"Alles, was ich dachte, war: Was für ein komischer Kerl..."

Ex-Top-Schiri rechnet mit Jürgen Klopp ab

Schiedsrichter Mark Clattenburg und Jürgen Klopp verstanden sich nicht immer gut.
Schiedsrichter Mark Clattenburg und Jürgen Klopp verstanden sich nicht immer gut.
© Imago Sportfotodienst

19. September 2021 - 10:35 Uhr

Ziemlich beste Feinde

Da hatte jemand offenbar noch eine Rechnung offen! In seiner Biografie hat der ehemalige englische Top-Schiedsrichter Mark Clattenburg mächtig gegen Jürgen Klopp ausgeteilt. Der Referee bezeichnet "Kloppo" zwar als "großartigen Trainer", vor allem aber auch als "schlechter Verlierer" und "komischer Kerl".

Merke: Bloß kein Foto mit Klopps Gegnern machen

Mark Clattenburg war einer der besten in seinem Job. Bei großen internationalen Turnieren, in der Champions League und in der englischen Premier League war er einer der am meisten geschätztesten Schiedsrichter. Seine Karriere hat der 46-Jährige, der in seinen letzten Jahren in Asien pfiff (wie bei den aktiven Fußballern des Geldes wegen), mittlerweile beendet und er ist unter die Autoren gegangen. Kürzlich erschien seine Biografie "Whistle Blower" – und in einem Kapitel nimmt er sich Jürgen Klopp vor die Brust.

Eines der ersten Aufeinandertreffen mit "Kloppo" ist bei Clattenburg offenbar nie in Vergessenheit geraten. Und schon da wurde klar, dass die beiden wohl nie Freunde werden würden. Im April 2014 verlor Klopp als BVB-Trainer bei Real Madrid mit 0:3 in der Champions League – Clattenburg war der Schiedsrichter. "Nach dem Spiel kam ich aus meiner Umkleidekabine, als mich Real-Verteidiger Marcelo und seine Frau um ein gemeinsames Foto baten", schreibt der Referee in seiner Biografie. "Es war ein privates Foto mit ihrem Handy, also sagte ich 'Klar, kein Problem'. In diesem Augenblick ging Klopp vorbei. Er sagte: 'Oh, darum sind wir also geschlagen worden, richtig?' Es war weder lustig noch freundlich gemeint, er war sarkastisch. Ich sagte: 'Ihr hattet Glück, dass ihr nur 0:3 verloren habt'. Es nervte mich, wenn Trainer in Niederlagen nicht gnädig sein konnten."

Kein schöner Abschied zwischen Klopp und Clattenburg

Wegen solcher Vorkommnisse bezeichnet Clattenburg den deutschen Coach als "schlechter Verlierer", erkennt jedoch die Klasse des Mannes an, der den FC Liverpool nach Jahrzehnten wieder zur englischen Meisterschaft geführt hat und mit den "Reds" 2019 auch die Champions League gewann. Entsprechend fällt das Urteil von Clattenburg aus, Klopp sei ein "großartiger Trainer".

Nur eben das Menschliche passt offenbar zwischen den beiden nicht. Ein weiterer Beleg ist eine gemeinsame Story von Clattenburgs Abschied in der Premier League. "Mein letztes Spiel mit Klopp war im Januar 2017 an der Anfield Road gegen Chelsea. Es kommt nicht oft vor, dass Trainer eine Stunde vor dem Anpfiff in meine Kabine kommen, um die Spielberichte auszutauschen. Aber dieses Mal kam Klopp rein, gemeinsam mit Jordan Henderson". erzählt der Ex-Schiri. "Es war bizarr, er stand einfach nur da und starrte mich für etwa 30 Sekunden an. Ich habe nur zurückgestarrt. Ich konnte sehen, dass Jordan so was dachte wie ' Was zur Hölle passiert hier gerade?'. Hielt Klopp mich für dumm? Ich ließ mich von ihm doch nicht einschüchtern. Er ging dann wieder, und alles, was ich dachte, war: Was für ein komischer Kerl..." (sho)