Das liegt vermutlich weniger an Coman selbst als an seinem Körper, denn der ist immer wieder malade. Gerade erst musste er am Herzen operiert werden.

Seine Rückkehr nach dem Eingriff in der vergangenen Woche aber verlief spektakulär. Bei zwei Joker-Einsätzen gegen Benfica Lissabon und die TSG Hoffenheim deutete er bereits wieder ein, warum sie sich in München einst in seine Fähigkeiten verliebt haben. So schnell, so trickreich ist er. Wenn er eine Schwäche hat, dann seine Effektivität. Und das nicht nur im Spiel nach vorne, sondern auch beim Haushalten mit den eigenen Kraftreserven. Sich dort zu verbessern, dabei würde Trainer Julian Nagelsmann dem Spieler gerne helfen: "In meinen Augen ist er einer der Top-Flügelspieler der Welt, wenn er fit ist. In den letzten Jahren hat er in manchen Situationen zu viel Kraft benutzt, obwohl er so eine gute Technik hat."

Allerdings weiß auch Nagelsmann um die Situation, in der sich Coman befindet. Einst war er der Kronprinz hinter dem Legenden-Duo Robben und Franck Ribéry. Und noch droht ihm erneut diese Rolle. Denn die Situation auf den Flügeln hat sich zugespitzt. Mit Serge Gnabry, Leroy Sané und Jamal Musiala haben gleich drei Duellanten derzeit eine herausragende Form. Und je nach Formation könnte sich in den Kampf um die Plätze auch Linksverteidiger Alphonso Davies noch einmischen, der ja eigentlich ein Offensivspieler ist. Aber Coman hat offenbar wenig Interesse, sich (a) einzureihen und (b) allzu viel Spielzeit zu teilen. Der Franzose möchte gerne zu den "Erwachsenen" gehören, hatte er zuletzt gesagt. Bedeutet: Er möchte eine Führungsaufgabe haben. Auf dem Platz und im Gehaltsgefüge.

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Über den Nachfolger wird schon gesprochen

"Ich habe schon oft betont, dass King ein herausragender Mensch ist, mit dem ich sehr gerne arbeite. Ich würde gerne noch viele Jahre mit ihm arbeiten", schwärmt Nagelsmann. Aber er schränkte auch klar ein: "Wir sind auf den Flügeln sehr gut aufgestellt. Alle Spieler haben da eine außergewöhnliche Form. Da geht es nur mit viel Mut, alle spielen zu lassen, oder mit einer Belastungssteuerung. Da ist auch nicht immer jeder einverstanden. Das kann ich verstehen." Unzufriedenheit über seine Rolle hatte der Franzose bereits Ende der vergangenen Saison geäußert. Damals war Hansi Flick noch der Trainer.

Coman selbst hatte seine Zukunft beim FC Bayern zuletzt offen gelassen. "Ich habe das Glück, noch jung zu sein, daher kann ich beides machen. Ich kann hier noch weitere Jahre bleiben und danach schauen, wie es woanders ist", sagte er gegenüber Eurosport. Über einen Nachfolger wird in München bereits diskutiert: Mit Salzburgs Top-Talent und Jung-Nationalspieler Karim Adeyemi soll es bereits Gespräche geben. Allerdings könnte der 19-Jährige auch hinter Robert Lewandowski als Mann im Sturmzentrum aufgebaut werden.

Thomas Linke übrigens fand auch sechs Jahre nach seinem historischen Tor in Mailand, dass in München gut ist. Für zwei Saisons hatte er den Klub in Richtung Salzburg verlassen, dann kehrte er zum FC Bayern zurück. In die 2. Mannschaft, für seine letzte Saison als Profi. (tno)