"Kameltreiber"-Entgleisung

Algerischer Radfahrer Lagab: Bei mir hat sich keiner entschuldigt

29. Juli 2021 - 13:52 Uhr

Kein Anruf bei Lagab

Für den deutschen Radsportdirektor Patrick Moster war Azzedine Lagab beim olympischen Zeitfahren in Tokio nur ein "Kameltreiber", den sich sein Schützling Nikias Arndt "holen" sollte. Team Deutschland reagierte einen Tag nach dem Skandal, schickte Moster nach Hause. Einfach mal bei dem Algerier anrufen und sich entschuldigen – auf diese Idee kam allerdings keiner.

Twitter-Konter: "Es gibt bei den Olympischen Spielen kein Kamelrennen"

"Das offizielle Statement habe ich gesehen", sagte Lagab dem Spiegel: "Es haben sich auch einige Fahrer von dem Verhalten distanziert. Aber eine persönliche Nachricht und Entschuldigung habe ich bisher weder von Moster noch vom deutschen Team erhalten."

Moster hatte während des Zeitfahrens der Männer am Mittwoch den deutschen Fahrer Nikias Arndt mit den Worten "hol die Kameltreiber, hol die Kameltreiber, komm" angefeuert. Vor Arndt waren der Eritreer Amanuel Ghebreigzabhier und Lagab im Kampf gegen die Uhr auf die Strecke gegangen.

Azzedine Lagab
Der Algerier Azzedine Lagab hat auf die rassistische Entgleisung des deutschen Rad-Sportdirektors Patrick Moster reagiert
© deutsche presse agentur

Lagab sagte dem Spiegel, er habe zunächst gar nichts von dem Zwischenfall mitbekommen. "Ich habe es während des Rennens nicht gehört", erklärte der 34-Jährige: Später sei er in den sozialen Netzwerken verlinkt worden, "dann habe ich gesehen, was überhaupt passiert ist. Ich war da bereits am Flughafen, um abzureisen."

Er habe dann "wie ich finde, einen lustigen Tweet geschrieben", schilderte Lagab seine erste Reaktion auf das skandalöse Verhalten von Moster. "Es gibt bei den Olympischen Spielen kein Kamelrennen. Deshalb habe ich mich für den Radsport entschieden. Zumindest war ich in Tokio dabei", twitterte er.

Moster war erst am Donnerstag von der deutschen Teamführung nach Hause geschickt worden. Kritik, die Entscheidung sei zu spät getroffen worden, nahm DOSB-Präsident Alfons Hörmann zur Kenntnis. "Ich denke, die Entscheidung am heutigen Tag ist genauso klar, wichtig und richtig, wie sie es gestern Abend gewesen wäre", sagte er. (sid/mar)

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