Arbeiten auf dem Campingplatz

IT-Unternehmer kauft Mitarbeitern eigenes Wohnmobil

Markus Heeger sitzt vor seinem neuen Arbeitsplatz: Ein Wohnmobil. 3 Tage darf er es zur Abwechslung nutzen.
Markus Heeger sitzt vor seinem neuen Arbeitsplatz: Ein Wohnmobil. 3 Tage darf er es zur Abwechslung nutzen.
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13. Oktober 2021 - 9:17 Uhr

Sonniger Schreibtisch

Ausgeschlafen und ab an die frische Luft. Für Markus Heeger braucht es an diesem sonnigen Spätsommertag nur zwei Stufen raus aus dem Wohnmobil, um seinen Laptop aufzuklappen und entspannt in den Arbeitstag zu starten. "Also ich bin grundsätzlich kein Camper. Ich fand es aber spannend als Situation als Solches. Man kommt einfach mal raus aus dem Büroalltag und auch raus von Zuhause. Wir haben jetzt lange genug im Homeoffice gearbeitet", erzählt der IT-Projektleiter über das neue Projekt seiner Firma.

Fachkräfte locken

Arbeit unter freiem Himmel
Chef Dieter Klages stattet Markus Heeger einen Besuch ab und möchte wissen, wie es so bei der Arbeit unter freiem Himmel läuft.
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Das Wohnmobil vor dem Markus Heeger sitzt, hat sein Chef spendiert – Kostenpunkt: 60.000 Euro. Dieter Klages, selbst leidenschaftlicher Camper, will nicht nur seinen Mitarbeitern einen Gefallen tun, sondern mit dem Wohnmobil vor allem auch neue Kollegen locken. Weil in der IT-Branche Fachkräftemangel herrscht, möchte er neue Anreize schaffen. Qualifiziertes Personal für seine Krankenhaus- und Pflegeeinrichtungssoftwarefirma zu finden sei schwer, erzählt er. "Die Schmackhaftigkeit war dann die, dass ich gedacht habe, vielleicht will man mal draußen sein, gerade in der Corona-Krise will man im Grünen sein und sich erholen, will aber auch vielleicht ein bisschen Lebenssinn haben", führt er weiter aus.

Work-Camping liegt im Trend

Mit seiner Idee knüpft Dieter Klages an einen Trend an, der sich auf deutschen Camping-Plätzen in der Corona-Zeit immer weiter durchzusetzen scheint. "Man bekommt das in den letzten Jahren immer mehr mit, dass natürlich auch immer mehr Menschen Arbeit und Vergnügen verbinden und dann auch immer mehr Camping nutzen oder den Hintergrund nutzen, um dann auch auf dem Campingplatz zu arbeiten", schildert Julia Staarmann vom Landesverband Campingwirtschaft. Hier auf dem Campingplatz am Alfsee gäbe es zum Beispiel viele Familien, bei denen mindestens ein Elternteil nebenher arbeitet.

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Im Büro freut man sich schon

Thomas Mildschlag im Büro
Thomas Mildschlag sitzt im schattigen Büro. Bald darf er vielleicht auch mal ins Wohnmobil und auf den Campingplatz.
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Während Markus Heeger in den Wohnwagen wechselt, weil die Sonne draußen mittlerweile sehr heiß wird, sitzen seine Kollegen im schattigen Büro in Bissendorf. Neidisch ist man hier auf den Projektleiter auf keinen Fall, schließlich sind bald ja die nächsten dran. "Wir haben einige Positionen, wo man gut mal rausfahren kann, um die Zeit zu nutzen, um sich vielleicht neue Ideen auszudenken und Konzepte zu erstellen, wo man einfach Zeit für sich braucht, nicht im Team arbeiten muss", zählt Thomas Mildschlag die Vorteile auf.

Hohes Vertrauen in die Mitarbeiter

Damit alle Mitarbeiter zukünftig zuverlässig arbeiten können, wurden alle Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel ein funktionsfähiger W-LAN-Hotspot geschaffen. "Die Firma übernimmt die Stellplatzgebühren, die Spritkosten, die Steuer, die Reparaturen, die Wartungen der Fahrzeuge und so weiter. All inclusive", verspricht Unternehmer Dieter Klages. Das Vertrauen ist groß, dass dann auch vernünftig gearbeitet wird. Bestätigt sich das auch in der Zukunft, könnte sich Dieter Klages vorstellen sogar noch weitere Wohnmobile anzuschaffen. (cta)