Jagd-Safaris bieten Pauschalangebote für Familien an

Kinder ab vier Jahren dürfen Wildtiere abschießen

„Gerhard wurde zum echten Jäger und schoss heute mit vier Jahren seinen ersten Kudu!“, steht unter dem Foto, das nach der Jagd aufgenommen wurde.
© cheetahsafarissa/ Instagram

02. März 2020 - 17:47 Uhr

Ein boomendes Geschäft in Afrika

In Afrika nennen sie es "familienfreundliche" Jagdtouren. Das Geschäft boomt. Und als wäre das Abschießen von Wildtieren nicht schon schrecklich genug, bieten Jagd-Safaris auch noch Pauschalangebote an, damit Kinder ab vier Jahren für weniger Geld exotische afrikanische Wildtiere abschießen können. Die sogenannten Trophäenjagdpaketen "U10s go free" der Safari-Bosse sorgen jetzt für jede Menge negative Schlagzeilen.

Kinder können ihre Trophäen dann an ihren Wänden aufhängen

Es sind heftige Fotos, die man nicht wahrhaben will. Kinder posieren neben abgeschossenen Wildtieren für ein Foto. "Daily Star Online fand heraus, dass Dutzende Familien das Angebot nutzen und ihre Kinder Wildtiere töten lassen. Nachdem die Tiere tot sind, bringen Reiseveranstalter kostenlose Präparatoren an, damit die majestätischen Tiere an den Wänden des Kinderzimmers montiert werden können. Außerdem filmen Kameraleute die erste Tötung eines Wildtieres in HD – alles im Angebot inbegriffen.

Jäger bräuchten jeden Tag mehr Kinder auf dem Feld

Der Gründer der Jagdfirma Pieter Bothma bietet ein Kombinationsangebot an, bei dem ein Elefant, ein Löwe, ein weißer Löwe und ein Kapbüffel zu einem reduzierten Preis geschossen werden können.

Auf Fotos, die auf Instagram hochgeladen wurden, hatte ein Kind eine gespaltene Augenbraue vom Rückstoß des Gewehrs.
Auf Fotos, die auf Instagram hochgeladen wurden, hatte ein Kind eine gespaltene Augenbraue vom Rückstoß des Gewehrs.
© cheetahsafarissa/ Instagram

Der südafrikanische Jäger Carl van Zyl will Minderjährigen anlocken, die mithilfe seiner Firma X Safaris Großwild töten wollen. Auf der Website heißt es: "Tatsächlich sind wir so leidenschaftlich, dass wir es uns zur Aufgabe gemacht haben, Ihre Investition in die Jagd, letztendlich unsere Jagdzukunft, mit den Kosten für Ihre Reise nach Afrika abzustimmen." Als Jäger bräuchten sie jeden Tag mehr Kinder auf dem Feld. "Nehmen Sie sie mit auf eine Safari nach Afrika und helfen Sie uns, die nächste Generation von Jägern zu inspirieren. "

"Ich mochte es, dass ich auf so viele Tiere schießen konnte und ich bin erst neun"

Ein neunjähriges Mädchen posiert neben einem toten Zebra.
Ein neunjähriges Mädchen posiert neben einem toten Zebra.
© johnxsafaris/ Instagram

Im vergangenen Jahr bezahlte der texanische Chirurg Toby Risko eine Produktionsfirma, damit sie seine Zwillinge filmt, die eine Gazelle und ein Zebra abschossen. In einem Moment des 45-minütigen Films tötet die Tochter ein Zebra mit einem auf einem Stativ montierten Scharfschützengewehr. Die Zwillinge wurden für das jährliche Magazin von John X Safaris interviewt. "Mein Lieblingsteil war das Schießen meines Zebrahengstes, weil er so hübsch und groß ist", sagte das Mädchen. Ihr Zwillingsbruder fügte hinzu: "Ich mochte es, dass ich auf so viele Tiere schießen konnte und ich bin erst neun.

Eine weitere Firma, Golden Safaris, hat ein Zehn-Tage-Paket für Väter und ihre Söhne angeboten. Auf seiner Website heißt es: "Das Jagdpaket für Vater und Sohn ist bestrebt, Vätern, die mit ihren Söhnen ein afrikanisches Jagderlebnis genießen möchten, ein kostengünstiges und angenehmes Safari-Erlebnis zu bieten."

Mit der Wildtierjagd züchte man nur eine Generation von Mördern

Der Komiker und Tierschützer Ricky Gervais verurteilte die Praxis. "Es gibt Studien, die einen Zusammenhang zwischen der Wirkung von Gewalt auf Tiere und der Auswirkung auf die Kinder zeigt", sagte er dem Daily Star Online, "Serienmörder beginnen mit Tieren. Warum sollte ein Elternteil diese sinnlosen Risiken mit dem psychischen Wohlbefinden seiner Kinder eingehen?" Kinder würden alles tun, um Anerkennung und Respekt von ihren Vorbildern zu bekommen. Dazu gehöre auch, ein schönes wildes Tier zum Spaß zu töten.

Kinder posieren nach der Jagd neben den abgeschossenen Wildtieren.
Kinder posieren nach der Jagd neben den abgeschossenen Wildtieren.
© 1shotsafarissa/instagram

Eduardo Goncalves, Gründer der Kampagne zum Verbot der Trophäenjagd, sagte gegenüber Daily Star Online: "Immer mehr Betreiber von Trophäenjagden bringen Kinder dazu, Tiere zu erschießen und und mit den getöteten Tieren zu posieren." Goncalves bezeichnet es als kranke und unmoralische Branche. "Die Trophäenjagd wurde mit einer Vielzahl anderer Gewaltverbrechen in Verbindung gebracht, einschließlich häuslicher Gewalt", sagte der Tierschützer. Mit der Wildtierjagd züchte man nur eine neue Generation von Mördern und Schlägern.