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Ein Foto der Schlüssel per WhatsApp verschickt

Nach großem Fehler: Gefängnis-Praktikant muss 50.000 Euro zahlen

Symbolfoto: Eine Zwischentür im Zellentrakt  wird abgeschlossen.
Symbolfoto: Eine Zwischentür im Zellentrakt wird abgeschlossen.
© picture alliance / dpa, Roland Weihrauch

05. März 2021 - 18:20 Uhr

Schlüssel haben im Gefängnis oberste Priorität

Er hatte erst ein paar Tage seines Verwaltungspraktikums in der Justizvollzugsanstalt Heidering (Brandenburg) hinter sich, da wurde ein Praktikant schon wieder entlassen. Der Grund war ein fataler Fehler. Er hatte die Durchgangs- und Haftraumschlüssel fotografiert und per WhatsApp an einen Freund geschickt. Für die JVA eine extreme Sicherheitslücke, wie Berlins Justizsprecher Sebastian Brux gegenüber RTL bestätigt. "Mit dem Schlüssel geht jede Tür auf", verrät er. Genau deswegen wechselte die Anstalt 600 Schlüssel aus – und das kostet! "Pi mal Daumen 50.000 Euro", schätzt Brux. Und die darf der Praktikant nun selbst bezahlen.

Vermutlich keine böse Absicht des Praktikanten

Es ist der 25. Februar 2021, 13 Uhr, als das Leben des Gefängnis-Praktikanten ganz schön auf den Kopf gestellt wird. Denn zu diesem Zeitpunkt erfährt sein Arbeitgeber von dem kleinen Fehler, der aber große Konsequenzen haben könnte: Das Foto des Schlüssels, was er einem Freund per WhatsApp schickt, wird weiterverschickt. Die JVA-Leitung bekommt Wind von der Sache. "Vermutlich wollte er Freunden ein Foto schicken und sagen: Guck mal, ich bin auf der Arbeit", erklärt sich Brux die Situation. "Das hat er sicher nicht in böser Absicht getan", glaubt er.

Häftlinge könnten Schlüssel nachmachen lassen

Doch das Foto stellt ein Sicherheitsrisiko da. Inhaftierte könnten es nutzen, um die Schlüssel nachmachen zu lassen und um sich dann frei auf dem Gelände zu bewegen. Denn mit dem Schlüssel geht jede Tür auf. "Sie kommen mit dem Schlüssel aber nicht raus", erklärt der Justizsprecher. An der Schleuse wäre selbst mit Schlüssel Schluss, denn da muss ein Pförtner immer noch einen Knopf drücken, bevor Häftlinge in die Freiheit gelangen. Trotzdem hat der Praktikant eine Sicherheitslücke erschaffen, für die er nun gerade stehen muss.

Blick aus einer Zelle im Gefängnis Heidering
Der Blick aus einer Zelle des Gefängnisses Heidering bei Berlin. Foto: Marc Tirl/dpa/Archivbild
© deutsche presse agentur

Sofort nach Bekanntwerden des Foto-Fehlers hat die JVA ihr Schließsystem umgestellt. Nicht alle Schlösser müssen ausgetauscht werden, dafür muss aber jede Tür umgestellt werden. Bei einer Anstalt mit derzeit 583 Inhaftierten keine schnelle Angelegenheit. Insgesamt 20 Bedienstete waren bis in die Nacht damit beschäftigt. Direkt am nächsten Tag haben dann alle Angestellten ihren neuen Schlüssel bekommen. Seitdem ist die Sicherheit wieder hergestellt.

Jeder unterschreibt eine Erklärung

Was nur ein Foto alles auslösen kann, hätte der Praktikant eigentlich wissen müssen. Denn jeder, der in der Justizvollzugsanstalt anfängt, unterschreibt zu Beginn eine Erklärung, sich mit den Sicherheitsvorkehrungen vertraut gemacht zu haben. "Punkt eins ist der Schlüssel", erzählt Sebastian Brux RTL-Reporterin Cathleen Bergholz am Telefon.

Die Schlüssel haben im Gefängnis oberste Priorität.
Die Schlüssel haben im Gefängnis oberste Priorität.
© dpa, Uwe Anspach

Wer das Formular unterschreibt, erklärt sich damit einverstanden, die Schlüssel nicht aus der Hand zu geben, die Schlüssel ebenfalls nicht außerhalb der Anstalt zu bringen und die Schlüssel stets sicher aufzubewahren. "Dazu gibt es auch eine mündliche Belehrung", so Brux. Diese beinhaltet, dass die Schlüssel weder fotografiert, noch abgemalt werden dürfen. Nur die Pressestelle der JVA oder befugte Journalisten dürfen Fotos machen. Für einen kurzen Moment hatte der Praktikant das wohl vergessen.

Neue Gefängnis-Praktikanten jederzeit willkommen

"Das ist das erste Mal, dass so etwas passiert ist", erzählt Brux. Und in einem ist er sich sicher: Kein Praktikant in ganz Deutschland wird nach dieser Aktion im Gefängnis noch einmal einen Schlüssel fotografieren und per WhatsApp versenden. Er und seine Kollegen freuen sich auch weiterhin über neue Praktikanten.

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